World News in German

Wirtschaftslage in den USA: Donald Trump versprach ein "goldenes Zeitalter"

Der US-Präsident lobt immer wieder, dass er die Wirtschaft angekurbelt hat. Allerdings kommt das bei vielen Bürgern in den Vereinigten Staaten nicht an. David Schafbuch berichtet aus New York . Wenn Donald Trump über die Wirtschaft spricht, gibt es zwei Dinge, die er ständig wiederholt. Unter seiner Führung sei die USA wirtschaftlich zum "heißesten" Land der Welt geworden. Zudem werde er das Land wirtschaftlich in ein "goldenes Zeitalter" führen. So war es auch Mittwoch wieder, als Trump vor Unterstützern in Las Vegas sprach. "Die Wirtschaft ist die mit Abstand beste, die wir je hatten", sagte Trump in seiner Ansprache – selbst wenn die Presse etwas anderes schreibe. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Trump und der Iran-Krieg: Gehen dem Präsidenten die Lösungen aus? Für die kommenden Zwischenwahlen im November gilt: Es gibt schon, wie bei der Präsidentschaftswahl 2024, kein wichtigeres Thema für die Wähler als die allgemeine wirtschaftliche Lage. Laut einer Umfrage des Pew Research Instituts von Anfang Juli sehen das 29 Prozent der Wähler so. Auf Platz zwei liegen mit Lebenshaltungskosten und Kaufkraft Themen, die eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammenhängen. Wer verschiedene wirtschaftliche Kennwerte betrachtet, kann durchaus welche finden, die für Trumps Politik sprechen. Allerdings kommen diese kaum der breiten Masse der Bevölkerung zugute. t-online gibt einen Überblick, in welchem Zustand sich die US-Wirtschaft wenige Monate vor den Zwischenwahlen befindet: Finanzmärkte Wenn Trump über seine wirtschaftlichen Erfolge spricht, nimmt der Präsident häufig Bezug auf die Börse: Dort können tatsächlich die wichtigsten US-Indizes – S&P 500 , Dow Jones und der Nasdaq 100 – kräftige Gewinne in den vergangenen Monaten verzeichnen. In dieser Woche vermeldeten die beiden erstgenannten Indizes ein Allzeithoch. Grundsätzlich kann davon jeder Amerikaner profitieren. Vor allem deshalb, weil viele Arbeitnehmer in den USA ihre private Altersvorsorge über Investitionen am Aktienmarkt finanzieren. Allerdings wird der Höhenflug an den Börsen von vielen Experten kritisch gesehen. Denn er basiert größtenteils auf Unternehmen, die auf Künstliche Intelligenz setzen. Befürchtet wird etwa, dass das Wachstum an den Börsen nicht nachhaltig ist. "Ohne KI wäre Amerika jetzt in einer Rezession", sagte etwa die ehemalige Chefökonomin der Weltbank, Carmen Reinhart, kürzlich der "Neuen Zürcher Zeitung". Für die Zukunft warnen viele Beobachter, dass es sich bei der KI-Branche um eine Spekulationsblase handeln könnte, die irgendwann platzen könnte. Bislang sind die Investitionen in die Branche eine Wette auf die Zukunft: Laut einer Analyse des "Handelsblatt" in dieser Woche sind bereits die hohen Gewinnsummen vieler Techkonzerne verzerrt. Demnach würden etwa die Nettogewinne von der Google-Mutter Alphabet oder von Amazon deutlich geringer ausfallen, wenn man ihre Beteiligungen an KI-Unternehmen herausrechnet. Alphabet ist etwa an dem Unternehmen Anthropic beteiligt, das das KI-Modell Claude betreibt und selbst zuletzt stark an Wert gewonnen hat. Dadurch steigt auch der Wert von Alphabet. Oder anders ausgedrückt: Die Werte der Techunternehmen beflügeln sich aufgrund von KI gegenseitig. Arbeitsmarkt Seit Trump im Amt ist, liegt die Quote der Arbeitslosen konstant bei knapp über vier Prozent. Das entspricht nicht nur grob dem Zielwert der US-Notenbank Fed. Allerdings zeigen sich auch dort Probleme: Viele Arbeitnehmer klagen mittlerweile, dass es sehr schwer und langwierig sei, neue Arbeit zu finden. Diana Swonk, Chefökonomin des Unternehmensberaters KPMG, sagte der "Los Angeles Times", dass es sich um einen "Boom ohne Beschäftigung" handele. Tatsächlich waren im Juni 7,4 Millionen Stellen unbesetzt, was in etwa den Zahlen zu Beginn von Trumps Amtszeit entspricht. Die Hintergründe dafür sind vielschichtig: Vermutet wird, dass die generelle unsicherere weltpolitische wie wirtschaftliche Lage der USA nicht dazu führe, dass die heimischen Unternehmen mehr Leute einstellen. "Unternehmen reagieren typischerweise darauf, indem sie bei Einstellungsentscheidungen zurückhaltend sind", sagte Olu Sonola, US-Forschungsleiter bei Fitch Ratings, der Nachrichtenagentur AP. Lebenshaltungskosten Trump hatte seinen Wählern versprochen, dass er die gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Mieten oder Energie wieder senken wird. Der Präsident hatte im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos noch behauptet, man habe bislang "einen verdammt guten Job gemacht". Tatsächlich ist die Lage für Verbraucher in den USA seitdem nicht besser, sondern schlimmer geworden. Die Kosten, die Trump eigentlich senken wollte, sind etwa weiter gestiegen: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate sind die Lebenshaltungskosten insgesamt laut Regierungsangaben um 3,5 Prozent gestiegen. Bei Lebensmitteln stiegen die Preise um 3 Prozent. Noch deutlicher ist allerdings der Anstieg im Energiebereich: Dort sind die Kosten seit dem vergangenen Jahr um mehr als 15 Prozent nach oben geklettert. Die Preise sind vor allem durch den Krieg der USA im Iran angefacht worden. Seit das Regime in Teheran die Straße von Hormus blockiert, ist der Handelsfluss von Öl und anderen Gütern weltweit gestört. Durch die Meerenge wird unter anderem ein Fünftel des gesamten Vorkommens an weltweitem Öl verschifft. Es ist ein Umstand, den auch der Präsident nicht ausblendet. Trump verspricht in seinen Reden regelmäßig, dass die Benzinpreise rapide sinken werden, sobald der Krieg beendet ist. Für den Konflikt zeichnet sich aber weiterhin keine kurzfristige Lösung ab. Die Energiepreise fallen bislang nur für eine kurze Zeit – nämlich dann, wenn Trump wieder davon spricht, dass angeblich ein Friedensabkommen mit dem Iran in greifbarer Nähe ist. Betrachtet man den Benzinpreis allerdings über einen längeren Zeitraum, ist er trotz leichter Schwankungen deutlich höher als vor dem Krieg: Im Vergleich zum Jahresbeginn ist der Spritpreis pro Gallone (3,8 Liter) um mehr als 35 Prozent gestiegen. Zölle und Handel Der Präsident spricht häufig davon, dass "Zölle" eines seiner Lieblingswörter sei. Erst im Juli hatte die US-Regierung neue Abgaben gegenüber mehr als 60 Ländern und der EU ausgesprochen. Trump versucht durch die Zölle Unternehmen dazu zu bringen, mehr innerhalb der USA zu produzieren. Dadurch erhofft sich der Präsident nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch eine Umkehr des Handelsdefizits. Trump bemängelt regelmäßig, dass die Zahl der Importe in die USA höher als die der Exporte ist und möchte diesen Wert umkehren. Die Hoffnung, dass durch die aggressive Zollpolitik mehr Arbeitsplätze in den USA entstehen, hat sich bislang nicht bestätigt. Auch vor Gericht hat die US-Regierung wegen der Zölle bereits mehrere Niederlagen erlitten. Im Februar hatte das oberste Gericht der USA, der Supreme Court, einen Großteil von Trumps Zöllen für nichtig erklärt . Der US-Präsident hatte daraufhin für die jüngsten Zölle einen neuen Rechtsrahmen gewählt. Auch die neuen Zölle beschäftigen bereits die Justiz: 25 demokratische Bundesstaaten hatten am Montag dagegen Klage eingereicht. Bislang ist es Trump gelungen, das Handelsdefizit deutlich zu reduzieren: Lag der Überhang an Exporten laut US-Handelsministerium Anfang 2025 noch bei 125 Milliarden Dollar im Monat, stand er im Juni bei weniger als 74 Milliarden Dollar. Dass die Strategie allerdings generell hilfreich für die US-Wirtschaft ist, wird von vielen Experten bezweifelt. "Sie führten weder zu neuen Handelsabkommen noch zu einem besseren Marktzugang für amerikanische Exporteure", sagt Ryan Mulholland vom Center for American Progress zu Trumps Zollpolitik. Viele Unternehmen außerhalb der USA reagieren zudem mit höheren Preisen auf die Zölle. Diese werden wiederum von den Verbrauchern getragen: Verschiedene Denkfabriken wie die Tax Foundation oder das Tax Policy Center rechnen mit jährlichen Mehrausgaben zwischen 700 und 960 Dollar.

Читайте на сайте