Energiekrise und Niedrigwasser in Ungarn: Magyar lobt "Wunder von Ungarn"
Die schlimmste Phase der Stromkrise in Südosteuropa scheint überwunden. Der ungarische Ministerpräsident lobt die Bürger für ihren Zusammenhalt. Die Hitzewelle ist zwar nicht vorbei, doch in der Donau sind die Pegelstände in den vergangenen Tagen leicht gestiegen – und Ungarn kann aufatmen. Péter Magyar , Ministerpräsident des osteuropäischen Landes, teilte am Freitag seinen Landsleuten mit, dass die strengen Maßnahmen zum Stromsparen zunächst zu Ende gehen könnten . Den Zusammenhalt der Bevölkerung bezeichnete er als das "Wunder von Ungarn". Durch die extreme Hitze und Niedrigwasser in der Donau musste das Atomkraftwerk Paks, das 40 Prozent des Stroms in Ungarn liefert, seine Leistung drastisch einschränken. Durch die historisch niedrigen Pegelstände in der Donau fehlte das Kühlwasser für die Reaktoren. Nach Angaben von Magyar fehlten nur noch Millimeter bis zu einer vollständigen Abschaltung des einzigen AKW des Landes. Ungarn sparen Strom in der Hitzewelle Die ungarische Regierung hatte deshalb das ganze Land zum Stromsparen aufgerufen. Unternehmen wurden gebeten, ihre Produktion zu drosseln, Güterzüge durften in den Spitzenlastzeiten zwischen 17 und 22 Uhr nicht fahren und in der Hauptstadt Budapest wurde abends die Beleuchtung sämtlicher Wahrzeichen ausgesetzt. Am Samstag verkündete der ungarische Energieminister István Kapitány in einer Mitteilung auf Facebook, dass allein durch die freiwilligen Maßnahmen von Firmen der Stromverbrauch um 500 Megawatt gesenkt werden konnte. Er sei von der "beispiellosen Zusammenarbeit" gerührt, schrieb Kapitány. Allerdings ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Péter Magyar warnte, dass noch immer kein Regen vorhergesagt werde und auch die Temperaturen in den nächsten Wochen nicht spürbar sinken dürften. "Gemeinsam haben wir die kritischsten Tage dieses Sommers überstanden. Die Energieversorgung ist stabil", sagte der Regierungschef am Freitag in einer Videobotschaft an die Nation. Dies könne sich ändern, wenn die Pegelstände in der Donau wieder absinken sollten. Rumänien legt Gesetz zur Abschaltung der Industrie vor In Rumänien , wo die Stromversorgung ebenfalls kritisch geworden war, legte die Regierung derweil einen Gesetzesentwurf vor, der es dem rumänischen Netzbetreiber ermöglicht, Industriekunden im Notfall vom Netz zu trennen. "Ich betone, dass Privathaushalte nicht abgeschnitten werden, genauso wie Verbraucher deren Aktivitäten nicht anhalten können, wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Energieversorger", sagte Premierminister Ilie Bolojan laut rumänischen Medien. Am Sonntag teilte die rumänische Umweltministerin Diana Buzoianu laut "News.ro" mit, dass die Versenkung zweier Schiffe auf den Grund der Donau den Pegelstand um vier Zentimeter erhöht habe. "Wir haben mindestens neun Tage für den zweiten Reaktor von Cernavodă gewonnen", zitiert das Portal die Ministerin. Cernavodă ist das Atomkraftwerk in Rumänien, das rund 20 Prozent des heimischen Stroms liefert und genauso wie Paks in Ungarn auf Kühlwasser aus der Donau angewiesen ist. Durch die Dürre musste einer der beiden Reaktoren von Cernavodă abgeschaltet werden. Um die Abschaltung des zweiten Reaktors zu verhindern, hatte Rumänien einen Felsen an einem der Donauarme gesprengt und die Gesteinsbrocken an Stellen des Flusses versenkt. Zudem wurden nun insgesamt vier Frachtkähne versenkt, um eine künstliche Barriere zu bilden. Flankiert wurden diese Maßnahmen ebenfalls mit Aufrufen zum Stromsparen und Appellen an die Industrie, ihre Produktion zu drosseln. Die beiden Autobauer Ford und Dacia hatten ihre Produktion gestoppt, wobei Ford betonte, dass dies aufgrund der Ferienzeit ohnehin geboten war. Europa muss Stromversorgung anpassen Experten verweisen auf die Stromkrise in der Region als Warnsignal. Zum Energiefachportal "Montel News" sagte Energieexperte Eusebiu Valentin Stamate, dass Rumänien die Krise nutzen müsse, um eine klimaresistente Stromversorgung aufzubauen. "Die Krise sollte Investitionen in Stromlastverschiebung, Speicherlösungen und Netze in der gesamten Region beschleunigen", so Stamate. Sowohl Rumänien als auch Ungarn konnten sich tagsüber in der Krise auf eine hohe Stromproduktion aus Solarenergie verlassen. Es fehlten allerdings ausreichend Speicher, um die überschüssige Solarenergie für die Abendstunden zu speichern. Anders ist die Lage etwa in Bulgarien , das sich in den vergangenen Jahren in Bezug auf Batteriespeicher an die Weltspitze katapultiert hat. Bulgarien hat in der Stromkrise daher vielen Nachbarländern mit Stromexporten helfen können.