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DFB-Vize Göttlich will über WM-Boykott reden

Ein möglicher Boykott der WM in den USA ist für den St. Pauli-Klubchef Oke Göttlich zumindest eine Diskussion wert. Er fordert eine Antwort von FIFA-Boss Infantino. Der Klubchef von St. Pauli und DFB-Vizepräsident Oke Göttlich sieht die Zeit reif für eine Debatte um einen WM-Boykott. "Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen", sagte Göttlich in einem Interview der "Hamburger Morgenpost". Der Fußballmanager verwies auf ähnliche Diskussionen zu Olympischen Spielen. "Was waren denn die Begründungen für die Olympia-Boykotts in den 1980er-Jahren? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals. Wir müssen diese Diskussion führen", sagte der St. Pauli-Chef der Zeitung. In seiner Funktion als stellvertretender Sprecher des Präsidiums der DFL gehört er auch dem Präsidium des DFB an. Einen Konflikt mit Verbandschef Bernd Neuendorf und FIFA-Präsident Gianni Infantino scheut er nicht. "Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen", argumentiert er. Die WM in Katar habe bereits eine politische Debatte ausgelöst. "Und deshalb sind wir jetzt unpolitisch?", fragte der 50-Jährige. Er richtet sich direkt an die Verantwortlichen: "Ist das Tabu erreicht, wenn jemand angreift? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump , wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino", so Göttlich. Erste Vorschläge für Boykott aus der Politik Während sich der DFB bislang nicht äußern wollte, sucht die Politik unter Hochdruck nach einer richtigen Antwort auf Trumps Grönland-Drohungen - und schreckt dabei nicht mehr vor der WM zurück. Begleitet Fußball-Deutschland nach den Diskussionen um die Turniere in Russland und Katar also wieder eine Kontroverse abseits des Rasens? Sollte der US-Präsident, den der Weltverband FIFA kürzlich noch mit einem frei erfundenen "Friedenspreis" gewürdigt hatte, ernst machen, sei es "kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der Augsburger Allgemeinen. Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, hatte einen Teilnahmeverzicht zuvor bereits als "Ultima Ratio" ins Spiel gebracht, um Trump "zur Vernunft zu bringen". Ein sportlicher Verzicht des Teams von Bundestrainer Julian Nagelsmann und anderer Top-Nationen aus Europa scheint unwahrscheinlich. Möglich ist dagegen ein politischer Boykott des Turniers, auch Fans könnten der WM fernbleiben, zumal deren Sicherheit "unter der Trump-Administration nicht gewährleistet" sei, wie Grünen-Politiker Boris Mijatovic betonte.

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