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Drama um Zweijährigen: Spenderherz falsch gekühlt: Junge in Italien gestorben

Stern 

Am Schicksal des kleinen Domenico nahmen Menschen weit über Italien hinaus Anteil. Der Zweijährige hatte schon ein Ersatzorgan in Aussicht, das dann aber falsch transportiert wurde. Jetzt ist er tot.

Das Drama um einen herzkranken kleinen Jungen in Italien hat das befürchtete Ende genommen. Wie das Krankenhaus in Neapel mitteilte, starb der nicht einmal zweieinhalb Jahre alte Domenico "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" auf der Intensivstation. Der Fall sorgt in Italien seit Wochen für Schlagzeilen - auch, weil zuvor offensichtlich Fehler bei einem Eingriff gemacht wurden. 

Für den Jungen, der mit einem Herzfehler zur Welt kam, war kurz vor Weihnachten nach langem Warten endlich ein Spenderherz gefunden worden. Beim Transport wurde es jedoch falsch gekühlt und dadurch schwer beschädigt. Ein Ärzteteam entschied am Mittwoch, dass eine neue Operation zur möglichen Transplantation eines neuen Herzens zwecklos sei - auch, weil andere Organe wie die Nieren inzwischen nicht mehr richtig funktionierten.

Mutter: "Ich bin bis zum Schluss geblieben"

In der Mitteilung des Krankenhauses in der süditalienischen Stadt hieß es weiter, das gesamte medizinische Team stehe der Familie "in diesem Moment unermesslichen Schmerzes mit Respekt und aufrichtiger Anteilnahme" bei. Bereits in den frühen Morgenstunden hieß es aus der Klinik, der Zustand des Kleinen habe sich rapide verschlechtert, Kardinal Domenico Battaglia, der Erzbischof von Neapel, spendete ihm vor dem Tod noch die Krankensalbung.

Beim Verlassen des Krankenhauses schilderte die Mutter des Jungen, Patrizia Mercolino, die letzten Momente: "Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste - und dann war alles vorbei." Sie kündigte an, eine Stiftung im Namen ihres Sohnes gründen zu wollen, "damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen".

Ärzteteam erklärt nochmalige Operation für sinnlos

Der Junge lag zuletzt fast zwei Monate im Krankenhaus, die meiste Zeit im Koma. Dort war er an eine sogenannte ECMO-Maschine angeschlossen, eine Art künstliche Lunge und künstliches Herz. Seither hoffte man, baldmöglichst ein weiteres Spenderherz zu finden - was aber nicht gelang. Schließlich kam das Ärzteteam zu der Einschätzung, dass eine nochmalige Operation keinen Sinn mehr habe. Daraufhin wurde sein Name von der Warteliste der Patienten genommen, die auf ein Spenderherzen warten.

Falsch gekühlt: Minus 80 statt plus 4 Grad Celsius 

Domenico litt an einem schweren Herzfehler, weshalb klar war, dass er ein Ersatzorgan braucht. Im Dezember sah es so aus, als könne alles ein glückliches Ende nehmen: In Südtirol war ein anderer Junge, vier Jahre alt, gleiche Blutgruppe, ertrunken. Das Spenderherz wurde beim Transport aus Bozen nach Neapel jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: etwa 80 Grad minus statt 4 Grad plus. Dadurch sei es "buchstäblich erfroren", hieß es.

Weil die Ärzte dem Jungen jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz - eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist - kann man deutlich länger überleben.

Inzwischen ermitteln verschiedene Staatsanwaltschaften gegen sechs Ärzte und Sanitäter. Die Kühlbox, die beim Transport verwendet wurde, ist beschlagnahmt. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um ein älteres Modell. Aus Justizkreisen verlautete, dass die Ermittlungen vermutlich noch auf weitere Verdächtige ausgeweitet würden. Die Klinik in Neapel hat zudem interne Prüfungen eingeleitet. Die beteiligten Ärzte übernehmen bis auf Weiteres keine Herztransplantationen mehr. 

Mehr als 13.000 Menschen warten auf neues Organ

Für Empörung sorgte auch, dass die Eltern nach eigenen Angaben von der Klinik wochenlang im Unklaren gelassen worden waren, warum die Transplantation misslang. Die Mutter berichtete später, sie habe alles erst aus der Zeitung erfahren. Nach der Entscheidung des Ärzteteams, nicht noch einmal zu operieren, sagte sie: "Ich bin wirklich am Boden zerstört. Was meinem Kind passiert ist, darf sich nie wiederholen."

Aktuell sind in Europa mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ angewiesen. Allein in Deutschland warteten nach Angaben der Stiftung Organtransplantation zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz. Genaue Zahlen, wie viele Kinder darunter sind, liegen nicht vor.

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