Galerie Kunst2 Heidelberg: Fünf Künstlerinnen zeigen Arbeiten auf Papier
Von Julia Behrens
Heidelberg. Mit großer Leichtigkeit kommen sie daher: Die Zeichnungen, Aquarelle, Collagen und Ölbilder von fünf Künstlerinnen, die "im weitesten Sinne Papier" zur Grundlage haben und unter diesem Ausstellungstitel in der Galerie Kunst2 zu sehen sind. Dabei überrascht der Variantenreichtum der Exponate als Resultat eines häufig phantasievollen und experimentellen Umgangs mit dem Material.
Die Frankfurter Künstlerin Christine Brunella blendet ihre feinen Tuschezeichnungen gern vor dicke Holzrahmen, überzieht alles mit Epoxidharz und gibt der Zartheit von Papier eine objekthafte Anmutung. Brunella hat ihre Kunst aus der Kalligraphie entwickelt, daher spielt Schrift eine große Rolle in ihren Arbeiten. Auf filigrane Weise versinnbildlicht sie Sprache, verdichtet Buchstaben zu abstrakten Balken oder findet Ausdruck im Gegenständlichen. Das Motiv von schwebenden, tanzenden Ginkgo-Blättern nimmt die Bewegung ihrer Schriftbilder auf und verselbstständigt sich in duftigen Kompositionen.
Dazu bilden die starkfarbigen, in Öl und Acryl geschaffenen Werke der in Köln ansässigen Künstlerin Sabine Tress einen intensiven Kontrast. Hier geht es um reine, abstrakte Malerei, die sich nicht wie sonst auf Leinwand, sondern auf Büttenpapier ereignet: In vielen Schichten zelebriert Tress ihre für sie typische Überblendung von unterschiedlich schnell trocknenden Flächen, die sie in pastoser Geste oder als hauchdünnen Film aufbringt und so eine sinnliche Leuchtkraft und interessante Haptik erzeugt.
Auch Meike Lohmann aus Nürnberg fertigt auf Papier keine Entwürfe, sondern vollständige Werke - in Eitempera, Aquarell und Buntstift. Viele Blätter sind in Finnland entstanden, wo sie an einem "Artist-in-Residence"-Programm teilnahm. Ihre jüngsten Eindrücke verarbeitet sie nicht nur in pastellfarbenen, virtuos angelegten Landschaften, in denen sie einsame Häuser oder Boote verortet, sondern auch in Darstellungen von Gruppen indigener Frauen in Tracht.
Die Buntstiftzeichnungen von Tamara Giesberts sind die einzigen in der Ausstellung, die man als Skizzen, als kurze Momentaufnahmen und eventuelle Vorstufen zu späteren Bildern verstehen kann. Die Holländerin umreißt Häuser und Straßen, Impressionen von einer Reise durch Amerika, die in einem comicartigen und plakativen Stil nicht zu den geheimnisvollen Interieurs passen, mit denen die Künstlerin im Februar und März in der Galerie Kunst2 vertreten war. Man darf gespannt sein, wie Giesberts diese neuen, jetzt das Exterieur betreffenden Ansichten noch nutzen wird.
Besonders raffiniert sind die Collagen von Britta Hondl. Die in Neckargemünd lebende Künstlerin kombiniert eigene Drucke mit Cut-Outs von Zeitschriften und schafft - in mutigem und passgenauem Mix aus Abstraktion und Figuration - überzeugend surreale Bildwelten. Wie in ihren Gemälden generiert Hondl eine Ästhetik, die von Schönheit und Rätselhaftigkeit bestimmt ist.
Info: Bis 21. September. Galerie Kunst2, Lutherstraße 37, 69120 Heidelberg. Telefon: 06221/455820.