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Kleinwagen verschwinden: Warum die günstigen Autos zum Luxus werden

Mehr als 30 Kleinwagen verschwinden vom Markt. Die verbliebenen Modelle werden zum Luxusgut. Die Hersteller schieben die Schuld auf teure EU-Auflagen. Doch der wahre Grund für den rasanten Preisanstieg liegt woanders. Zwanzig Kleinwagen, darunter viele geleaste VW-Polos mit Erdgasantrieb, stehen auf dem Hof des Leipziger Pflegedienstes Löwenherz. Für Geschäftsführerin Angelika Benkenstein sind die Autos wichtige Werkzeuge für den Alltag. Doch ihr Fall, über den kürzlich die "Tagesschau" berichtete , zeigt das Dilemma der Branche. Auf Elektroautos umzusteigen, ist unbezahlbar. Allein die Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof würde mindestens 80.000 Euro kosten. Bei der günstigen Erdgasvariante zu bleiben, ist wiederum unmöglich: VW hat das Modell aus dem Angebot gestrichen. Der Fall beleuchtet ein Problem, das den gesamten deutschen Kleinwagenmarkt erfasst hat. Die Auswahl schrumpft, die Preise ziehen drastisch an. In den vergangenen zehn Jahren strichen die Autobauer über 30 Modelle aus ihren Katalogen, darunter bekannte Namen wie den Ford Fiesta, den Peugeot 108 und den Skoda Citigo. Wer heute noch einen Neuwagen dieser Klasse sucht, sucht vergeblich. Wie drastisch die Preise bei den noch verbliebenen Kleinwagen-Modellen gestiegen sind, zeigt der direkte Vergleich: Ein VW Polo kostete vor sechs Jahren ab 15.730 Euro, heute verlangt der Konzern mindestens 20.135 Euro – ein Plus von 28 Prozent. Beim Toyota Aygo verdoppelte sich der Einstiegspreis im selben Zeitraum sogar von 10.840 auf 21.990 Euro. Fabian Faehrmann vom ADAC warnt vor den sozialen Folgen dieser Entwicklung. Autofahren müsse auch für kleinere Budgets bezahlbar bleiben, betont der Experte. Zwar seien mehr Umweltfreundlichkeit, Sicherheit und Komfort wünschenswert. Doch wenn die Preise weiter steigen, könnten sich immer weniger Menschen ein eigenes Auto leisten, mahnt der Automobilclub. Der Streit um die Ursachen Florian Huettl, Deutschlandchef von Opel und Stellantis, räumt ein, dass sich die Fahrzeugpreise und das verfügbare Einkommen der Käufer entkoppelt hätten. Als Gründe nennt er gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie sowie Löhne und Gehälter. Hinzu kämen gesetzliche Auflagen: Neue EU-Vorgaben machten selbst Kleinwagen teurer. Notbremsassistenten, Müdigkeitswarner und andere Pflichtsysteme treiben den Preis laut Herstellern um bis zu 2.000 Euro nach oben. Der ADAC widerspricht jedoch der Darstellung, dass die Brüsseler Vorgaben die Hauptschuld tragen. Faehrmann betont, dass der reine Kostenaufschlag durch diese Systeme deutlich geringer ausfalle als die tatsächlichen Preissteigerungen von bis zu 100 Prozent. Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg , sieht vor allem strategische Gründe für den Wandel. Weltweit wächst die Nachfrage nach großen SUVs, besonders auf dem chinesischen Markt. Die Hersteller orientieren sich daran, wo sie die höchsten Stückzahlen und Margen erzielen können – und vernachlässigen dafür das europäische Einstiegssegment. Die Hoffnung auf günstige Elektroautos Um gegenzusteuern, plant die EU-Kommission eine neue Fahrzeugkategorie namens "M1e" für Kleinwagen . Das Prinzip: Hersteller dürfen sich pro verkauftem Fahrzeug dieser Klasse 1,3 Elektroautos auf ihre CO2-Flottenbilanz anrechnen lassen. Das soll die Produktion wirtschaftlich wieder attraktiver machen. Welche Assistenzsysteme im Gegenzug bei dieser Kategorie entfallen könnten, steht noch nicht fest. Gleichzeitig kündigen mehrere Konzerne neue Elektro-Kleinwagen an. VW will im Sommer den ID.Polo für 25.000 Euro auf den Markt bringen , weitere Modelle von Cupra und Skoda sollen folgen. Renault liefert bereits den R5 und den R4 aus, und der neue elektrische Twingo soll ab 20.000 Euro starten. Auch Ford bereitet eigenen Angaben zufolge eine elektrische Neuauflage des Fiesta vor. Ob diese Preisversprechen wahr werden, ist jedoch ungewiss. Und selbst wenn: Gegenüber früheren Einstiegspreisen von 10.000 oder 15.000 Euro bedeuten auch die neuen Angebote eine massive Verteuerung. Das Risiko für Europas Industrie Die Zeit drängt für die traditionellen Marken: Sie riskieren den Verlust von Marktanteilen an chinesische Wettbewerber, die gezielt mit günstigeren Modellen in Europa antreten. Ob die neuen Elektro-Kleinwagen das Segment retten, entscheidet sich an einer einfachen Frage: Können sich normale Käufer die versprochenen Elektro-Kleinwagen am Ende überhaupt leisten? Falls nicht, wird das Auto für viele Menschen bald wieder zu dem, was es lange nicht mehr war: ein Luxusgut.

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