China: Satellitenbilder zeigen künstliche Insel im Streitgebiet
Auf Satellitenbildern im Südchinesischen Meer ist eine aufgeschüttete Landfläche zu erkennen. Peking nennt zivile Zwecke, Sicherheitsexperten bezweifeln dies. China hat die erste Bauphase auf dem Antelope Reef im Paracel-Archipel abgeschlossen. Satellitenbilder des Anbieters Vantor zeigen eine künstlich aufgeschüttete Insel von knapp sechs Kilometern Länge. Nach mindestens sechs Monaten Arbeiten haben Lastkähne und Baggerschiffe das Gebiet inzwischen verlassen. Im Südosten der Insel haben laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits Bauarbeiten an Gebäuden begonnen. Auf Aufnahmen vom 19. Juli ist unter anderem ein Hubschrauberlandeplatz zu erkennen. Die Errichtung einer neuen Militärbasis hat Peking bislang nicht bestätigt. Staatliche chinesische Medien erklären den Ausbau mit zivilen Zwecken wie Wetterbeobachtung und wissenschaftlicher Forschung. Außenhandel: China bleibt Deutschlands Top-Handelspartner Pazifik-Lücke: USA ziehen letzten Flugzeugträger aus der Region ab Experten sehen militärisches Potenzial Sicherheitsexperten halten hingegen eine militärische Nutzung für wahrscheinlich. Die Insel verfügt den Bildern zufolge über einen mehr als drei Kilometer langen geraden Küstenabschnitt, den einige Fachleute als mögliche Start- und Landebahn ansehen. Zudem entstand ein 680 Meter langer Kai an einem Tiefwasserhafen. Das Washingtoner Center for Strategic and International Studies kam in einer Analyse zu dem Schluss, dass erste Aushubarbeiten für eine neue Landebahn bereits begonnen haben könnten. Ben Lewis, Gründer der Open-Source-Plattform PLATracker, hält Antelope Reef für strategisch besonders wichtig. "Der nördliche Teil des Südchinesischen Meeres wäre in einem Taiwan-Konfliktszenario besonders wichtig, daher ist Antelope ideal gelegen", sagte er Reuters. Nähe zum chinesischen Festland Nach Einschätzung von Lewis könnte die Anlage zu einem der wichtigsten chinesischen Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer werden. Sie sei größer als die benachbarte Woody Island und leichter zu verteidigen als chinesische Stützpunkte weiter südlich im Spratly-Archipel. Für Chinas Militär könnte die Lage zudem den Vorteil haben, bestimmte Waffensysteme näher am Festland zu stationieren. Reuters nennt als Beispiel strategische Bomber des Typs H-6. Der chinesische Südchinesisches-Meer-Experte Ding Duo widersprach dieser Interpretation im Juni in der staatlichen "China Daily". Die Arbeiten seien "bescheiden" und dienten friedlichen Zwecken. Ziel sei es, die Gewässer für alle sicherer zu machen, die auf sie angewiesen seien. Vietnam erhebt Anspruch auf das Riff Die neue Anlage könnte nach Einschätzung des Sicherheitsexperten Collin Koh aus Singapur außerdem dabei helfen, geschützte Seegebiete für chinesische Atom-U-Boote zu schaffen. Umfangreiche Überwachungstechnik auf der Insel könnte zugleich Operationen amerikanischer und vietnamesischer U-Boote erschweren. Carl Thayer von der Australian Defence Force Academy sagte Reuters, die Anlagen würden Chinas Möglichkeiten stärken, die USA und ihre Verbündeten bereits in Friedenszeiten zu überwachen. Im Konfliktfall wären sie ein zusätzliches militärisches Problem: "Es ist eine weitere Sache, um die sich die Vereinigten Staaten kümmern müssten." China kontrolliert die Paracel-Inseln seit 1974. Vietnam beansprucht die gesamte Inselgruppe ebenfalls für sich und hatte den Ausbau von Antelope Reef bereits im März scharf kritisiert.