Klingelende Klimakasse: Deutscher Staat verdient mit CO2-Zertifikaten 21,4 Milliarden Euro
Bis 2045 will Deutschland klimaneutral werden und muss dafür seine Wirtschaft begrünen. CO2-Zertifikate haben dafür bisher viel Geld eingebracht. Doch es gibt auch Nachteile.
Deutschland hat 2025 aus dem Verkauf von Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten so viel Geld wie noch nie eingenommen. Aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel kamen mehr als 21,4 Milliarden Euro zusammen, wie die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Berlin mitteilte. 2024 lag der Wert bei 18,5 Milliarden. Die Bepreisung von Treibhausgasen soll Wirtschaft und Verbrauchern einen Anreiz geben, weniger fossile Brennstoffe zu verwenden und mehr auf erneuerbare Energien zu setzen.
Das Geld fließt vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Aus ihm werden Energiewende- und Klimaschutz-Maßnahmen finanziert.
Emissionsberechtigungen werden seit 2008 verkauft. Die seitdem erzielten Gesamterlöse überschritten laut DEHSt im Dezember die 100-Milliarden-Euro-Marke.
Verbraucher müssen tiefer ins Portemonnaie greifen
In Deutschland bestimmt auch der sogenannte CO2-Preis über die Kosten der Klimazertifikate. Die Steuer wird seit 2021 für Brenn- und Heizstoffe erhoben und steigt schrittweise an. Dadurch verteuern sich für die Verbraucher das Tanken mit Benzin und Diesel sowie das Heizen mit Erdgas und Öl.
Der ADAC rechnet etwa für das neue Jahr mit einem Anstieg des Benzinpreises um knapp 3 Cent pro Liter und etwas weniger als 3 Cent pro Liter beim Diesel. Zu den Heizkosten für Öl und Gas heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv): "Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich der Preis eher am oberen Ende einpendelt." Dadurch könne Heizöl 2026 etwa 3 Cent pro Liter mehr kosten. Erdgas werde wahrscheinlich um etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde teurer. "In einem typischen, wenig sanierten Einfamilienhaus mit Gasheizung und rund 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergeben sich dadurch ungefähre jährliche Mehrkosten von rund 50 Euro gegenüber dem Vorjahr."
Derzeit ist der CO2-Preis noch gesetzlich vorgegeben, in Zukunft soll er sich aber aus dem EU-Emissionshandel ergeben. Dabei müssen große Unternehmen, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel verkaufen, Emissionszertifikate vorweisen. Nach Bedarf können sie damit untereinander handeln. So entsteht ein Preis für jede ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der verfügbaren Zertifikate – dies soll auf möglichst effiziente Art zu mehr Klimaschutz führen.
Preise für Klimazertifikate könnten steigen
Befürworter von Emissionshandelssystemen betonen, dass hier der Markt Klimaschutz effizient macht. Doch ohne ergänzende gesetzliche Vorgaben landen die Preise ungebremst bei den Verbrauchern, lautet eine Sorge.
Je stärker die gesetzlichen Vorgaben zum Beispiel im Gebäudeenergiegesetz oder die EU-Vorschriften für Neuwagen sind, desto niedriger fällt der CO2-Preis im Emissionshandel aus, erklärt Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. Die Bundesregierung plane aber, die Vorgaben eher zurückzudrehen. "Es ist also eher mit hohen Preisen zu rechnen."
Höhne sagt voraus: "Wenn ab 2028 wirklich das neue EU-Emissionshandelssystem ungebremst einsetzt, schnellen entweder die Preise in die Höhe, oder sie werden von der Politik gedeckelt – auf Kosten der Klimaziele." Sozialer Ausgleich sei essenziell, da gerade die ärmere Bevölkerung bei hohen Energiepreisen überproportional belastet werde.
Der vzbv fordert, die Bundesregierung müsse Verbraucherinnen und Verbrauchern den Wechsel von teurer werdenden fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien ermöglichen. "Die gesetzlichen Vorgaben für den Heizungstausch müssen deswegen bestehen bleiben. Genauso zentral ist die Senkung des Energieverbrauchs insgesamt und damit auch der CO2-Kosten."