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Schulen: Distanzunterricht bei Schulausfall? Ministerin gegen Pflicht

Stern 

Wann ist Distanzunterricht sinnvoll und wie soll er aussehen? Die Landesregierung plant eine Reform, doch einen Automatismus soll es nicht geben.

Wenn der Schulunterricht in Präsenz ausfällt, etwa wegen Schnee und Eis, dann können Niedersachsens Schulen in den Distanzunterricht wechseln – sie müssen es aber nicht. Geht es nach Kultusministerin Julia Willie Hamburg, soll das auch so bleiben, obwohl es aus der Opposition Rufe nach einem verpflichtenden Distanzunterricht in solchen Fällen gibt.

"Eine verbindliche Vorgabe hängt auch von den Voraussetzungen der Schulen ab und vom Vermögen und dem Alter der Kinder selbst", sagte Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Die Grünen-Politikerin räumte ein: "Wir haben derzeit noch nicht überall im Land die gleichen Bedingungen." Gerade in den Grundschulen könne man sich auch fragen, wie gut Distanzunterricht funktionieren würde. "Insofern wird man differenzieren müssen. Deswegen können das die Schulleitungen am besten selbst entscheiden."

Distanzunterricht soll gesetzliche Grundlage bekommen

Die rot-grüne Landesregierung plant eine Reform des Schulgesetzes, wonach die Schulleitungen etwa bei Unwettern selbst anordnen können, dass zu Hause gearbeitet wird. "Dann muss dadurch kein Unterricht mehr ausfallen", sagte Hamburg. Einen Automatismus soll es aber nicht geben. Bisher entscheiden die Landkreise und kreisfreien Städte über einen Schulausfall. Der Distanzunterricht ist dabei bisher noch gar nicht gesetzlich geregelt.

Wie in der Corona-Pandemie hätten viele Schulen bei den winterbedingten Schulschließungen durch das Sturmtief "Elli" zu Jahresbeginn dennoch Aufgaben verteilt, sagte Hamburg. "Dazu gibt es keine landesweite Erhebung, aber in meinem Umfeld hatten viele Schülerinnen und Schüler Aufgaben, Selbstlernangebote, Materialien oder Lernfilme und konnten sich so gut mit der Schule beschäftigen."

Wie Kinder zu Hause fürs Leben lernen können

Auf die Frage, ob es für sie schon Distanzunterricht sei, wenn die Schule Aufgaben verschickt, die dann von den Schülerinnen und Schülern selbstständig erledigt werden müssen, sagte die Ministerin: "Viele Formen von Distanzunterricht sind möglich. Eine schlecht gemachte Videoschalte ist nicht unbedingt besser als Lernaufgaben zu Hause."

Entscheidend sei die Aufgabenstellung. "Es gibt viele Schulen, die in der Corona-Pandemie angefangen haben, ihre Schüler zu motivieren, sich selbst zu organisieren. Die Kinder bekommen einen Wochenplan und arbeiten den selber ab. Das hat auch für das spätere Leben viele Vorteile, wenn man das gelernt hat", sagte die stellvertretende Regierungschefin.

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