"Nord bei Nordwest – Fette Ente mit Pilzen": In China essen sie Hunde – oder?!
Im nun wiederholten Krimi von 2025 führt der Unfalltod einer Frau Hauke, Hannah und Jule zum neuen Chinarestaurant in Schwanitz, in dem sich alle Mitarbeiter verdächtig verhalten. Trotz der für die Reihe typischen Situationskomik geht es diesmal um ein ungewohnt ernstes Thema: das Schicksal der Uiguren.
Kurz vor Weihnachten verkündeten Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse und Jana Klinge, die Stars der ARD-Krimireihe "Nord bei Nordwest", in den sozialen Medien eine frohe Botschaft für ihre Fans: Statt bisher drei Filmen werde es ab sofort ganze vier im Jahr geben! Kein Wunder: Die Ende 2014 gestartete ARD/NDR-Koproduktion hat an Beliebtheit bis heute nichts eingebüßt. Im Schnitt erreichen die Filme Quoten von 7,26 Millionen Zuschauern, die Folge "Im Namen des Vaters" knackte 2021 sogar die Zehn-Millionen-Marke.
Los geht es 2026 allerdings nicht mit einer neuen "Nord bei Nordwest"-Folge, sondern mit der Wiederholung eines Falls aus dem vergangenen Jahr: "Fette Ente mit Pilzen" (Regie: Steffi Doehlemann), zu sehen am Donnerstagabend, erreichte bei der Erstausstrahlung 7,68 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.
Der 25. Film der Reihe ist einmal mehr ein sehr spezieller. Diesmal versuchte sich Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt ("Lost in Fuseta") an einem "Agenten-Krimi mit Thriller-Momenten", wie die Redakteure Donald Kraemer (NDR) und Katja Kirchen (ARD Degeto Film) zum Jubiläumsfall schrieben.
Hauke und die Frauen
Klingt ernst, ist es auch. Was nicht bedeutet, dass der für die Reihe typische Humor, der einen großen Teil ihres Charmes ausmacht, zu kurz kommt. Besonders in der "Dreiecksbeziehung" zwischen dem auf zwischenmenschlicher Eben stets überforderten Hauke (Schönemann) und seiner Kollegin Hannah Wagner (Klinge) und Tierärztin Jule Christiansen (Lohse). Auch diesmal knistert es wieder zwischen dem Ermittler und den Frauen. "Der Kuss, zu dem es nicht kommt, ist in Schwanitz mehr als nur ein verhinderter Kuss. Er ist ein Versprechen", sagen Kraemer und Kirchen. Und das wird auch diesmal gehalten.
Wie wichtig Hannah für Hauke ist, kann er in diesem Fall wahrlich nicht verheimlichen, so unbeholfen und teenagerhaft eifersüchtig reagiert er auf ihre Offenbarung, dass sie im Urlaub einen gewissen Kevin kennengelernt und sich mit ihm verlobt habe. Mehr noch: Sie kündigt und wird in wenigen Tagen Schwanitz verlassen. Uff. "Das klingt ja ... wirklich gut ...", müht sich Hauke sichtlich ab. "Das sind ganz tolle Neuigkeiten ... da kann ich Sie nur zu beglückwünschen ... da freu ich mich ganz sehr für Sie, ganz doll." Am Abend sollen er und Jule besagten Kevin kennenlernen, und zwar im gerade neu eröffneten Chinarestaurant "Mandarin" – dem Dreh- und Angelpunkt des Films.
Ein dubioses China-Restaurant und jede Menge augenzwinkernde Klischees
Offensichtlicher kann es nicht sein, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Zu jeder Tageszeit ist das Etablissement in zwielichtig-spelunkiges, düster-rötliches Licht getaucht. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benehmen sich äußerst verdächtig und distanziert. Jule ist überzeugt, dass die beiden Hunde, die ihr kurz zuvor gestohlen wurden, hier gelandet sind – und zwar auf der Speisekarte. Ihr Gericht "Die Sänfte des Himmels" sei jedenfalls nie und nimmer aus Schweinefleisch gewesen. Hauke dagegen ist sicher: Sein "Der Löwe von Dödelhausen" war definitiv aus Schwein.
Nicht die einzigen China-Klischees im Film, dazu kommen noch Scherze über Glückskekse oder auch die Vermutung, dass die beiden Löwen vor dem "Mandarin" ein Kennzeichen für die Triaden seien, also das organisierte Verbrechen. Aber bevor es nun Beschwerden hagelt – das Ganze ist so überzogen, dass die satirische Absicht klar ist: "Nicht nur unsere Charaktere, auch die Zuschauer werden sich in diesem Film selbst bei Vorurteilen ertappen", verspricht Regisseurin Steffie Doehlemann.
Wenig später ist es allerdings nicht ein gestohlener Hund, sondern eine bei einem Unfall zu Tode gekommene Chinesin, die Hauke und Hannah erneut ins "Mandarin" führt. Sie finden heraus, dass die Frau vor jemandem floh, ehe sie überfahren wurde. Der Verfolger, so Zeugen, sei ebenfalls ein Asiate gewesen. Es dauert nicht lange, und es kristallisiert sich ein Verdacht heraus: Ist das Restaurant womöglich nur Tarnung für Geldwäsche-Geschäfte?
Nun: Nicht alles ist, wie es zunächst scheint in "Fette Ente mit Pilzen" – der Titel ist übrigens eine Hommage an den verstorbenen Cartoonisten Martin Perscheid, der den Begriff in einem seiner Werke verwendete. Die Hintergründe des Falls sind am Ende ganz andere und haben, ohne zuviel zu verraten, mit der Situation der uigurischen Minderheit in China zu tun.
Ungewöhnlich ernstes Thema
Von ihrer "Unterbringung in Lagern, Zwangsarbeit, Umerziehung bis hin zu Geburtenreduzierungen durch Sterilisierungen usw." habe er bereits vor dem Film gewusst, erklärt Autor Holger Karsten Schmidt. "Als sich dann in den Medien auch noch Berichte darüber mehrten, dass China nicht nur in Deutschland inoffizielle 'Polizeistationen' unterhält, die unter anderem dazu dienen, regimekritische hier lebende Chinesen persönlich unter Druck zu setzen, zu bedrohen und zu erpressen, habe ich mich dazu entschlossen, genau das zum Hintergrund der nächsten 'Nord bei Nordwest'-Folge zu machen." Zu seiner Überraschung und Freude waren Produktion und Redaktion sofort einverstanden.
Es ist ungewöhnlich und löblich, dass sich die eher dem Genre Schmunzelkrimi zuzuordnende Reihe eines so ernsten politischen Themas annimmt. "Ich finde das sehr mutig und gut", stimmt Hauptdarsteller Schönemann zu. "Mit einem Krimiformat erreicht man ja auch noch eine andere und vielleicht größere Zielgruppe als mit einer Dokumentation."
In den kommenden beiden Wochen geht es dann los mit den ersten der geplanten vier neuen Filme von "Nord bei Nordwest". Den Anfang macht Film Nummer 28 mit dem Titel "Pechmarie", gefolgt von "Blindgänger" Anfang Februar. Beide Krimis sind bereits seit Silvester in der Mediathek abrufbar.
Nord bei Nordwest – Fette Ente mit Pilzen – Do. 22.01. – ARD: 20.15 Uhr