Arbeitszeit pro Kopf sinkt leicht - Ältere arbeiten mehr
Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf ist besonders bei Männern und Jüngeren gesunken. Bei Frauen hingegen blieb sie stabil. Woran liegt das? Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist nach Jahren des Anstiegs zuletzt leicht zurückgegangen. Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) lag der Wert 2025 bei Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren um 0,3 Stunden pro Woche unter dem Rekordniveau von 2023. Die Arbeitszeit pro Kopf meint laut BiB die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit aller 20- bis 64-Jährigen, nicht nur der Erwerbstätigen. Sie sei eine wichtige Messgröße für das Arbeitskräfteangebot. Der Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf im vergangenen Jahr entspreche rechnerisch rund 460.000 Vollzeitstellen. Besonders deutlich sank die Arbeitszeit demnach bei Männern sowie bei jüngeren und mittleren Altersgruppen (25- bis 54-Jährige), während sie bei Älteren weiter zulegte. Als Grund nennt das Institut die konjunkturelle Lage. "Wirtschaftliche Schwächephasen gehen typischerweise mit einem Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf einher. Das ist auch derzeit zu beobachten", sagte der BiB-Forscher Harun Sulak. Bei Frauen sei die Arbeitszeit mit gut 24 Stunden pro Woche dagegen weitgehend stabil geblieben. Das hänge auch damit zusammen, dass es weiterhin Fachkräftelücken etwa in Bildung und Kinderbetreuung sowie im Gesundheitswesen gebe, in denen Frauen besonders häufig arbeiteten. Bei den über 60-Jährigen nahm die Arbeitszeit pro Kopf nach den Berechnungen weiter zu, unter anderem wegen der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters. Zudem zeigt die Auswertung Unterschiede nach Bildungsniveau: Bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss ging die Arbeitszeit pro Kopf am stärksten zurück, bei höher Qualifizierten fiel der Rückgang geringer aus. "In den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Erwerbspersonen durch die Alterung weiter zurückgehen", sagte BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener. "Die Arbeitszeit pro Kopf macht sichtbar, in welchem Umfang wir die vorhandenen Erwerbspotenziale tatsächlich ausschöpfen. Sie wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen." Die Berechnungen des BiB basieren auf Daten des Mikrozensus. Die Werte wurden zudem altersstandardisiert mit Bezug auf die Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2025, um demografische Verschiebungen als Einflussfaktor herauszurechnen.