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Niederlande verlegen Reserven: Jetzt wandert Gold aus den USA ab

Mehrere Staaten haben zuletzt Goldreserven aus den USA in andere Länder verlegt. Es ist ein Ausdruck des Misstrauens gegenüber der Trump-Regierung. David Schafbuch berichtet aus New York Die Federal Reserve Bank ist, verglichen mit anderen Bauwerken in New York , recht unscheinbar. Das Gebäude aus hellem Backstein im Süden Manhattans, unweit der Wall Street , ist vergleichsweise klein – zumindest gemessen an den unzähligen Wolkenkratzern, die dort aus dem Boden ragen. Für die Federal Reserve Bank ist die Höhe allerdings nicht entscheidend. Wichtiger ist, was sich unterhalb des Gebäudes befindet: Eingebettet in das Felsgestein Manhattans, 24 Meter unter der Straße, lagert in den Tresorräumen der Bank die weltweit größte Menge an Gold. 2024 waren es insgesamt 6.331 Tonnen. Das ist deutlich mehr als in dem berühmten US-Militärstützpunkt Fort Knox, in dem die USA ihre eigenen Goldreserven einlagern. Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog "Krisenvorsorge stärken" : Niederlande verlegen Goldreserven In den vergangenen Monaten ging die Goldmenge in New York aber zurück: Die niederländische Zentralbank hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass sie in den vergangenen Monaten größere Teile ihrer Goldreserven von dort abgezogen habe. Als Begründung gab die Bank "zunehmende geopolitische Unruhen" an, weswegen man die "Krisenvorsorge" verstärke. Welche "Unruhen" sie konkret zu dem Schritt veranlasst haben, darüber macht sie keine Angaben. Von insgesamt 313 Tonnen, die momentan in den USA und in Kanada lagern, wurden zwischen März und August 86 Tonnen verlegt. Auch wenn es die niederländische Zentralbank nicht explizit sagt, ist es ein deutlicher Misstrauensbeweis gegenüber der Regierung von Donald Trump : Denn der US-Präsident hat in seiner zweiten Amtszeit etliche Gründe geliefert, warum die USA unter ihrer aktuellen Regierung nicht mehr als zuverlässiger Standort zur Lagerung ausländischer Goldreserven gelten. Goldbarren gelten für viele Staaten als eine Art Notgroschen: Viele Länder besitzen große Mengen des Edelmetalls, die vor allem in Krisenzeiten als stabile Wertanlage gelten. "Wir gehen davon aus, dass wir sie nie benötigen werden, aber wir müssen unsere Widerstandsfähigkeit und Vorsorge stärken", sagte auch der Chef der niederländischen Zentralbank, Olaf Sleijpen, zu dem Umzug der Goldbarren. Viele Staaten lagern zudem nur Teile ihres Goldes im eigenen Land. Die Verteilung stellt sicher, dass etwa im Falle eines Krieges nicht die gesamten Goldvorräte abhandenkommen können. Zudem lagern viele Länder größere Mengen an Orten, wo mit dem Edelmetall besonders viele Geschäfte gemacht werden. Deswegen haben viele Staaten auch Goldreserven in London oder eben in New York. Nur geringe Mengen aus Kanada In ihrer Mitteilung versucht die niederländische Zentralbank den Eindruck zu vermitteln, dass man gleichermaßen Gold aus New York und der kanadischen Hauptstadt Ottawa verlegt habe. Dabei ist der Anteil aus den USA deutlich höher: Während aus Kanada lediglich 1,2 Prozent des gesamten niederländischen Goldes abgezogen wurden, waren es aus New York fast 13 Prozent. Laurent Schwartz, Präsident des französischen Edelmetallhändlers "Comptoir National de l'Or", bekräftigte, dass das leichtere Handeln in London ein Grund für das Umschichten sein kann. Aber: "Der aktuelle politische Kontext in den Vereinigten Staaten könnte auch dazu führen, dass bestimmte Zentralbanken andere Lagerorte bevorzugen", sagte Schwartz der britischen Zeitung "The Guardian". Die US-Regierung unter Trump führt tatsächlich eine konfrontative Wirtschafts- und Finanzpolitik: Seit Monaten hat Trump immer wieder neue Zölle gegen zahlreiche Staaten und die Europäische Union (EU) verhängt. Durch den Iran-Krieg sind zudem Öl, Gas und Benzin deutlich teurer geworden. Seit Kurzem haben die Staatsschulden in den USA die Rekordmarke von 40 Billionen Dollar überschritten. Zudem setzt Trump den Verwalter der Goldreserven, die US-Zentralbank Fed, unter Druck. Seitdem er erneut ins Weiße Haus eingezogen ist, pocht der Präsident darauf, dass die Leitzinsen gesenkt werden sollen. Der Präsident griff deshalb zunächst den Fed-Chef Jerome Powell öffentlich an. Unter anderem warf er ihm vor, die Zentrale der Fed in Washington für zu viel Geld zu renovieren . Trump ließ sich unter anderem von Powell dafür über die Baustelle der Fed-Zentrale führen. Zwischenzeitlich hatte das Justizministerium auch ein Verfahren gegen den Fed-Chef eingeleitet, das Powell als politisch motiviert bezeichnete. Die Ermittlungen wurden erst eingestellt, nachdem sie dazu geführt hatten, dass die turnusmäßige Findung eines Nachfolgers für den Chef der US-Zentralbank dadurch behindert wurde. Trump macht Druck auf die Fed Auch unter Powells Nachfolger, Kevin Warsh, fordert der Präsident weiter, dass der Leitzins gesenkt werden müsse. "Senkt die Zinsen, oder ich breche den Handel mit Ländern ab, mit denen wir ein Defizit haben", schrieb Trump in Richtung der Fed am Freitag auf der Plattform "Truth Social". Bislang hat Warsh die Zinsen nicht gesenkt, die Fed agiert in diese Frage unabhängig von der Regierung. Die turbulenten Zeiten haben dazu beigetragen, dass der Preis für Gold, das als stabile Wertanlage gilt, in den vergangenen Monaten immer weiter nach oben kletterte: Seit Trump wieder im Weißen Haus sitzt, ist der Preis pro Feinunze Gold um mehr als 60 Prozent gestiegen. Viele Zentralbanken auf der Welt denken darüber nach, ihre Goldmengen zu vergrößern: Im Juni hatte das World Gold Council gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov eine weltweite Umfrage unter 74 Zentralbanken durchgeführt: 45 Prozent gaben dabei an, dass sie im kommenden Jahr ihre Goldreserven vergrößern wollen. Die Niederlande sind mit ihrer Verlegung von Gold aus den USA nicht allein: Anfang des Jahres hatte die französische Zentralbank 129 Tonnen Gold aus New York nach Paris gebracht. Das entspricht nicht nur fünf Prozent der gesamten Reserve des französischen Staates. Die französische Notenbank hatte damit auch ihre gesamte Menge an Gold aus den USA nach Frankreich gebracht. "Wenn das eskaliert" Die französische Notenbank betonte allerdings, dass die Verlegung des Metalls keine politischen Gründe habe. Stattdessen habe man bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, die Goldbestände zu "modernisieren". Das Land hatte alte Barren verkauft und davon neue nach dem heute gültigen LBMA-Standard erworben, was etwa den Handel in London erleichtert. Auch in Deutschland hatte es bereits eine Debatte darüber gegeben, ob die eigenen Goldreserven in New York bleiben sollten. 37 Prozent des gesamten deutschen Goldes lagern weiter im Tresor der Fed. Weltweit besitzt Deutschland mit rund 3.352 Tonnen nach den USA (8.133 Tonnen) die zweitgrößten Goldreserven. Michael Jäger, Präsident des europäischen Steuerzahlerbundes, sagte Anfang des Jahres, dass man die Verteilung des Goldes aufgrund der Trump-Regierung überdenken müsse: "Wenn das eskaliert und das Gold noch in den USA liegt, hast du ein Problem – dann wirst du es nicht mehr zurückholen können." Bundesbank sieht keinen Bedarf Ähnlich argumentierte auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher . Fratzscher sagte t-online im April , dass Deutschland einen Teil seiner Goldreserven veräußern solle, um die Bürger zu entlasten. "Dann hätten wir auch die Sorge aus dem Weg geräumt, die mit Donald Trump verbunden ist. Sein Zugriff auf die Fed ist bedenklich", sagte der Ökonom. Zuständig für die deutschen Goldreserven ist die Bundesbank. Die Behörde agiert unabhängig von der Bundesregierung . Damit kann sie selbstständig über die Lagerung oder auch den Verkauf von Goldreserven entscheiden. Bislang schloss die Behörde allerdings aus, die Goldreserven aus New York zu holen. Bundesbankchef Joachim Nagel sagte im Mai dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", er habe "keinen Zweifel" daran, dass das Gold in New York sicher sei. Eine Sprecherin der Bundesbank teilte t-online mit, dass sich an dieser Einschätzung bis heute nichts geändert habe.

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