Donald Trump startet eigenen TV-Sender: Racheaktion?
Das Weiße Haus startet einen eigenen TV-Sender – womöglich als Reaktion auf den Berichterstattungsboykott renommierter Medien, die Trump zuvor ausgeschlossen hatte. Die ersten Sendungen werfen Fragen auf . Das Weiße Haus hat am Montag angekündigt, einen eigenen TV-Sender zu starten. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump bewirbt den Kanal mit dem Titel "Trump TV: The Essentials Station" (zu Deutsch etwa: "Der unverzichtbare Sender"). Allerdings ist darunter kein herkömmlicher TV-Sender zu verstehen, sondern vielmehr eine Online-Streamingplattform. Sie soll 24 Stunden und sieben Tage die Woche Trump-affine Inhalte abspielen. Welche das sind, wurde kurz nach dem Start des Kanals, der auf der Seite des Weißen Hauses ebenso wie auf YouTube zu finden ist, anschaulich. Da konnten geneigte Trump-Anhänger etwa der Rede eines fanatischen Ex-Marines lauschen, der neben Jesus Christus auch das tödliche Handwerk der US-Spezialtruppe, vor allem aber die US-Regierung von Donald Trump pries. Kommentar zu Trumps Attacke auf Pressefreiheit: Das ist nicht sein Weißes Haus Trumps Medienkrieg: Warum jetzt sich sogar Fox News mit CNN solidarisiert Trotz Verbots von Trump: Melania lässt sich von CNN begleiten Bei der übertragenen Veranstaltung handelte es sich um ein Event aus der Konserve: Die Feier zum 250. Gründungstag des US Marine Corps, von der die Rede stammte, fand bereits im November 2025 statt. Aktualität, wie man sie von Nachrichtensendern gewohnt ist, scheint hier kein Anspruch zu sein. Das Interesse am neuen "Trump TV", zumindest auf der Streamingplattform YouTube, hielt sich dann auch in Grenzen. Gerade einmal etwas mehr als 2.000 Interessierte schalteten ein. Spielte Natalie Harp erneut eine Rolle? Wie das Weiße Haus mitteilte, soll der Stream täglich "mit den besten Momenten aus der Vergangenheit, Ankündigungen sowie den neuesten und wichtigsten Nachrichten aus der Regierung" aufwarten. Eigene Produktionen oder journalistische Inhalte waren auf dem Sender zunächst nicht zu sehen. Dass Trump den Fokus nicht auf Aktualität und kritische Hintergrundberichterstattung legt, dürfte nicht verwundern. Erst am Freitag hatte er den Reportern einiger renommierter US-Nachrichtensender die Akkreditierung für das Weiße Haus entziehen lassen. CNN , MS NOW und "Politico" wurde der bis dato übliche direkte Zugang mit sofortiger Wirkung verwehrt. Der Schritt hatte Empörung in der Medienbranche ausgelöst. Viele Fernsehsender taten sich daraufhin für einen Boykott zusammen, der in der Geschichte der US-Medienlandschaft einmalig ist. Auch Trumps einstiger Haus- und Hofsender Fox News schloss sich dem Boykott an. Bis auf Weiteres werden die TV-Reporter der Sender ABC, CBS, NBC und Fox News, die sonst im Rotationsprinzip für alle filmen und das Material mit den anderen Sendern teilen, keine Termine des Präsidenten mehr begleiten – aus Solidarität mit den ausgeschlossenen TV-Stationen. Zudem strengten die von Trump Ausgeschlossenen eine Klage an, um auch weiterhin direkten Zugang zu Presseauftritten des US-Präsidenten zu erhalten. Trump hatte den Schritt damit begründet, dass die von ihm aus dem Weißen Haus verbannten Sender "Fake News" verbreiten würden. Wie unter anderem das Magazin "Forbes" berichtet, soll Trumps enge Vertraute und Kommunikationsmitarbeiterin Natalie Harp dem Präsidenten zuvor erneut ein Konvolut mit unvorteilhaften Berichten über den US-Präsidenten vorgelegt haben. Trump hatte zuletzt auch bemängelt, dass die Medien zu wenig über seine Erfolge berichteten. Damit soll dem Weißen Haus zufolge jetzt Schluss sein. "Nicht jeder wichtige Moment hat es bisher ins Fernsehen geschafft", teilte es mit. Mit "Trump TV" sei das jetzt möglich. Beobachter werten den Launch des Senders als Revanche des Weißen Hauses und Reaktion auf den umfassenden Medienboykott. Vance nennt Berichterstattung "Propaganda" US-Vizepräsident JD Vance hatte den Rauswurf der Medien als "vollkommen angemessen" bezeichnet. Der Präsident habe jedes Recht, "diese Propaganda" zu verbieten, so Vance. Der Vizepräsident behauptete gegenüber Reportern auf der Joint Base Andrews, die Berichterstattung der drei Medien CNN, MS NOW und "Politico" über Donald Trump und die US-Regierung sei zu "92 Prozent negativ". Sie würden ihre Akkreditierung zurückerhalten, wenn sie sich endlich wie "richtige Nachrichtensender" verhalten würden. Wie sich das Weiße Haus einen solchen Nachrichtensender vorstellt, lässt sich auf "Trump TV" beobachten. Dort werden martialische Dokumentationen neben patriotischen Events und länglichen Lobhudeleien auf Donald Trump in Endlosschleife abgespielt. Zum Start des Programms gab es eine Rede des US-Präsidenten, die dieser am 3. Juli dieses Jahres am Präsidentendenkmal am Mount Rushmore hielt. Trump lobte sich in dieser Rede vor allem selbst.