Obrigheim: Bei den Klapperstörchen hat’s schon geklappt
Von Stephanie Kern
Obrigheim. "Obrigheim hat eine neue Sensation", freut sich Peter Baust. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Mosbach hat gute Neuigkeiten von den Störchen in Obrigheim. Im Januar hat der Nabu nahe dem Neckarufer in Obrigheim zwei Nester errichtet. Nun lebt dort nicht nur ein Paar, sondern eine Familie mit drei Storchenkindern.
"In Obrigheim wird es jetzt einen Kindersegen geben", hatte Klaus Junker bei der Errichtung der Nester im Januar noch gescherzt. Nun haben die Störche selbst Nachwuchs bekommen. "Das überrascht uns schon, damit haben wir nicht gerechnet", sagt Peter Baust. "In unserem Raum ist das die erste Storchenbrut. Vielleicht sogar die erste im Altkreis Mosbach." Die Storchenfamilie hat eines der Nester in Beschlag genommen, die Jungen sind heute elf Tage alt. "Sie sind noch sehr klein, werden aber gefüttert und sind auch schon etwas gewachsen", berichtet Baust aus der Kinderstube am Neckarufer.
Der Weißstorch war in Mitteleuropa ehemals ein verbreiteter Brut- und Sommervogel. Im Zuge der Industrialisierung kam es jedoch zu großen Bestandsrückgängen. Zu den Gründen zählen wahrscheinlich das Trockenlegen von Feuchtgebieten und die Umwandlung von Wiesen in Felder. Insbesondere die Populationen der nach Westen ziehenden Weißstörche sind zum Teil bis auf lokale Restbestände eingebrochen. Seit Mitte der 1980er-Jahre ist der Bestand aber wieder gestiegen, der Weißstorch nicht mehr vom Aussterben bedroht. Dass das so ist, daran trägt auch der Storch selbst maßgeblichen Anteil: Den Rückgang seiner Hauptnahrungsquelle (Amphibien) kompensiert er mit der Umstellung seines Speiseplans, auf dem kleine Vögel, Insekten, Würmer und Mäuse stehen.
Nun gibt es also auch in Obrigheim ein Pärchen mit Nachwuchs. Die Eltern kümmern sich wohl auch rührend um die Jungen, sorgen für Schatten in den heißen Mittagsstunden und verteidigen das zweite Nest gegen potenzielle Nachbarn. "Das machen Störche immer so. Sie schützen neue Nistplätze, bis sie sich sicher fühlen", erklärt Baust. Man müsse nun sehen, wie sich der zweite Nistplatz entwickelt. "Er wird aber immer wieder von Störchen an- oder überflogen."
Dass das jetzt erfolgreiche Elternpaar im kommenden Jahr wiederkommt, sei nicht sehr unwahrscheinlich. Baust: "Störche sind nesttreu. Wo es ihnen einmal gefallen hat und gut ging, treffen sie sich auch im kommenden Jahr wieder."
Inzwischen gehe man davon aus, dass Störche nicht monogam leben, dieselben Partner sich aber immer wieder an denselben Nistplätzen treffen. Im Fall der Obrigheimer Störche könne man das relativ einfach nachvollziehen, denn das Weibchen trägt einen Ring. Den hat ihr zwar nicht ihr Partner angesteckt, aber damit konnten die Nabu-Mitglieder sie identifizieren. "Die Störchin ist 25 Jahre alt", so Baust. Störche werden etwa 30 bis 35 Jahre alt. Die Jungen könnte man zwar beringen. "Geplant ist aber nichts", sagt Baust. Denn erstens sei die Aktion eine Störung am Nest. Zweitens sind die Nester in Obrigheim sehr hoch, das Beringen also mit hohem (im wahrsten Sinne des Wortes) Aufwand verbunden.
Prinzipiell sind die Mosbacher Naturschützer auch mit Beobachten ganz zufrieden. "Die Nabu-Mitglieder sind begeistert. Besonders natürlich Klaus Junker, der alles ins Rollen gebracht hat", berichtet Peter Baust. Und auch die Obrigheimer bewundern "ihre" Störche, bleiben beim Spaziergang am Neckar oft stehen, um das Paar und seine Jungen zu beobachten. Aus der Nähe kann man den Nachwuchs allerdings noch nicht sehen, da müsse man schon mit ein wenig Abstand an die Sache herangehen. "Wenn sie aber jetzt weiter wachsen und dann auch aufstehen, wird es sicher die ersten schönen Fotos vom Nachwuchs geben", ist Baust überzeugt.