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Heidelberg: Von Arbeiterkneipen und koscheren Speiselokalen

Von Manfred Bechtel

Heidelberg. Wie eine in Leder gebundene Speisekarte wirkt der Einband, und wenn man das Buch in die Hand nimmt, fühlt es sich auch so an. Man schlägt es auf und blättert in einem reichhaltigen Menü - aber nicht von Speisen und Getränken, sondern von Gaststätten. Unter dem Titel "Von der Concession zur Consumption…" hat Volker von Offenberg amüsant und kenntnisreich "Eine kleine Heidelberger ‚Wirtschafts‘-Geschichte" verfasst. Letzte Woche wurde das Buch stilgerecht im Roten Ochsen vorgestellt.

Es hatte damit begonnen, dass das Amt für öffentliche Ordnung alte Konzessionsakten ausmusterte. Sie wurden dem Stadtarchiv übergeben, das wiederum Volker von Offenberg einlud, daraus eine Sonderveröffentlichung zu gestalten. "Erschlagen" war er, als er das Material sah: 24 große Umzugskartons voll mit Akten. Die waren zu sichten, eine Auswahl war zu treffen. Eine zeitliche Beschränkung auf die letzten beiden Jahrhunderte schien sinnvoll. Dokumente aus privaten Beständen und Zeitzeugengespräche erweiterten und ergänzten den Blick auf das Thema. Sehr bald verabschiedete sich der Autor vom Wunsch nach Vollständigkeit und wirbt auch um Verständnis, dass nicht jeder Leser sein Lieblingslokal wiederfindet.

Offenberg betrachtet zunächst die ‚Concession‘, die Genehmigung durch die Behörde also. Danach systematisiert er die ‚Consumption‘: bürgerliche Gastwirtschaften, Cafés, Weinstuben, Ausflugslokale, Studentenkneipen, Nachtclubs, koschere Speiselokale. Renitente Gäste und kauzige Wirte treten auf, politische Aspekte werden nicht ausgespart, bis hin zur Entnazifizierung "brauner" Wirte. Mit den Arbeiterkneipen beleuchtet Offenberg ein "bisher unterbelichtetes Kapitel".

Auch verblüffende Zusammenhänge zwischen Stadtentwicklung und Konzessionsgeschichte förderte die Untersuchung zutage. Und Probleme wie die Nachtkonzession gibt es nicht erst seit heute, erfährt der Leser, sie ziehen sich schon über hundert Jahre durch die Stadtpolitik.

Zwölf Einzeldarstellungen schließen den Zug durch die Heidelberger Gastronomie und ihre Geschichte ab. Klangvolle Namen sind darunter. Viele sind verschwunden, so das renommierte Café Haeberlein in der Friedrich-Ebert-Anlage oder das nostalgische Cafasö in der Hauptstraße/Ecke Fahrtgasse. Andere haben es in die Gegenwart geschafft, etwa das Güldene Schaf in der Hauptstraße oder das legendäre Cave 54 in der Krämergasse.

Bereits 2005 hatte Volker von Offenberg sein erfolgreiches Buch "Prost Heidelberg!" vorgelegt. Damals richtete er den Blick auf Brauereien und Bierwirtschaften. Was nicht unmittelbar mit dieser Vorgabe zusammenhing, musste ausgeblendet oder angedeutet bleiben. Dafür war jetzt Raum. Die ‚Wirtschafts‘-Geschichte ist also kein Remake; sie schließt sich vielmehr thematisch an "Prost Heidelberg!" an.

Volker von Offenberg stellt sein Buch noch zwei mal vor: am Freitag, 25. Oktober, um 19.30 Uhr in der Bücherstube an der Tiefburg, Dossenheimer Landstraße 2, und am Donnerstag, 7. November, 19.30 Uhr, in der Buchhandlung am Eichendorffplatz, Karlsruher Straße 50.

Info: Volker von Offenberg, Von der Concession zur Consumption ... Eine kleine Heidelberger ,Wirtschafts‘-Geschichte. Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Heidelberg, Band 24, 112 Seiten, ISBN 978-3-95505-146-4. 17,90 Euro.

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