World News in German

Clueso über Familie und Gefühle: "Es war nicht alles leicht"

Clueso singt seit Jahrzehnten über die Liebe, Trennungen und One-Night-Stands. Warum es ihm dagegen nicht leichtfällt, über seine Gefühle zu sprechen, verrät er t-online. Es dauere noch ein paar Minuten, Clueso müsse sich noch umziehen, heißt es vor dem Interview im House of New Energy im Quartier "Am Tacheles" in Berlin . Am Abend wird der Sänger hier ein Konzert für rund 150 geladene Gäste geben. Als er dann kommt, sieht er aus, wie seine Fans ihn kennen: Chucks, dunkle Hose, helles Shirt, leichte Jacke, die Haare gewollt zerzaust. Er posiert noch einige Sekunden in einem vom Veranstalter gestellten historischen DeLorean DMC-12 für Fotos, bevor er die Hand zur Begrüßung ausstreckt. Mit t-online spricht der Sänger darüber, was ihn zu Tränen rührt, warum er seinen Eltern Songs schreibt und wie es ist, mit dem eigenen Bruder zu arbeiten. t-online: Clueso, warum singen Sie ständig über Ihre Gefühle? Clueso : Ich singe darüber, weil es mir schwerfällt, über meine Gefühle zu sprechen. Wenn Freunde mich fragen, wie es mir geht, umschiffe ich die Frage oft. Wenn ich unterwegs bin, antworte ich nur knapp: Bin gut angekommen. Die Frage danach, wie es mir wirklich geht, ist mir manchmal zu komplex. Und deshalb beantworten Sie sie in Ihren Songs? Ja, ich mache das mit mir und in der Musik aus. Ich mag die Melancholie. Sie ist mein ständiger Begleiter und ich kann mich ihr in der Musik hingeben. Wenn ich Musik mache, kann ich traurig sein, aber trotzdem happy. Wie geht das? Ich schreibe lieber Moll- als Dur-Akkorde, also Akkorde, die eine eher traurige Stimmung vermitteln. Ich mache melancholische Lieder mit einer Art Hoffnung am Ende. Und ich finde traurige Lieder gar nicht traurig. Es ist seltsam. Wenn ich ein Lied von Adele höre, denke ich: geil! Obwohl sie davon singt, wie grausam alles ist und in welcher Misslage sie sich befindet. Traurige Lieder machen Sie nicht traurig – was bringt Sie dann zum Weinen? Alte Leute sind ganz gefährlich. Vorgestern im Supermarkt wollte ich einen Opa an der Kasse vorlassen. Er wuselte hektisch herum, weil er sein Portemonnaie nicht dabeihatte, und wollte schließlich ohne seinen Einkauf davontippeln. Das konnte ich nicht zulassen. Und dann? Ich bot ihm an, das Geld auszulegen und er könne es einfach die Tage im Supermarkt für mich hinterlegen. Er fragte nur: Ist Ihnen das nicht zu unsicher? Als ich verneinte, haute er mir auf die Schulter und freute sich wahnsinnig. Das hat mich zu Tränen gerührt. Warum hat Sie das so berührt? Weil es so echt war. Ein anderes Mal saß ich mit meinem Bruder am Flughafen , eine Mutter und ihr Sohn wollten ein Foto mit mir machen. Sie haben sich krass über das Foto gefreut, haben sich umarmt, geküsst und der Junge ist im Kreis gerannt. Das war touchy. Ich fragte meinen Bruder, warum uns das beide so berührt. Er antwortete: Digga, für die beiden war das etwas Besonderes. Es ist das Echte, das uns berührt. Sie arbeiten auch mit Ihrem Bruder zusammen, stehen gemeinsam auf der Bühne. Wie ist das? Cool ist das. Niemand kennt mich so gut wie er, wir wissen, wie wir miteinander kommunizieren müssen, wenn wieder einer von uns beiden am Handy hängt oder abgelenkt ist. War das schon immer so? Nein, wir haben uns das antrainiert. Am Tag gibt es tausend stressige Situationen, die wir ignorieren, und dann gibt es die eine, in der sich etwas aufgestaut hat, und wir müssen darüber sprechen, was die Situation in uns auslöst und wie wir unser Problem formulieren können. Früher konnten wir unsere Wahrnehmungen und Gefühle nicht so gut äußern. Sie haben auch Ihren Eltern jeweils einen Song auf Ihrem neuen Album gewidmet. Ist Familie für Sie neben der Musik das Wichtigste? Inzwischen ja. Es war nicht immer alles leicht für meine Eltern. Die Neunzigerjahre-Wendezeit war eine anstrengende Zeit. Das hat man meinen Eltern angemerkt und uns Brüdern auch. Was war damals so anstrengend? Unsere Eltern waren Arbeiter und wir Kinder schlugen komplett aus der Art. Mein Bruder war DJ und lebte von der Hand in den Mund. Er spielte Gigs und am Morgen danach war die Kohle quasi wieder weg. Nicht weil er sie verprasst hätte, sondern weil der Riesenerfolg ausblieb. Aber er wollte das und ich wollte singen. Und mittlerweile haben wir uns eingegroovt.

Читайте на сайте