World News in German

Formel 1: Wird der Ferrari-Zoff von Hamilton und Leclerc noch schlimmer?

Beim Großen Preis von Mexiko gerieten die beiden Ferrari-Piloten erneut aneinander. Es ist ein Krach, der vorhersehbar war – und noch weiter eskalieren könnte. "Ich bin echt sauer": Rekordweltmeister Lewis Hamilton war nach dem Formel-1-Rennen in Mexiko am vergangenen Sonntag kaum noch zu beruhigen. "Wir haben wertvolle Punkte verloren. Wir hätten locker einen Doppelsieg einfahren können. Das Tempo dafür hatten wir. Aber wenn dein Teamkollege gegen dich arbeitet und du dann so Positionen verlierst, ist das definitiv hart", sagte Hamilton über das Rennen auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez in Mexiko-Stadt, das der Ferrari-Pilot auf Platz zwei beendet hatte. Von der Pole-Position aus losgefahren, sah sich Hamilton in der ersten Runde einem riskanten Manöver seines Teamkollegen Charles Leclerc ausgesetzt. Leclerc kürzte eine Kurve ab, übernahm die Führung und wurde später dafür bestraft. Hamilton musste auch Max Verstappen im Red Bull ziehen lassen. Der Sieg war futsch. Es ist nicht das erste Mal, dass die Ferrari-Piloten in dieser Saison aneinandergeraten und sich bessere Ergebnisse kosten. Dabei war der Krach programmiert – und der ganz große Knall könnte erst noch folgen. Ärger in der Formel 1 : Lewis Hamilton geht auf Teamkollegen los "Ich bin sprachlos": Kimi Antonelli schreibt Sportgeschichte Ein Blick zurück: Leclerc ist seit jeher Ferraris "goldener Junge". Zur Saison 2019, im Alter von damals gerade einmal 21 Jahren und nach nur einer Saison in der Formel 1 (für Alfa Romeo), verpflichtete Ferrari den Monegassen für ein Stammcockpit. Es war eine höchst ungewöhnliche Entscheidung, setzte Ferrari in der Vergangenheit doch stets auf erfahrenere Piloten, die sich im Haifischbecken der "Königsklasse" bereits bewiesen hatten. Doch Leclerc hatte in seiner ersten Saison in einem unterlegenen Auto überzeugt – und mit dem Wechsel zu Ferrari ging für ihn ein Kindheitstraum in Erfüllung. Noch dazu erfüllte er damit ein Versprechen, das er seinem kurz zuvor verstorbenen Vater gegeben hatte. Sollte Leclerc tatsächlich im Ferrari Weltmeister werden und die lange Durststrecke seit dem letzten Gewinn der Fahrer-Weltmeisterschaft durch Kimi Räikkönen im Jahr 2007 beenden – das Märchen wäre perfekt. Ferrari warf deshalb alles in die Waagschale, traute sich kurze Zeit später sogar, mit Leclercs Teamkollegen Sebastian Vettel einen viermaligen Weltmeister in die Wüste zu schicken. Die Botschaft war klar: Die Zukunft von Ferrari hieß Leclerc. Als die Entwicklung des Autos dann nicht schnell genug voranschritt, um genau dieses Ziel zu erreichen, schasste man kurzerhand auch noch Teamchef Mattia Binotto und installierte mit Fred Vasseur den Teamchef, der schon Leclercs Formel-1-Einstieg bei Alfa Romeo begleitet hatte. Zusammen mit dem zweiten Fahrer Carlos Sainz, der Vettel ersetzt hatte und verlässlich Ergebnisse lieferte, ohne jedoch an Leclercs Nummer-eins-Status im Team zu rütteln, hatte man eine gut harmonierende Besetzung gefunden. Diese sollte nun auf den Titelgewinn hinarbeiten. Ferrari erliegt der PR-Versuchung Doch dann erlag Ferrari der großen PR-Versuchung: Vor allem durch den Unternehmenschef John Elkann und nicht durch Teamchef Vasseur vorangetrieben, verpflichtete Ferrari zur vergangenen Saison Hamilton. Der Wechsel des Rekordweltmeisters von seinem langjährigen Erfolgsteam Mercedes zur Scuderia wurde als Coup betrachtet – und die Geschichte schien ebenfalls märchenreif: Der statistisch erfolgreichste Fahrer aller Zeiten wechselt zum erfolgreichsten Team der Formel-1-Geschichte, um dort seinen achten Titel zu gewinnen und endgültig den Rekord von Michael Schumacher zu brechen, der die letzte große Ära bei Ferrari geprägt hatte. Das Problem: Genau diese perfekte Geschichte konkurriert nun mit der perfekten Geschichte, die man versucht hatte, um Leclerc zu spinnen. Mit dem Monegassen und Hamilton hatte der Rennstall jetzt zwei Fahrer, die den Anspruch haben, die Nummer eins im Team zu sein. Die Verpflichtung von Hamilton war deshalb strategisch ein ebenso großes Risiko, wie sie aus PR-Sicht ein Muss war. Genau dieses Risiko scheint den Ferrari-Bossen jetzt um die Ohren zu fliegen. Nach einer Auftaktsaison, in der Hamilton sich noch an den Ferrari gewöhnen musste und zu weit hinter Leclerc zurücklag, hat der 41-Jährige mittlerweile Fuß gefasst. Die Folge: Die beiden Fahrer kommen sich immer häufiger ins Gehege. Hitzige Duelle zwischen Hamilton und Leclerc Schon beim zweiten Saisonrennen in China lieferten sich Leclerc und Hamilton über Runden einen erbitterten Rad-an-Rad-Kampf mit zahlreichen Überholmanövern, durch den sie am Ende leichtfertig eine Position gegen Mercedes-Pilot George Russell verschenkten. Ausgerechnet beim Heimrennen im italienischen Monza gerieten die Ferraris dann nach dem Start erstmals heftig aneinander, als Leclerc Hamilton aus der Kurve drängte und der Brite im Kiesbett zahlreiche Positionen verlor. Der erneute Zwist in Mexiko zeigt: Ferrari bekommt die Streithähne einfach nicht in den Griff. Entsprechend sauer präsentiert sich Hamilton mittlerweile: "Der Kerl ist 29 Jahre alt, also glaube ich nicht, dass es am Alter liegt. Ich glaube, es ist eine Frage der Mentalität", schoss er in Richtung Leclerc. "Ich hoffe, dass wir in Zukunft auf ein besseres Umfeld, ein besseres Arbeitsklima, hinarbeiten werden", so Hamilton weiter. "Es muss sich auf jeden Fall etwas ändern" Damit war der siebenfache Champion aber noch nicht fertig: "Wir haben keine Regeln für die Zusammenarbeit, und ob das von Charles' Seite aus etwas ändern würde, weiß ich nicht", sagte er und stellte fest: "Aber es muss sich auf jeden Fall etwas ändern." Die Ferrari-Verantwortlichen um Teamchef Vasseur täten gut daran, mit einem Machtwort Ordnung in das Chaos zu bringen. Auf Einsicht von Leclercs Seite können sie nämlich vorerst nicht hoffen. Der bekundete nach dem Mexiko-Rennen trocken: "Ich denke, so ist das eben im Rennsport. Wenn man um den Sieg kämpft, gehört das einfach dazu." Genau hier liegt die Krux für Ferrari: Noch sind es nur Siege, um die die Ferraris miteinander kämpfen. Die WM-Entscheidung ist in Mexiko bereits zugunsten von Mercedes-Jungstar Kimi Antonelli gefallen. Doch aktuell scheint der Ferrari Fortschritte zu machen, durchaus denkbar, dass die Italiener in der kommenden Saison von Beginn an konkurrenzfähig sind. Entsprechende Hoffnungen äußerte Hamilton bereits während des Mexiko-Wochenendes. In diesem Fall wären Hamilton und Leclerc nicht nur Konkurrenten um einzelne Siege, sondern um den WM-Titel. Jeder von beiden wird seine vermeintliche Bilderbuch-Geschichte bei Ferrari krönen wollen. Die Konflikte dürfte das jedoch nur verstärken. Bringt Ferrari nicht rechtzeitig Ordnung in das aktuelle Chaos, droht ein entscheidender Nachteil. Denn bei der Konkurrenz sind die Machtverhältnisse geklärt: Antonelli hat sich bei Mercedes in dieser Saison gegenüber seinem Teamkollegen George Russell als Nummer eins weitestgehend etabliert. An der Vormachtstellung von Verstappen bei Red Bull vermag sowieso niemand zu rütteln. Und auch der bisherige Weltmeister Lando Norris scheint seinen einstmaligen Konkurrenten Oscar Piastri bei McLaren abgeschüttelt zu haben. Sie alle werden sich in einem möglichen engen Titelkampf darauf konzentrieren können, die Punkte ihres Top-Fahrers zu maximieren. Während sich Leclerc und Hamilton wohl nicht nur gegenseitig Punkte klauen, sondern sich im schlimmsten Fall auch noch von der Strecke fahren könnten. So dürfte dann keines der beiden geplanten Märchen Wirklichkeit werden.

Читайте на сайте