Hardheim: Ein großes Stühlerücken steht dem Gemeinderat bevor
Hardheim. (rüb) Die Zahl der Sitze steigt, während der Kreis der Kandidaten kleiner wird: So lässt sich die Situation in Hardheim vor den Kommunalwahlen kurz und prägnant beschreiben. Da sich eine ganze Reihe bewährter Kräfte nicht mehr zur Wahl stellen wird, erhält das Gremium nach der Wahl am 26. Mai ein neues Gesicht.
Bereits beschlossen wurde eine Sitzanpassung an die Entwicklung der Einwohnerzahlen: So erhält die Kerngemeinde einen zusätzlichen Sitz. Damit erhöht sich die Zahl der Sitze auf 18: elf in der Kerngemeinde, je zwei in Schweinberg und Gerichtstetten, je einer in Erfeld, Bretzingen und für die Höhe. Ebenfalls in trockenen Tüchern ist ein neues Gremium: Die Kerngemeinde erhält einen eigenen Ausschuss für ihre Themen - vergleichbarmit einem Ortschaftsrat in den Ortsteilen.
Voraussichtlich bleibt es bei drei Wahllisten: CDU, SPD und Freie Wähler. Eine weitere Zersplitterung des Rates durch neue Parteilisten wäre, so Bürgermeister Rohm, nicht wünschenswert: "Das würde meines Erachtens mehr trennen als verbinden, was nicht im Interesse einer gemeinsamen Gemeindepolitik liegen kann." Auch das Gemeindeoberhaupt weiß, dass es landauf, landab immer schwieriger wird, Bürger für ein Engagement in der Kommunalpolitik zu begeistern: "Es zeigt sich, dass sich die Suche nach Kandidaten sowohl für die Ortschaftsgremien wie für den Gemeinderat überall als sehr schwierig erweist. Schon allein aus diesem Grund wird wohl so mancher, der eigentlich aufhören wollte, doch noch einmal antreten." Diese Einschätzung können die von der RNZ befragten Fraktionssprecher bestätigen:
Dr. Ingo Großkinsky (CDU): "Auch für uns als CDU - und damit als die Partei, die bei Wahlen regelmäßig sehr gute Ergebnisse in Hardheim erzielt - gestaltet sich die Kandidatensuche als schwierig. Leider sind immer weniger Personen bereit, sich für allgemeine Interessen einzubringen. Diese Tendenz, die ja auch im Vereinsleben festzustellen ist, verstärkt sich nach meinem Eindruck leider von Wahlperiode zu Wahlperiode. Oft werden objektiv nicht nachzuvollziehende Gründe für eine Ablehnung genannt. Das ist sehr schade, ist es doch eine große Ehre und auch sonst eine tolle Sache, sich für die Interessen seiner Wohngemeinde einsetzen zu dürfen."
Wie die Liste der CDU am Ende aussehen wird, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so Dr. Großkinsky weiter: "Es ist noch vieles im Fluss." Definitiv ausscheiden würden die erste Bürgermeisterstellvertreterin Simone Richter, die dem Gremium eine Wahlperiode lang angehört, und Torsten Englert, der seit drei Wahlperioden für die CDU im Rat sitzt.
Klaus Schneider (Freie Wähler): "Die Suche nach Kandidaten war in der Vergangenheit nicht einfach und so ist es auch dieses Mal. Im Fokus sind immer zuerst die Personen, die im Gemeindeleben in irgendeiner Form präsent sind. Mit dem Nachteil, dass deren Zeit durch ihr Engagement schon aufgebraucht ist. Es gibt aber in der Gemeinde bestimmt auch Personen, die sich gerne politisch engagieren würden, aber an die vielleicht niemand denkt. Daher richte ich an dieser Stelle meinen Appell an alle Personen, die sich eine Kandidatur für den Gemeinderat oder Ortschaftsrat vorstellen können, sich bei einem Gemeinderat zu melden. Noch ist Zeit! Ich bin mir sicher, dass auf allen Listen noch Platz für Kandidaten ist. Im Übrigen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Tätigkeit im Gemeinderat die beste Möglichkeit ist, ganz nah an allen politischen Entscheidungen innerhalb der Gemeinde zu sein."
Genaue Aussagen, wer aufhört und wer antritt, konnte Klaus Schneider noch nicht tätigen: "Ich weiß nicht, wer alles aus dem Gremium ausscheidet. Ich denke, viele werden unter Umständen erst bei der Nominierungsveranstaltung endgültig entscheiden, wie der persönliche Weg weitergehen wird."
Manfred Böhrer (SPD): "Die Kandidatensuche gestaltet sich sehr schwierig. Die Leute sind oft beruflich stark gefordert, und durch unregelmäßige Arbeitszeiten ist ein ehrenamtliches Engagement oft sehr schwierig. Wir sind jedoch im Gespräch mit einigen geeigneten möglichen Kandidaten und hoffen, den einen oder anderen für unsere Liste gewinnen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass vor allem junge Leute wieder mehr Interesse an der Kommunalpolitik zeigen und sich für das kommunale Geschehen einbringen. Namen von möglichen Kandidaten können wir leider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen."
Dafür ist klar, dass mindestens zwei Mitglieder der Fraktion ausscheiden werden: Volker Fitz (47 Jahre alt), wird nach fünfjähriger Zugehörigkeit zum Gemeinderat aus beruflichen Gründen weder für den Gemeinderat noch für den Kreistag kandidieren. Manfred Böhrer (bei der Wahl 63) wird nach 15-jähriger Zugehörigkeit zum Gemeinderat aus Altersgründen nicht mehr kandidieren. Er will sich, wie bisher schon, an anderer Stelle weiter für die Gemeinde einbringen. Bürgermeisterstellvertreter Lars Ederer (49) wird erneut für den Kreistag kandidieren. Er hat sich nach 20-jähriger Zugehörigkeit zum Gemeinderat noch nicht endgültig entschlossen, ob er nochmals für den Rat kandidieren wird.