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USA: Trump vor den Midterms – Die Republikaner werden in Dallas nervös

Donald Trump will in Dallas die Republikaner auf die Midterms einschwören – und stellt dabei sich selbst in den Mittelpunkt. Doch viele Kandidaten in den umkämpften Rennen gehen auf Abstand zum Präsidenten. Bastian Brauns berichtet aus Dallas An diesem Mittwoch beginnt in Dallas im US-Bundesstaat Texas ein Experiment. Erstmals veranstalten die Republikaner einen nationalen Parteitag eigens für die Zwischenwahlen – knapp zwei Monate vor dem Urnengang. Dabei steht der US-Präsident bei den sogenannten Midterms gar nicht selbst auf dem Wahlzettel. Gewählt werden auf Bundesebene nur die neuen Kongressabgeordneten und ein Drittel der Senatoren. Oftmals werden diese zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl stattfindenden Wahlen zu einer Art Denkzettel für die regierende Partei. Wenn sie ihre Mehrheit in wenigstens einer der zwei Kammern des US-Kongresses verliert, entsteht ein politisches Gegengewicht zum Weißen Haus. Danach sieht es auch dieses Mal aus. Der amtierende republikanische Präsident Donald Trump ist laut Umfragen so unbeliebt, dass es überrascht, wie sehr er sich mit diesem Parteitag ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellt: An gleich beiden Abenden will er eine Rede halten – am Mittwoch zur Eröffnung und am Donnerstag zum Abschluss. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang Nicht ohne Grund spricht Joe Gruters, der Vorsitzende des federführenden Republican National Committee (RNC), von diesem außerplanmäßigen Parteitag als einer "Trumpalooza": ein Trump-Spektakel, bei dem die "America First"-Agenda im Vordergrund stehen soll. "Präsident Trump wird die Republikaner hinter unserer gemeinsamen Vision vereinen, die Dynamik steigern und einen unglaublichen Parteitag für unsere Partei ausrichten", so Gruters. Die "Trumpalooza" ist ein Experiment in der gegenwärtigen Lage. Und viele fragen sich: Warum macht Trump das? Die Antwort könnte einfach lauten: Weil er eben Trump ist. Oder aber, er hofft, auf diese Weise zumindest seine treuesten Wähler an der Basis zu motivieren. Denn in der politischen Mitte dürfte es in vielen Rennen richtig schwer werden. Viele republikanische Kandidaten scheinen jedoch davon auszugehen, dass ihnen ausgesprochene Trump-Nähe im Wahlkampf eher schadet als nutzt. Dutzende wollen gar nicht kommen. Zumal sie für ihre Teilnahme an der "Trumpalooza" offenbar 25.000 Dollar aufbringen sollen. Bloß keinen Krieg thematisieren Das sind keine guten Vorzeichen für eine Veranstaltung, die die Republikaner eigentlich einen soll. Aber Donald Trump und ein Großteil der US-Regierung setzen alles daran, das zu überdecken. Trump soll die Veranstaltung mit seinen Reden einrahmen und den Ton setzen. Dazwischen soll die ihm treu ergebene republikanische Machtelite auftreten und ihm und seiner Politik huldigen. Sprechen sollen im kalt klimatisierten American Airlines Center, mitten in Dallas' heißer Innenstadt aus Glas und Beton: Vizepräsident JD Vance, House Speaker Mike Johnson, die Senatoren Ted Cruz und Tim Scott, Texas-Gouverneur Greg Abbott und sein Vize Dan Patrick. Auch Finanzminister Scott Bessent, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Trumps Sohn Donald Trump Jr. sind angekündigt. Auf der Rednerliste fehlen Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth . Das ergibt auch Sinn, schließlich soll es bei den Zwischenwahlen möglichst nicht um den unpopulären Krieg gegen den Iran und seine teuren Folgen gehen. Am besten soll nur das von Trump versprochene "Goldene Zeitalter" für Amerika Thema sein. Das Trump-Dilemma der Republikaner Doch gemessen an den historisch schlechten Beliebtheitswerten ist Trump derzeit eigentlich nicht in der politischen Verfassung, in der man sich zum Gesicht einer Wahl machen möchte. Seine Zustimmungswerte liegen in einer aktuellen Reuters/Ipsos-Umfrage bei nur noch 33 Prozent – dem niedrigsten Wert seiner Präsidentschaft. Auch andere aktuelle Erhebungen zeigen, dass die wirtschaftliche Lage und die Lebenshaltungskosten Trumps politische Bilanz belasten. Besonders heikel: 46 Prozent der registrierten Wähler glauben laut einer aktuellen Financial-Times/Focaldata-Umfrage, dass Trump den Erfolgsaussichten republikanischer Kandidaten bei den Midterms schade. Damit entsteht ein Dilemma: Einerseits brauchen die Republikaner Trump, um die MAGA-Basis zu mobilisieren. Aber je mehr Trump diesen Parteitag dominiert, desto mehr werden die Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über ihn und seine Politik. Und die lehnen immer mehr Amerikaner ab. Weil sich Trump aber offenkundig nicht verstecken lässt, verstecken sich stattdessen einige Republikaner vor seiner Ich-Veranstaltung. Einige Kongressabgeordnete reisen gar nicht erst an; andere haben die Veranstaltung im Vorfeld eine "Zeitverschwendung" genannt oder die chaotische Planung kritisiert. "Ich kann nicht kontrollieren, was der Präsident auf dem Parteitag sagen wird, aber ich kann kontrollieren, wo ich bin und was ich tue", sagte etwa Tom Barrett, ein republikanischer Kandidat aus dem umkämpften Bundesstaat Michigan , beim Fernsehsender NBC. Auch andere Kandidaten haben ihre Teilnahme abgesagt, weil sie sich lieber um ihren Wahlkampf vor Ort, als um die Trump-Show in Dallas kümmern. Dabei gibt es für die Wahl des Veranstaltungsortes, den Bundesstaat Texas, einen triftigen Grund: Texas ist kein Zufall Hier findet auch einer der überraschendsten Senatswahlkämpfe des Jahres statt. Der republikanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton tritt in Texas gegen den Demokraten James Talarico an. Und der hat ausgerechnet in diesem eigentlich tiefroten, republikanisch regierten Bundesstaat bessere Chancen, als Trump lieb sein kann. Mehrere Umfragen sagen ein enges Rennen voraus. In einer aktuellen Erhebung lag der erst 37 Jahre alte Talarico sogar knapp vor Paxton. Der Republikaner kann also jede Aufmerksamkeit gebrauchen, nicht zuletzt, weil ihm im Kontext einer außerehelichen Affäre Amtsmissbrauch und Bestechlichkeit vorgeworfen werden. Würde dieser Senatssitz in Texas seit Jahrzehnten erstmals wieder an die Demokraten gehen, wäre das nicht nur eine empfindliche psychologische Niederlage. Auch die republikanische Mehrheit im US-Senat könnte dann dahin sein. Trump und Paxton versuchen diese Gefahr mit fast allen Mitteln vergessen zu machen. Zuletzt verbreitete Paxtons Wahlkampfteam sogar einen mit Künstlicher Intelligenz täuschend echt gestalteten Wahlwerbespot, in dem ein fiktiver Talarico sagt, Gott habe sechs Geschlechter geschaffen. Der gläubige Demokrat soll in dem konservativ und christlich geprägten Bundesstaat als möglichst unchristlich, links, politisch überkorrekt und "woke" dargestellt werden. Talarico setzt auf hohe Lebenshaltungskosten als Thema Doch der rhetorisch talentierte Demokrat und sein Wahlkampfteam planen, während des Parteitags der Republikaner in Dallas mit einer sehr einfachen Botschaft bei den Wählern zu landen: Was kostet das tägliche Leben in Texas? Sie organisieren dafür unter anderem eine Aktion mit dem am biblischen Gebot orientierten Titel "Love Thy Neighbor" (Liebe deinen Nächsten). Während sich in Dallas republikanische Funktionäre, Kandidaten und Großspender zu ihrer Convention versammeln, sollen bei dieser Aktion Lebensmittel gesammelt und an bedürftige Familien verteilt werden. Freiwillige sollen nicht nur am Veranstaltungsort in Dallas, sondern an vielen Orten in Texas Lebensmittel ausgeben. Talarico setzt im Wahlkampf zudem auf einen höheren Mindestlohn, mehr bezahlte Überstunden und eine bezahlbare Kinderbetreuung . Trumps Kandidat Ken Paxton wiederum verspricht die Abschaffung der Grundsteuer für Hausbesitzer, weniger Staatsausgaben und staatliche Regulierung sowie mehr Öl- und Gasförderung, um die Energiekosten zu senken. Doch in der Realität können sich Amerikaner unter Trump immer weniger leisten. Die gestiegenen Lebensmittel- und Benzinpreise sind darum das zentrale Thema der Demokraten in diesem Spätsommer-Wahlkampf. Trump sagt derweil Sätze wie: "Ich liebe die Inflation" oder behauptet, die Debatte um erschwingliche Preise sei frei erfunden. Zugleich mahnt er, die Amerikaner müssten nun mal Opfer bringen, wenn der Iran keine Atomwaffen haben soll. Eine "blaue Welle" verhindern Die Hoffnung der MAGA-Führung auf dem Parteitag in Dallas dürfte sein: Wenn schon die Wähler in der Mitte verloren gehen, dann soll wenigstens die eigene, Trump treue Basis ausreichend mobilisiert werden. Die lässt sich nach einer bereits zu ihren Gunsten ausgegangenen Präsidentschaftswahl nämlich in der Regel bei den Midterms nicht allzu leicht motivieren. Denn sie hat ja bereits den Präsidenten im Weißen Haus. Gelingt das, könnte zumindest das allergrößte Desaster für die Republikaner und Trump noch abgewendet werden. Aber vieles sieht bei diesen Zwischenwahlen nach einer sogenannten blauen Welle aus, also nach einem Erdrutschsieg für die Demokraten. Je größer deren Erfolg ausfällt, desto schwieriger wird es für Trump, in seinen letzten zwei Amtsjahren zu regieren. Und einmal mehr könnte ihm dann ein Amtsenthebungsverfahren drohen.

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