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Olympische Spiele 1936: IOC-Shop verkauft T-Shirt der "Nazi-Spiele" in Berlin

Stern 

Das IOC verkauft in seinem Onlineshop ein T-Shirt mit dem Motiv der Sommerspiele 1936 in Berlin – ohne Hinweis auf den politischen Hintergrund. Es ist ausverkauft.

 

Zunächst fällt das T-Shirt gar nicht besonders auf. Im Internetshop des Olympischen Internationalen Komitees findet man unter dem Menüpunkt "The Heritage Collection" T-Shirts und weitere Kleidungstücke mit Motiven vergangener Spiele. Auch die Sommerspiele von 1936 in Berlin sind dabei, präsentiert von einem schwarzen Model. Darauf zu sehen: Unter den Olympischen Ringen thront der Oberkörper einer Arno-Breker-Statue mit Lorbeerkranz über der Quadriga des Brandenburger Tors. Für die Winterspiele in Garmisch gibt es ebenfalls ein Shirt zu kaufen.

Merkwürdig ist nur: Es fehlt jeder historische oder einordnende Hinweis auf den politischen Hintergrund. Schließlich handelt es sich hierbei um die "Nazi-Spiele". Olympia hatte für die Nationalsozialisten eine enorme Bedeutung. Adolf Hitler nutzte die Spiele für die politische Propaganda und präsentierte Deutschland als friedliches Land. Dabei war jede Opposition längst ausgeschaltet, Konzentrationlager existierten bereits, und die Nürnberger Gesetze waren im September 1935 beschlossen worden. Diese bildeten die Grundlage für die Verfolgung der Juden im Dritten Reich.

IOC ist offenbar blind für politische Bedeutung

Dass die Berliner Spiele als T-Shirt-Motiv kommentarlos verkauft werden, zeigt, wie blind das IOC gegenüber der politischen Bedeutung ist. Man darf davon ausgehen, dass das Shirt sich in rechtsextremen (und auch rechten) Kreisen großer Beliebtheit erfreuen wird. Die Shop-Internetseite wird von einer Londoner Agentur betrieben.

Kritik daran äußerte die grüne Sportexpertin Klara Schedlich aus Berlin. "Die Olympischen Spiele 1936 waren ein zentrales Propagandainstrument des NS-Regimes. Ohne kritische Einordnung finde ich diese Motivwahl problematisch und für ein T-Shirt ungeeignet", sagte Schedlich der "B.Z".  

Dennoch sollte man an diese Spiele in allen ihren Aspekten erinnern. Schließlich war es der es schwarze Jahrhundertsportler Jesse Owens aus den USA, der die Theorie von der Überlegenheit der weißen Rasse vor den Augen Hitlers in ihrer ganzen Lächerlichkeit vorführte. Owens gewann vier Mal Gold: im Sprint über 100 und 200 Meter, im Weitsprung und mit der Sprintstaffel.

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