World News in German

Krieg in Nahost: US-Seeblockade lässt iranische Öleinnahmen einbrechen

In der Golfregion wird nach längerer Waffenpause wieder geschossen. Entschieden wird der Konflikt aber auf wirtschaftlicher Ebene. Der Iran scheint derzeit eindeutig am längeren Hebel zu sitzen. Seit Wochen drängt US-Präsident Donald Trump auf einen "Deal" zur Öffnung der Straße von Hormus , doch Teherans Interesse an einer Beilegung des Konflikts hält sich offenkundig in Grenzen. Am Sonntag hat das iranische Regime gar erstmals seit der Waffenruhe von Mitte April wieder Raketen auf Israel abgefeuert – und damit seine Bereitschaft zur Fortsetzung des Krieges demonstriert. Dabei müsste auch Teheran ein Interesse an Frieden haben. Newsblog zum Krieg in Nahost: Alle Entwicklungen im Überblick Neue Eskalation im Nahen Osten: Trump verliert die Kontrolle Denn als Reaktion auf die Sperrung der Straße von Hormus blockiert die US-Marine seit Mitte April iranische Tankschiffe – und das offenbar mit zunehmendem Erfolg. So sind die iranischen Ölexporte im Mai weitgehend zusammengebrochen. Während im März noch etwa 1,84 Millionen Fass Öl pro Tag iranische Häfen verließen, waren es zuletzt lediglich 300.000 Fass pro Tag. Bei einem Ölpreis von 90 Dollar pro Fass bedeutet das für Teheran verlorene Einnahmen von etwa 5,8 Milliarden Dollar, wie die Analysefirma Kpler vorrechnet. USA wollen Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen Das Kalkül der USA hinter der Blockade gegen den Iran ist einfach: Das Regime in Teheran soll mit nicht-militärischen Mitteln gezwungen werden, die Straße von Hormus wieder vollständig für den internationalen Schiffsverkehr zu öffnen. Denn seit Beginn der Feuerpause am 8. April lässt Teheran nur Schiffe "befreundeter" Länder gegen Bezahlung passieren, woraufhin die USA ihrerseits mit einer Sperrung der Meerenge reagierten. In der Folge der Eskalationen sind weltweit die Energiepreise gestiegen; ohne baldige Öffnung der Straße von Hormus könnten die Kosten für Öl und Gas regelrecht explodieren, fürchten Fachleute . Um dieses Szenario abzuwenden, versuchen die USA nun ihrerseits, den Iran wirtschaftlich in die Knie zu zwingen. Bei der Blockade der iranischen Ölindustrie – dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes – geht es aber nicht nur um die kurzfristigen Einnahmen des Regimes. Denn je länger die US-Marine ihre Blockade aufrechterhält, desto höher sind die langfristigen Schäden für die iranische Ölindustrie. Iran muss sein Rohöl "parken" Schon jetzt gerät der Iran an die Grenzen seiner Lagerkapazitäten für Rohöl. Normalerweise führt die iranische Tankerflotte einen Großteil des im Land geförderten Öls ab. Nun aber schafft es kaum noch ein iranisches Schiff durch die US-Seeblockade. In der Folge muss der Iran immer mehr Öl auf seinen Tankschiffen lagern. Der Analysefirma Kpler zufolge befinden sich derzeit etwa 147 Millionen Fass iranischen Öls auf Schiffen, 67 Millionen Fass davon im Persischen Golf – eingesperrt durch die US-Seeblockade . Die Schwierigkeiten für die iranische Ölindustrie beginnen, wenn sie weder an Land noch zu Wasser weiteres Rohöl "parken" kann. Dann müssen die iranischen Ingenieure kreativ werden. Das zentrale Problem: Einfach abdrehen lässt sich eine Ölförderstätte nicht. Die Flüssigkeit im Gestein steht unter enormem Druck und kann vor allem bei älteren Anlagen Schäden anrichten, wenn nicht ein Mindestmaß an Öl abgepumpt und der Druck damit verringert wird. Auf diese langfristigen Schäden scheint die US-Seeblockade derweil abzuzielen. Auch Trump steht unter Zugzwang Der US-iranische Politikexperte Siamak Namazi glaubt allerdings nicht, dass sich das Regime in Teheran durch wirtschaftlichen Druck zum Frieden drängen lässt. "Die Islamische Republik wägt Kosten nicht so ab, wie das wirtschaftlich orientierte Staaten tun", schreibt Namazi in einem Beitrag für das in Washington ansässige Middle East Institute. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Entscheidungsträger in Teheran auf die Forderungen der USA eingehen, nur weil sie zehn bis 20 Prozent ihrer Ölförderkapazitäten verlieren könnten", so Namazi. Zumal auch der US-Präsident durch die Folgen seines Irankriegs unter Zugzwang steht. Die gestiegenen Energiepreise machen sich längst auch in den USA bemerkbar und schüren Wut auf die Regierung von Donald Trump. Dessen Republikaner müssen bei den Kongresswahlen Anfang November ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat verteidigen. An einer erneuten militärischen Eskalation in der Golfregion dürfte Trump daher kein Interesse haben, zumal schon die Ergebnisse des jüngsten Waffengangs eher durchwachsen sind. Mittlerweile haben sowohl der Iran als auch Israel angekündigt, ihre gegenseitigen Angriffe einzustellen. Nach Ansicht des Nahostexperten Marc Ayoub läuft es nun darauf hinaus, welche Konfliktpartei die wirtschaftlichen Folgen des Krieges besser verkraften kann. "Der Druck auf Iran wächst jetzt kontinuierlich", sagte de Ayoub dem in Katar ansässigen Sender Al Dschasira. "Die Frage ist, ob die USA die wirtschaftlichen Folgen des Krieges lange genug aushalten können, bis der Druck auf Iran die gewünschte Wirkung zeigt", so Ayoub. "Am Ende geht es darum, wer die Straße von Hormus kontrolliert."

Читайте на сайте