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Formel 1: Wie Graf von Trips mit Scuderia Colonia den Rennsport prägte

Ab den 60er-Jahren hat der Kölner Rennstall Scuderia Colonia Geschichte im Motorsport geschrieben. Sein erfolgreichstes Mitglied starb unter tragischen Umständen. Der 13. Januar 1960 ist ein eisiger Wintertag. 21 Sport- und Rennfahrer haben es sich in der prunkvollen Villa Oppenheim am Kölner Rheinufer gemütlich gemacht. Wolfgang Graf Berghe von Trips hat sie versammelt, um einen Rennstall zu gründen, der schon kurz darauf Schlagzeilen machen wird: die Scuderia Colonia. Das Team ist zwar talentiert und nimmt an zahlreichen Autorennen teil, doch gemeinsam in die höchste Rennklasse schafft man es nicht. Alleine schon, weil man weder einen eigenen Fuhrpark noch Mechaniker besitzt. Daher sind Trips' Ziele pragmatischer: gemeinsame Motorsportaktivitäten organisieren, Kontakte zur Industrie schaffen und Rennfahrernachwuchs eine Basis geben. Trips' berufliches Ziel ist es anfangs, den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern auf Burg Hemmersbach in Kerpen zu übernehmen. Da jedoch auch seine Eltern rennsportbegeistert sind, bekommt er die Leidenschaft schon in die Wiege gelegt. Bereits im Alter von sieben Jahren soll er sich heimlich das Auto seiner Eltern geschnappt haben, um damit über das Familienanwesen zu fahren. Als junger Mann fährt er schnell erste Erfolge im Motorsport ein. 1954 wird er Deutscher Meister für Serienfahrzeuge und besteht parallel sein Examen zum Diplom-Landwirt. Es ist Zeit, eine Karriereentscheidung zu fällen. Trips wählt Asphalt statt Kuhweide. "Count Crash" überlebt acht schwere Unfälle In den folgenden Jahren feiert der "Renngraf" auch internationale Siege und bekommt wegen seines risikoreichen Fahrstils den Spitznamen "Taffy" verliehen, angelehnt an das englische Wort für "tough" ("hart"). Weil er dabei häufig schwere Unfälle baut, kommt bald der zweite Spitzname "Count Crash" dazu ("Graf Unfall"). Mehrmals muss Trips seinen Schutzengel bemühen: Beim Training zum Gran Premio d’Italia in Monza im September 1956 etwa bricht in einer Kurve der Lenkhebel seines Wagens. Er überschlägt sich und wird aus seinem Rennfahrzeug geschleudert, kommt aber mit leichten Blessuren davon. Zwei Jahre später bricht er sich beim Training für das 1.000-km-Rennen auf dem Nürburgring zwei Rückenwirbel. 1958 baut er erneut einen Unfall und bricht sich ein Knie, was ihn zu einer einjährigen Rennpause zwingt. In seiner Karriere überlebt er acht schwere Crashs. Da erscheint es fast paradox, dass sich Trips abseits der Rennstrecke für Verkehrssicherheit engagiert und Vorträge zum Thema hält. Ihm ist es unter anderem wichtig, dass Besucher die gefährlichen Rennen von ihren Plätzen aus in Sicherheit verfolgen können. Trips rettet Konkurrent aus Frankreich das Leben Auch seine soziale Ader und seine Fairness machen Schlagzeilen. 1957 liegt der Kölner beim berühmten Straßenrennen Mille Miglia auf Platz zwei, als Spitzenreiter Piero Taruffi technische Probleme mit seinem Auto hat. Die verbleibenden 200 Kilometer kann der Italiener deswegen nur noch im vierten Gang fahren. Für Trips wäre es ein Leichtes gewesen, seinen Konkurrenten zu überholen. Stattdessen bleibt er bis zur Ziellinie hinter Taruffi, weil er alles andere als unfair ansieht. Ein Jahr später baut der Franzose Jean Hébert beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans einen schweren Unfall, sein Auto geht in Flammen auf. Trips unterbricht sein Rennen, um Hébert aus dem Wagen zu helfen, und rettet damit dessen Leben. Weil der Kölner nie über diese heldenhafte Aktion spricht, wird sie erst nach seinem Tod bekannt. In Trips' Nachlass findet sich ein Dankesbrief Héberts. Tödlicher Unfall in Monza: Trips stirbt in der zweiten Runde Trips' Erfolge bringen ihn 1957 in die Formel 1: Das erfolgreichste Mitglied der Scuderia Colonia wird Teil der Scuderia Ferrari. Die ersten Saisons verlaufen eher unscheinbar, bis er 1961 den Durchbruch schafft. Er gewinnt den Großen Preis der Niederlande in Zandvoort und ist damit der erste deutsche Fahrer seit dem Zweiten Weltkrieg, der ein Rennen in der höchsten Rennsportklasse für sich entscheiden kann. Im selben Jahr gewinnt er den Großen Preis von Großbritannien und avanciert zum Titelkandidaten. Als Führender der Gesamtwertung geht Trips am 10. September 1961 in das Rennen um den Großen Preis von Italien in Monza. Doch schon in der zweiten Runde kommt es zum verhängnisvollen Crash: In einer Kurve kollidiert er mit dem Wagen von Jim Clark. Trips' Ferrari überschlägt sich und schleudert in die Zuschauerränge. Mit ihm sterben 15 Zuschauer. Die posthume Auszeichnung zum Sportler des Jahres nehmen wenige Wochen später seine trauernden Eltern in Empfang. Trips wurde 33 Jahre alt. Trips wollte die erste Kartbahn Deutschlands bauen Trotz seines frühen Todes hat Wolfgang Graf Berghe von Trips den Motorsport nachhaltig geprägt, 2008 wurde er in die "Hall of Fame des Deutschen Sports" aufgenommen. Auch gilt er als der Vater des Kartsports in Deutschland. 1960 importiert er das erste Kart aus den USA und kämpft darum, auch die erste Kartbahn Deutschlands zu bauen. Zwar wird sein Traum erst 1965 wahr, also vier Jahre nach seinem Tod. Doch es ist Trips' Vision, die seine Anhänger zum Bau motiviert. Und noch heute werden vielversprechende Kartsport-Talente mit dem Preis "Graf Berghe von Trips Memorial" ausgezeichnet. Streit über angebliche Nazi-Sympathie Doch der "Renngraf" macht nicht nur positive Schlagzeilen. 2024 legt eine Untersuchung nahe, dass bei seiner Aufnahme in die "Hall of Fame" kritische Aspekte in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus nicht oder nur unzureichend dargestellt wurden. Die Deutsche Sporthilfe beauftragt den Direktor des Kölner Sport- und Olympiamuseums, Andreas Höfer, mit der Erstellung einer neuen biografischen Skizze. Ein Tagebucheintrag aus dem Jahr 1947 erregt seine Aufmerksamkeit. In diesem soll der damals 17-jährige Trips, so interpretiert es Höfer, seine Sympathie für den Nationalsozialismus zum Ausdruck gebracht haben. Die "Gräflich Berghe von Trip'sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach" wehrt sich gegen diese Darstellung und geht per einstweiliger Verfügung gegen die weitere Verbreitung vor. Sie wirft Höfer "eine aus dem Kontext gerissene und verkürzte Zitierweise" vor. Inzwischen ist die biografische Skizze Höfers aus dem Netz entfernt worden.

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