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50. Bühnenjubiläum: Theaterchef Corny Littmann feiert 50 Jahre auf der Bühne

Stern 

Wie Schauspieler, Regisseur und Theaterchef Corny Littmann mit schrillen Shows und politischem Theater die Hamburger Reeperbahn prägte – und warum er am liebsten "kaputte Typen" spielt.

Ob mit Perücke in Frauenkleidern oder als Rentner im Rollstuhl: Corny Littmann hat in seinem Leben schon viele Rollen gespielt. Auch an seinen ersten Auftritt kann sich der 73-Jährige noch gut erinnern: "Als kleiner Junge gab es immer eine Schulaufführung, die wurde geleitet von dem Religionslehrer Dr. Ruprecht. Gespielt wurde "Ali Baba und die 40 Räuber" und ich war einer der 40 Räuber. Und die Mutter des Religionslehrers sagte dann anschließend und es muss daran gelegen haben, dass ich beim Gang über die Bühne irgendwie ins Publikum geguckt habe: "Aus dem wird mal was"", erinnert sich Littmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Sie sollte recht behalten. Mittlerweile blickt Corny Littmann, der 1952 in Münster geboren wurde, auf eine äußerst erfolgreiche Karriere zurück - nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne - und als Leiter von gleich drei Theatern auf der Hamburger Reeperbahn: Das Schmidt Theater, das Schmidts Tivoli und das Schmidtchen. Seit Jahrzehnten engagiert sich der bekennende Homosexuelle für die Schwulenbewegung. Und als Präsident des FC St. Pauli (2003-2010) schaffte Littmann es, den Kultverein vor dem Konkurs zu retten. Am 13. Januar feiert der "König vom Kiez" sein 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Vor 400 Leuten in der Fabrik ohne Mikrofone

Mit 15 Jahren kommt Littmann nach Hamburg, wo er Abitur macht und in der wilden Studentenzeit Psychologie studieren will. Dabei entdeckt er seine Liebe zum Theater. 1976 - mit 23 Jahren - gründete er zusammen mit Hans-Georg Berger die Theatergruppe "Brühwarm", die erste offen schwule Theatergruppe in Deutschland. Die Premiere fand am 13. Januar 1976 in der Fabrik statt. "Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie wir das akustisch überhaupt gemacht haben, weil wir keine Mikrofone hatten", erinnert er sich rückblickend.

Gespielt wurden Sketche und Littmann übernahm gleich mehrere Rollen. "Unter anderem bin ich da zum ersten Mal in einem Kleid auf der Bühne gewesen, in einem rot-weiß-gestreiften Kleid als Gundula", erzählt er schmunzelnd. Aus heutiger Sicht würde er die Aufführungen als "semiprofessionell" und "polit-agitatorisch" bezeichnen. "Der besondere Reiz lag am Anfang darin, dass heterosexuelle Studentinnen und Studenten in die Vorstellung kamen und zum ersten Mal in ihrem Leben vier offensichtlich schwule Männer auf der Bühne sahen. Die kannte man gar nicht", sagt Littmann.

"Deutsch, aufrecht, homosexuell"

1982 gründete Littmann gemeinsam mit dem Kabarettisten Gunter Schmidt das Tourneetheater "Familie Schmidt" - "deutsch, aufrecht, homosexuell" heißt eines ihrer Programme. "Damit sind wir zwei Jahre von Flensburg bis in die Schweiz getourt", erzählt der Theaterchef. Im zweiten Stück kam Ernie Reinhardt dazu, der später als Lilo Wanders bekannt wurde. Mit dem Programm "Sag bitte und ich sing'" eröffnen sie am 8.8.88 abends um 8.08 Uhr das Schmidt Theater. "Wir waren des Reisens müde", erinnert sich Littmann. Als 1988 ein altes Kino auf der Hamburger Reeperbahn leer stand, griffen sie zu.

Besonders beliebt wurde die "Schmidt Mitternachtsshow" mit Kleinkunstnummern und Laiendarbietungen - zur Schmidt-Familie gehören neben "Herrn Schmidt" (Corny Littmann) noch Lilo Wanders (Ernie Reinhardt) und Marlene Jaschke (Jutta Wübbe). Als der Norddeutsche Rundfunk (NDR) die Show Anfang der 1990er Jahre im Fernsehen überträgt, wird das Theater auch bundesweit bekannt. Littmann sorgt dabei öfter für Wirbel: So blendet sich der Westdeutsche Rundfunk (WDR) aus, als er ein Plakat der Deutschen Aidshilfe in die Kamera hält, auf dem zwei Männer beim Oralverkehr zu sehen sind.

Dauerbrenner "Heiße Ecke" und "Die Königs vom Kiez"

Nach dem Coup mit dem Schmidt Theater bietet sich 1990 erneut eine einmalige Chance: Das benachbarte "Zillertal" sucht einen Nachmieter. Littmann und sein Geschäftspartner Norbert Aust schlagen erneut zu - und schaffen 1991 mit dem "Schmidts Tivoli" eine zweite Bühne, die mit schrägen Ideen und schrillen Shows ein breites Publikum anlockt - 2015 kommt noch die kleine Bühne Schmidtchen hinzu. 

Littmann inszeniert Musicals wie "Cabaret", Schlagerrevuen wie "Fifty Fifty" und die Dauerbrenner "Heiße Ecke" und "Die Königs vom Kiez", in denen er auch selbst mitspielt. "Am liebsten habe ich immer kaputte Typen gespielt, wie den grantelnden Alten in "Villa Sonnenschein" oder den Käpt'n in "Die Königs vom Kiez"", sagt er.

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