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ZDF-Star Nick Wilder verkauft Millionen-Anwesen: Ein Traum geht zu Ende

Nick Wilder hat in Amerika über Jahrzehnte seinen "American Dream" gelebt. Inzwischen blickt der einstige "Traumschiff"-Star mit wachsender Sorge auf seine Wahlheimat – und denkt über einen Abschied nach. Fast 45 Jahre lang war Amerika für Nick Wilder ein Sehnsuchtsort und seine zweite Heimat. Seit 1998 verbringt er gemeinsam mit seiner Frau Christine Mayn einen Teil des Jahres in Montana. Dort schufen sie sich über Jahrzehnte einen außergewöhnlichen Rückzugsort. Doch die gesellschaftliche und politische Entwicklung der vergangenen Jahre hat ihren Blick auf das Land verändert und die Entscheidung reifen lassen, das Anwesen nun zu verkaufen. "Montana war für Christine und mich nie einfach nur ein Wohnort. Es war unser gemeinsames Lebensprojekt, das wir über viele Jahre mit Liebe und Arbeit aufgebaut haben. Deshalb ist die Entscheidung, es zu verkaufen, alles andere als leicht", sagt Nick Wilder im Interview mit t-online. Für umgerechnet rund dreieinhalb Millionen Euro steht das Anwesen im US-Bundesstaat Montana zum Verkauf. Es umfasst etwas über 700 Quadratmeter Wohnfläche und liegt auf einem rund acht Hektar großen Grundstück mit Blick auf die Rocky Mountains. Nick Wilder erlebt die gesellschaftliche Spaltung nicht mehr nur in den Nachrichten: "Auch in unserem unmittelbaren Freundeskreis beobachten wir, wie politische Gegensätze die Menschen in den USA zunehmend in zwei Lager teilen." Als er kürzlich einen befreundeten Amerikaner für Umbauarbeiten an seiner Villa um Hilfe bat, habe dieser ihm folgende Nachricht geschrieben: "Ich habe eine Vielzahl von patriotischen Freunden, die auch meine Hilfe benötigen – diese werde ich bevorzugen." Dass die unterschiedlichen politischen Ansichten darüber entschieden, wem der Handwerker-Freund seine Hilfe zukommen ließ, schockierte Nick Wilder. "Für mich war das ein sehr persönliches Beispiel dafür, wie tief die politische Spaltung inzwischen bis in langjährige Beziehungen hineinreichen kann", sagt er. Nick Wilder handle "nicht aus wirtschaftlicher Not" Mit Sorge blicken Wilder und seine Frau auf die Wahlen zum Repräsentantenhaus Anfang November dieses Jahres. Sie bezweifeln, dass die demokratischen Institutionen und die Freiheiten, die für sie einen wesentlichen Teil Amerikas ausgemacht haben, stabil bleiben. Bewege sich das Land "politisch noch weiter nach rechts", dann wollen Wilder und seine Frau "nicht mehr dauerhaft in Amerika leben". Ein acht Hektar großes Grundstück mit Blick auf die Rocky Mountains, so abgeschieden gelegen, dass Nachbarschaftsstreits und Großstadtlärm undenkbar erscheinen – und doch plagen Nick Wilder und seine Frau die gesellschaftliche Stimmung im Land? So sehr, dass sie ihr Ende der Neunzigerjahre für exakt 79.999 US-Dollar erworbenes Grundstück, welches sie über Jahrzehnte ausgebaut und zu einem Millionenobjekt veredelt haben, verkaufen wollen? Das Paar versichert, "nicht aus wirtschaftlicher Not" zu handeln. Vielmehr sei die Entscheidung das Ergebnis veränderter persönlicher Lebensumstände und wachsender Zweifel an der gesellschaftlichen Entwicklung ihrer Wahlheimat. Würde Nick Wilder heute noch einmal vor derselben Entscheidung stehen, wäre seine Antwort klar: "Nein. Die Voraussetzungen, heute in Amerika als Europäer Fuß zu fassen, sind deutlich schwieriger. Deshalb würde ich diesen Schritt heute nicht mehr machen." "Wir haben diesen Traum fast 30 Jahre lang gelebt und sind dankbar für viele Freundschaften, für Tausende Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, für diese Weite und die unberührte Natur. Jetzt darf ein neues Kapitel beginnen", sagt Wilder über seine US-Oase. Schon als kleiner Junge und großer "Bonanza"-Fan habe er davon geträumt, eines Tages auf einer Ranch in Amerika zu leben. Das Grundstück, das einst zu den weitläufigen Ländereien einer Pferderanch gehörte, verwirklichte seinen Kindheitstraum. Er habe schon immer gut loslassen können, sagt Wilder. Ein Haus direkt am Meer in Dänemark , in dem er einst eine Windsurfschule betrieb, verkaufte er ebenfalls, als dieser Lebensabschnitt für ihn abgeschlossen war. "Meine Freunde konnten damals nicht verstehen, wie ich mich von einem so einmaligen Ort trennen konnte. Aber für mich war diese Zeit damals abgeschlossen. Mit den USA ist es jetzt ähnlich." Das fast vier Millionen US-Dollar teure Anwesen richtet sich naturgemäß an einen besonderen Käuferkreis. Ob der Verkauf gelingt, hängt davon ab, wie begehrt das abgelegene Objekt ist. Doch dafür müssen potenziell zahlungskräftige Käufer darauf aufmerksam werden. Wilder hat deshalb eine Idee entwickelt, die ungewöhnlich anmutet. Mithilfe einer KI ließ er einen Kurzfilm entstehen, der mit einem Cowboy zu Beginn jenes Westerngefühl aufgreift, das ihn einst selbst nach Montana zog. Zugleich verbindet der Film reale Aufnahmen des Anwesens mit einer fiktiven Geschichte und soll zeigen, welche Möglichkeiten Haus und Grundstück ihren künftigen Eigentümern bieten könnten. Was bei dem Film über die Immobilie sofort ins Auge sticht: die Inszenierung des Familienlebens. In der dortigen Erzählung besuchen die Kinder die Großeltern auf der Ranch, gemeinsam wird gegessen und gefeiert – und eines Tages wird aus dem Luxusanwesen ein Familienerbstück, was von Generation zu Generation weitervererbt wird. Eine Idee, die Nick Wilder und Christine Mayn nicht in die Tat umsetzen können: Das Paar ist seit 25 Jahren verheiratet, aber die Ehe ist kinderlos geblieben. "Hätten wir Kinder, dann würden wir es nicht verkaufen", gibt Nick Wilder zu. Es wäre eine schöne Vorstellung, das Anwesen, das er und seine Frau über Jahrzehnte gemeinsam aufgebaut und in das Wilder als Diplom-Holzwirt viel eigenes Fachwissen und handwerkliche Arbeit eingebracht hat, eines Tages an die nächste Generation weiterzugeben. "Aber unser Leben ist anders verlaufen. Jetzt wollen wir frei sein für das, was noch kommt." Ein Anwesen dieser Größe bedeute Verantwortung – Besitz verpflichtet, wie der Volksmund zu sagen pflegt. "Zum Anwesen gehört auch ein separates Gästehaus, das wir in den vergangenen Jahren vermietet haben. Dadurch durften wir viele interessante Menschen aus aller Welt kennenlernen. Doch die Betreuung eines so weitläufigen Anwesens verlangt ständige Präsenz." Einfach abschließen und spontan verreisen, sei kaum möglich. Vor wenigen Tagen erhielt Wilder eine neue Hüfte Nick Wilder befindet sich derzeit in Südtirol . Der ehemalige Tandem-Windsurf-Weltmeister war sein Leben lang sportlich aktiv – und das hat Spuren hinterlassen. Vor wenigen Tagen, am 17. August dieses Jahres, erhielt er erfolgreich ein neues Hüftgelenk und absolviert nun in Südtirol seine Reha. Italien ist für ihn längst zu einer europäischen Heimat geworden. Seit Jahren pendelt er mit seiner Frau zwischen Europa und Amerika. Christine Mayn stammt aus Südtirol. Kennengelernt haben sich die beiden 1998 am Set der ZDF-Serie "Unser Charly". Später waren sie gemeinsam für das "Traumschiff" unterwegs, Nick Wilder als Schiffsarzt Doc Sander. Die Neugier auf Neues ist ihnen bis heute geblieben. Abenteuerlust sei Teil ihrer Weltanschauung, sagt Wilder. Für beide sei es wichtig, dass Menschen einander mit offenen Armen begegnen und Menschlichkeit und Toleranz die Handlungsmaximen bleiben – nicht Abschottung und Ausgrenzung. All das, was die USA für beide so einzigartig und besonders gemacht hat, sehen sie unter Donald Trump zunehmend in Gefahr. Mit bald 74 Jahren stellt sich für Wilder zugleich immer stärker die Frage, wo er und seine Frau künftig ihren gemeinsamen Lebensabend verbringen möchten: weiterhin in seiner langjährigen Wahlheimat Amerika oder stärker in Europa? Hinzu komme ein schleichendes Unbehagen. Nick Wilder hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit seiner Kindheit und seiner Familiengeschichte auseinandergesetzt. Gemeinsam mit seinem amerikanisch-jüdischen Co-Autor Richard Opper schrieb er den Roman "Vaterliebe". Darin enthüllt Wilder unter anderem, dass sein 1998 verstorbener Vater bereits früh der SA beitrat und später in der Waffen-SS diente. Inzwischen begegnen ihm Schatten dieser Vergangenheit auch in den USA: "Antisemitische Vorfälle nehmen zu. Der Hitlergruß ist in Amerika nicht verboten. Wenn hier Hakenkreuzflaggen wehen, droht keine Strafe. All das musste ich zuletzt mit eigenen Augen ansehen. Das erschüttert mich zutiefst und widerspricht allem, wofür ich stehe." Innerlich, so wirkt es, stellen sich Nick Wilder und Christine Mayn längst auf ein neues Lebenskapitel ein.

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