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Oberstdorf: Verrückte Flug-WM: Prevc verliert Ski, Deutschland auf vier

Stern 

Die Zuschauer im Schneetreiben von Oberstdorf sehen einen kuriosen Teamwettbewerb bei der Skiflug-WM. Für das deutsche Team macht mit Blick auf Olympia wenig Hoffnung.

Selbst der kuriose Skiverlust von Dominator Domen Prevc hat den deutschen Springern nicht geholfen. Nach einem denkwürdigen Team-Wettbewerb beendeten die Adler des Deutschen Skiverbandes erstmals seit 16 Jahren eine Flug-WM ohne Medaille.

Pius Paschke, Felix Hoffmann, Karl Geiger und Philipp Raimund belegten beim historisch ersten Sieg von Japan vor Österreich und Norwegen den vierten Platz. Der Rückstand auf das Podest betrug 76,9 Punkte. Der erhoffte Schub blieb knapp zwei Wochen vor den Olympischen Winterspielen aus.

Ski rutschen unkontrolliert über die Schanze

Doch nicht deshalb werden die Weltmeisterschaften in Erinnerung bleiben. Im Schneegestöber von Oberstdorf sorgte Prevc für eine der verrücktesten Skisprung-Szenen der vergangenen Jahre. Weil der Flug-Weltmeister im Einzel und Vierschanzentourneesieger seine Ski auf der Schanze verlor, konnte der Slowene im ersten Durchgang nicht fliegen.

Während der norwegische Vize-Weltmeister Marius Lindvik auf sein Startzeichen wartete, flogen die Ski von Prevc an ihm vorbei. Die Ski rutschten zunächst die Heini-Klopfer-Skiflugschanze hinunter, mindestens einer flog auch bis in den Auslauf.

Slowenien büßte damit seine Medaillenchancen ein. Zu Beginn des Finals schien es zunächst, dass das Top-Team gar nicht mehr antreten werde. Prevcs Teamkollege Timi Zajc stapfte von der Schanze. Dies war jedoch ein Missverständnis, wie im Funkverkehr zu hören war. Wenig später startete Zajc den zweiten Durchgang.

Materialchef des Weltverbandes: "Seit Jahrzehnten nicht erlebt"

Prevc habe die Ski an ein Zelt gelehnt, von dort hätten sie sich selbstständig gemacht, sagte Andreas Bauer, Materialchef des Weltverbandes Fis, zum Missgeschick in der ARD. Es sei Eigenverschulden des Athleten gewesen.

Im zweiten Durchgang durfte Prevc wieder starten, weil er keinen Regelverstoß begangen habe. "So etwas haben wir seit Jahrzehnten nicht erlebt, das so etwas passiert", sagte der frühere Athlet und Cheftrainer der deutschen Damen, Bauer. Am Ende landete Prevc mit seiner Mannschaft auf Rang sechs.

Der Führende im Gesamtweltcup ist auch bei den Winterspielen in Italien der Topfavorit. Die deutschen Springer sind von diesem Status ganz weit entfernt.

Horngacher nach Einzel: "Da hätte ich mir schon mehr erhofft"

Eine Team-Medaille bei der Flug-WM war das große Ziel, das Bundestrainer Stefan Horngacher schon bei der erfolglosen Vierschanzentournee ausgerufen hatte. Nun wurde es auch damit nichts.

Bereits im Einzel am Freitag und Samstag war eine positive Überraschung ausgeblieben. Erstmals seit der Flug-WM 2010 landete kein Deutscher in den Top Ten. "Vom Ergebnis her bin ich sehr unzufrieden", sagte Horngacher danach. "Da hätte ich mir schon mehr erhofft."

Von den drei großen Saisonhöhepunkten Vierschanzentournee, Skiflug-Weltmeisterschaften und Olympia sind jetzt nur noch die Winterspiele übrig, um die Saisonbilanz halbwegs zu retten. Nur, wie soll das gelingen?

Wellinger gar nicht dabei

Nicht nur Prevc scheint weit weg. Raimund landete als bester Deutscher auf Rang 13. Das macht nicht wirklich Hoffnung.

Die Leistungsträger früherer Tage suchen im Prinzip schon den ganzen Winter nach ihrer Form. Andreas Wellinger wurde für die Wettkämpfe der Flug-WM gar nicht erst nominiert, Geiger sah sich bei seinen Flügen zu Rang 17 zwar "auf dem richtigen Weg". Für Olympia ist der Oberstdorfer aber gar nicht qualifiziert.

Findet Hoffmann rechtzeitig zu alter Stärke?

Den bis dato letzten Podestplatz holte Hoffmann vor rund einem Monat mit Platz drei beim Tourneespringen in Oberstdorf. Knieprobleme warfen den 28-Jährigen danach zurück. "Der Felix war in den letzten zwei Wochen genau einmal auf der Schanze. Er hat fast gar kein Training machen können", erklärte Horngacher nach Hoffmanns 22. Platz am Samstag. Eine optimale Olympia-Vorbereitung sieht anders aus.

Eine Weltcup-Station bleibt den deutschen Springern noch, um sich vor der Reise ins italienische Predazzo in Form zu springen. Am kommenden Wochenende findet in Willingen die Olympia-Generalprobe statt.

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