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Chaos im Gerichtssaal: Prozess um schwerstes Zugunglück in Griechenland vertagt

Stern 

Unter chaotischen Szenen hat in Griechenland der Prozess um das schlimmste Zugunglück in der Geschichte des Landes begonnen. Nur wenige Stunden nach Beginn der Verhandlung wurde diese am Montag gleich wieder vertagt. Zuvor hatten sich hunderte Menschen in einen zum Gerichtssaal umgebauten Hörsaal der Universität von Larisa gedrängt, laut dem Bericht eines AFP-Reporters kam es zu chaotischen Szenen. Opferangehörige riefen immer wieder "Schande über Euch".

Die Angehörigen seien "wie Sardinen in der Dose zusammengepfercht" worden, sagte Maria Karystianou vom Verband der Opferfamilien. Dies sei eine "absolute Schande und eine Missachtung". Dagegen erklärte Regierungssprecher Pavlos Marinakis, dass der umgebaute Hörsaal einer der beiden größten Gerichtssäle Griechenlands sei. 

In dem umgestalteten Hörsaal war Platz für mehrere hundert Menschen, dieser reichte aber nicht aus. Dutzende Angehörige mussten vor der Tür warten. "Ihr habt unsere Kinder getötet und behandelt uns so!", empörten sich die Menschen im Gerichtssaal. "Schande über Euch!"

Der Prozess begann erst mehr als drei Jahre nach dem Unglück: Am 28. Februar 2023 war in Tempi in der Nähe von Larisa ein Passagierzug auf dem Weg von Athen nach Thessaloniki frontal mit einem Güterzug zusammengeprallt - 57 Menschen starben.

Auf der Suche nach Gerechtigkeit strömten am Montag nun hunderte Angehörige der Opfer sowie Überlebende der Katastrophe nach Larisa, das etwa 30 Kilometer vom Unglücksort entfernt liegt. Sie alle wollten Antworten auf die Frage, wer für das schlimmste Zugunglück in der Geschichte des Landes verantwortlich war. Für die Beantwortung sollen mehr als 350 Zeuginnen und Zeugen aussagen, darunter auch Überlebende des Unglücks. 

"Dieser Prozess beginnt mit großer Verspätung", sagte vor Prozessbeginn der Vorsitzende des Hinterbliebenen-Verbandes, Pavlos Aslanidis, dessen 26-jähriger Sohn bei dem Unglück ums Leben kam. "Was wir wollen, ist eine beispielhafte Bestrafung der Verantwortlichen." Nach der Vertagung soll die Verhandlung nun erst am 1. April fortgesetzt werden.

Angeklagt sind 36 mutmaßlich Verantwortliche für die Katastrophe. Neben Bahnmanagern und Beamten muss sich auch der diensthabende Bahnhofsvorsteher aus der Unglücksnacht verantworten. Die Angeklagten sind derzeit alle auf freien Fuß, die meisten von ihnen erschienen nicht zum Prozessbeginn. Bei einer Verurteilung drohen teils lebenslange Haftstrafen. Der Prozess könnte mehrere Jahre dauern.

Die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis führte den Unfall offiziell auf menschliches Versagen und schwerwiegende strukturelle Mängel bei der griechischen Bahn zurück. Sie steht wegen ihres Umgangs mit dem Unglück aber auch selbst in der Kritik. Dass in Larisa kein Politiker vor Gericht steht, sorgt in Griechenland deshalb für großen Unmut.

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