"Ein Reihenhaus steht selten allein": In der grünen Vorstadthölle
Stephan Luca, Ulrike C. Tscharre und Felicitas Woll spielen die Hauptrollen in einer sarkastischen Komödie über die Gefahren des Alltags in Sachen Liebe – und des Lebens in einer Reihenhaussiedlung. 3sat wiederholt den Film und seine Fortsetzung am Dienstagabend.
Vermutlich träumen die allermeisten davon, einmal ein eigenes Haus mit Garten zu haben. Für den gescheiterten Comic-Zeichner Jan Börner (Stephan Luca) hat die Vorstellung jedoch mehr von einem Albtraum. Seine Gemahlin Anne (Ulrike C. Tscharre) bestand aber darauf, die Innenstadt von Frankfurt am Main zu verlassen und in ein Reihenhaus im liebevoll als "Grüngürtel" bezeichneten Vorstadtbezirk zu ziehen. Die Idylle hat jedoch ihre ganz eigenen abstrusen Besonderheiten. Und wer seine Nachbarn kann man sich auch hier nicht aussuchen ... Die sarkastische ZDF-Komödie "Ein Reihenhaus kommt selten allein" (2014), die 3sat am Dienstagabend wiederholt, parodiert in teilweise fast surreal anmutenden Einstellungen humorvoll das Leben in der Vorstadt. Darüber hinaus schafft es der Film jedoch auch, ernstere Töne anzuschlagen und die Gefahren, die der Alltag einer Ehe bringt, zu thematisieren.
Für Jan Börner ist es auch ohne die nervenden Nachbarn, deren Gestank vom Fischräuchern sich überall festsetzt, schlimm genug, in einem Reihenhaus zu wohnen: "Anne! Ich werde nicht grillen! Und wenn ich irgendwann auf die Idee kommen sollte, hier einen Fischteich anzulegen – erschieß mich!" Ein Spießerleben ist für ihn ein Graus. Eigentlich wollte er mal Comics zeichnen, nun entwirft er Werbetierchen für die Lebensmittelindustrie. Da er das auch problemlos zu Hause machen kann, entschloss sich Ehefrau Anne auch, mit ihm und den beiden Kindern Lisa (Michelle Barthel) und Lukas (Oskar Müller) in das Haus zu ziehen – hier hat ihr Mann sein Büro, wo er zeichnen und sich trotzdem noch um die Kinder kümmern kann. Auf die Weise kann sie endlich wieder in Vollzeit als Scheidungsanwältin arbeiten.
Der absurde Alltag der Vorstadt
So läuft bei den Börners alles ein bisschen anders, als bei den restlichen Bewohnern der Siedlung: Jan ist der einzige Mann, der tagsüber daheim bleibt. Und das bedeutet für die Frauen der Nachbarhäuser nur eines: Er ist Frischfleisch! In herrlich sarkastischer, überzogener Weise porträtiert Regisseur Titus Selge den absurden Alltag der Vorstadt und begleitet jeden einzelnen Haushalt der Nachbarschaft durch teils grotesk-charmanten Wahnsinn.
Jan bleibt derweil standhaft. Seine Frau arbeitet zwar neuerdings auch noch am Wochenende und kommt auch an den Abenden zunehmend später nach Hause, aber er kann sich nicht vorstellen, eine Affäre zu haben. Richtig kompliziert wird es allerdings, als seine Ex-Flamme Maren (Felicitas Woll) nebenan einzieht ... "Manga-Maren" wurde sie früher genannt, und sie hat in den letzten 15 Jahren nichts von ihrer Ausstrahlung verloren ...
"Ein Reihenhaus steht selten allein" ist mehr als eine normale Vorstadt-Parodie. Es ist ein Film, der das Eheleben realistisch zeigt. Die Figuren sind glaubhaft, und die Schauspieler geben ihnen Leben. Besonders Stephan Luca spielt so charmant und liebenswürdig, dass er den Zuschauer automatisch in den Strudel seines Ehelebens mit hineinzieht. Die tolle Kameraarbeit und die stimmungsvolle Musikuntermalung erledigen den Rest.
Direkt im Anschluss zeigt 3sat die Fortsetzung "Neues aus dem Reihenhaus". Die Rolle der Anne übernahm darin Julia Richter von Ulrike C. Tscharre, die Handlung setzt ein Jahr nach dem ersten Film ein. Und es wird erneut reichlich turbulent und abstrus – und auch Maren wirbelt das Leben des Ehepaares einmal mehr durcheinander.
Ein Reihenhaus steht selten allein – Di. 17.02. – 3sat: 20.15 Uhr