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Meinung: „Dr. Rick und Dr. Nick“ sind das Unangenehmste, was es im Fernsehen gibt

Stern 

Die Beauty-Ärzte „Dr. Rick und Dr. Nick“ verhelfen ihrer Kundschaft zu neuem Aussehen. Das Erschreckendste ist, was sie dabei aus sich selbst machen. 

Sie lassen Menschen so aussehen, als hätten sie nie gelebt: Die Schönheitsärzte Dr. Nick und Rick. Auf ProSieben haben sie seit vergangenem Jahr ihre eigene Sendung. „Ich behaupte von mir, ich kann alles“, sagt Rick. Außer eine Dissertation zu schreiben. Die hat Rick alias Henrik Heüveldop nie abgegeben, wie das „ZDF Magazin Royale“ recherchierte. Deshalb gebührt ihm kein Doktortitel. Zu seinem Glück hat er in Budapest studiert, wo es den kleinen "dr. med.“ zum Studienabschluss dazu gibt.

Eine Facharztqualifikation für Plastische und Ästhetische Chirurgie weist weder er noch sein Kollege Nick, Dominik Bettray, vor. Derlei Details halten die Mittdreißiger aber nicht davon ab, Spritzen wie Zauberstäbe zu zücken. „Wir sehen uns als Christoph Kolumbus der Kosmetik“, sagt Nick, als habe er gerade einen Kontinent aus Kollagen entdeckt. 

Natürlich wurden in der Fernsehgeschichte längst Grenzen künstlicher Verschönerung überschritten. Heidi Klums Umstyling von Models, oft verbunden mit dem Verlust langer Haare, katapultierte sie bei manchen Kritikern kurz vor den Scheiterhaufen. Heute wirkt das im Vergleich zu Beauty-Formaten fast rührend harmlos. Bei dem Doc-Duo geht es nicht nur ums Aussehen, es geht um eine Lebenseinstellung: Alles ist verbesserungswürdig. Und wartet nur darauf, optimiert zu werden – von ihnen, den Männern mit der glatt glänzenden Haut und einem Bizeps, der aussieht, als könnte er ihre Anzüge jede Sekunde sprengen.

Was die beiden so faszinierend und zwielichtig zugleich erscheinen lässt, ist nicht, was sie aus anderen, sondern vor allem, was sie aus sich selbst machen. So erwägen sie, ihre Praxis in München mit Bronzebüsten ihres Ebenbildes zu schmücken – aus kulturellen Gründen. „Es gibt ja Wahrzeichen in verschiedenen Städten, in Budapest zum Beispiel das Pferd, dem man die Hoden reiben soll“, erklärt Nick. 

In Zukunft planen sie als Erste in Deutschland die Augenfarbe von Menschen zu verändern, wie sie in der neuesten Folge von „Dr. Rick und Dr. Nick“ verkünden. Dies solle durch sogenannte Keratopigmentation möglich sein. „Das ist wie eine Tätowierung der Hornhaut“, sagt Rick. Die Behandlung allerdings sei kein Spaziergang: „Zero Spielraum für Fehler!“ Er sieht aus, als würde ihn diese Vorstellung reizen. In Dubai sei das jetzt schon ein Trend. Dort wollen die beiden irgendwann eine ihrer „Aesthetify“-Schönheitskliniken eröffnen.

„Dr. Rick und Dr. Nick“ als Heilsbringer 

In Staffel eins unterspritzten Rick und Nick noch den Tränen nahe das Gesicht einer krebskranken Frau, überreichten ihr einen Reisegutschein und schauten dabei so fromm, als hätten sie gerade dem Jesusbaby die Schreifältchen geglättet. Man könnte das Warmherzigkeit nennen. Oder Geschäftssinn. Die beiden wissen längst, was ihr Publikum sehen will. Jedenfalls denken sie das. „Guter Po. Allein dafür gucken die Leute unsere Serie“, sagt Nick in der neuen Folge zu seiner Freundin, als sie ihm den Rücken kehrt.  

In Staffel zwei ist auf einmal genug gespendet. Stattdessen werden die größten Beauty-Fails der D-Prominenz vorgeführt wie in der Zirkusmanege. Eine Dschungelcamp-Kandidatin reiht sich an die andere. Gina Lisa Lohfink gibt zu, sie habe sich „im Hinterhof“ etwas in den Po spritzen lassen. Was genau, weiß sie nicht. „Ich hab nur ’n Tittenpass“, sagt Lohfink. Damit meint sie den Implantatpass, den man in Deutschland und der EU nach einer Brustvergrößerung oder einem Implantatwechsel von seinem plastischen Chirurgen erhält. Ihre Brüste seien „medizinballgroß“, diagnostiziert Nick. Er bemüht sich, besorgt zu schauen. Die Schönheitsärzte können nicht oft genug betonen, wie sehr ihnen Natürlichkeit am Herzen liege. 

Konsequent zu Ende gedacht wird das Konzept der Selbstüberhöhung von Stefanie. Sie arbeitet als medizinische Fachangestellte bei Dr. Nick und Rick und ist nicht nur ihr vielleicht größter Fan, sondern auch ein Beispiel dafür, mit welchen Taktiken die beiden andere Menschen für sich gewinnen. Mindestens einmal im Jahr spendieren die Ärzte den Angestellten einen Betriebsurlaub auf die Balearen. Wie zum Dank ließ sich Stefanie das Kliniklogo tätowieren. Jetzt will sie ihre Vorgesetzten mit noch mehr überraschen. Der Tätowierer verewigt die Gesichter von Dr. Nick und Rick faustgroß auf ihrem Oberschenkel. 

Was soll man sagen: Nachhaltiger kann Markenbindung kaum werden.

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