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Mannheimer Räterepublik: Justizakten verbrannt und Gefangene befreit

Mannheim. (RNZ) Nur wenige Tage bestand die Mannheimer Räterepublik, die der KPD-Funktionär Albert Stolzenburg am 22. Februar 1919 ausgerufen hatte. In der Folge zogen Mitglieder des "Revolutionären Arbeiterrats" zum Schloss, das damals Sitz der Justiz- und Verwaltungsbehörden war. Sie zerstörten das Mobiliar und setzten Aktenschränke in Brand. Der Aufstand in Mannheim endete am 25. Februar - die politischen Umwälzungen ließen sich nicht aufhalten: Die Republik wurde etabliert.

Die Novemberrevolution 1918 hatte bereits die 200-jährige Geschichte des Mannheimer Schlosses als Residenz beendet: Großherzog Friedrich II. hatte abgedankt und das Schloss war durch einen Abfindungsvertrag in das Eigentum des Freistaates Baden übergegangen. Ein Museum im Schloss selbst wurde erst 1926 eingerichtet. 1919 fanden dort zunächst staatliche Justiz- und Verwaltungsbehörden sowie Gefängniszellen ihren Platz.

Am 22. Februar 1919 rief Stolzenberg in Mannheim, mit rund 3500 Parteimitgliedern eine Hochburg der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), zunächst den Generalstreik aus, dann die Räterepublik. In der Proklamation hieß es: "Die gestrige Demonstration hat den Anschluss an eine süddeutsche Räte-Republik einstimmig zugestimmt, in Mannheim ist der Revolutionäre Arbeiter-Rat ins Leben gerufen. […] Vom heutigen Tage an ist der Revolutionäre Arbeiter-Rat die höchste Behörde der Stadt Mannheim! […]"

Verschiedene Redner forderten die Teilnehmer zu einer konkreten Aktion zur Herstellung der Räterepublik auf. Dem Aufruf schlossen sich etwa 1000 Menschen an, die zum Schloss zogen, in dem sich Abteilungen der Justiz- und anderer Verwaltungsbehörden befanden. Die Demonstranten entwaffneten die Sicherheitsleute und drangen in die Räume ein. Sie zerstörten Einrichtungsgegenstände und zündeten Justizakten an. Aus den Untersuchungshaftzellen im Keller des Schlosses wurden politische Gefangene und andere Häftlinge befreit. Der Aufstand dauerte jedoch nur wenige Tage. KPD, USPD und SPD einigten sich am 25. Februar 1919 auf den Rücktritt des Arbeiterrats: Die Räterepublik in Baden war damit gescheitert.

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