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Olympische Winterspiele: Gold für Brasilien: Ski-Showman Pinheiro Braathen brilliert

Stern 

Lucas Pinheiro Braathen schreibt im Riesenslalom von Bormio Geschichte. Der 25-Jährige ist eine der schillerndsten Figuren der alpinen Ski-Welt - sowohl auf als auch neben der Piste.

Lucas Pinheiro Braathen ließ sich von den begeisterten Fans in Bormio feiern. Sein Vater hatte Freudentränen in den Augen, der geschlagene Superstar Marco Odermatt applaudierte anerkennend. Mit seiner Gold-Fahrt im olympischen Riesenslalom hat Pinheiro Braathen Geschichte geschrieben.

Der 25-Jährige holte die erste Medaille für Brasilien und für einen Südamerikaner bei Winterspielen überhaupt. Alpin-Dominator Odermatt hatte 0,58 Sekunden Rückstand, musste sich mit Silber begnügen und beendete das Saisonhighlight in Norditalien ohne Goldmedaille. Bronze ging an Odermatts Teamkollegen, den Slalom-Weltmeister Loic Meillard (+1,17).

Schmid nach Verletzungen überraschend stark

Bester Deutscher war Alexander Schmid auf Rang 13. "Sehr zufrieden" sei er, sagte der Parallel-Weltmeister von 2023, der nach einem Kreuzbandriss erst in diesem Winter sein Comeback gegeben und sich Mitte Januar zudem noch am Sprunggelenk verletzt hatte. Anton Grammel landete als 15. knapp dahinter.

Fabian Gratz musste eine bittere Enttäuschung hinnehmen: Der 28-Jährige war nach dem ersten Lauf Zehnter, schied im Finale nach einem Fahrfehler aber aus. Das tue sehr weh, sagte er nach dem Rennen niedergeschlagen.

Spektakuläre Rückkehr auf den Spuren von James Bond

Für Pinheiro Braathen erfüllte sich derweil der große Traum - vor allem dank eines famosen ersten Laufs, in dem er fast eine Sekunde zwischen sich und Odermatt legte und die Konkurrenz mehr oder weniger ratlos zurückließ.

Der gebürtige Norweger ist eine der schillerndsten Figuren im alpinen Weltcup - ein echter "Showman", wie er selbst schon mal über sich sagte. 2023 hatte er die Slalom-Gesamtwertung gewonnen. Einen Winter später erklärte er infolge eines Streits um Vermarktungsrechte mit dem norwegischen Verband seinen Rücktritt - unter Tränen und unmittelbar vor dem Saisonauftakt in Österreich.

Doch schon ein Jahr danach, im Oktober 2024, war der extravagante Edeltechniker zurück - und das "Team Pinheiro" geboren. Er starte ab sofort für Brasilien, das Heimatland seiner Mutter, verkündete Pinheiro Braathen damals in einem Edelrestaurant oberhalb von Sölden, am Gaislachkogl-Gipfel. Wo einst der James-Bond-Film "Spectre" gedreht wurde, gab der Alpin-Star den Medienvertretern einen emotionalen Einblick in seine Gefühlswelt.

Belebung für die Ski-Welt - auf und neben der Piste

Er fühle sich auf einer Mission, erklärte Pinheiro Braathen. Er wolle junge Menschen inspirieren und ermutigen, so zu sein, wie sie sein wollen. Er habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass er nicht von jedem geliebt werden könne. Er sei stolz darauf, 200 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer zu repräsentieren. Dennis Rodman im Basketball, Steve Jobs in der Technologie oder Ronaldinho im Fußball - das seien Idole für ihn gewesen, erklärte er.

Doch Pinheiro Braathen, der sich auch schon als Model versuchte, gern schrille Outfits trägt und sich mal die Fingernägel lackiert, belebt die Ski-Welt nicht nur abseits der Piste. Auch sportlich sorgte der sechsmalige Weltcup-Sieger zuletzt wieder regelmäßig für Aufsehen. Vor Olympia fuhr er im Riesenslalom dreimal in Serie auf das Podest - jeweils als Zweiter. Als hätte er sich das i-Tüpfelchen bewusst für die Winterspiele aufgehoben. Die größte Ski-Bühne überhaupt.

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