Tschechischer Ministerpräsident sieht Sudetendeutsche als Verbündete

Prag (dpa) - Tschechiens Ministerpräsident Bohuslav Sobotka hat es als Aufgabe seiner Generation bezeichnet, mit den nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Sudetendeutschen eine gemeinsame Sprache zu finden. «Europa steht vor vielen Risiken, und wir brauchen Verbündete, um diese zu meistern», sagte der Sozialdemokrat der Zeitung «Pravo» (Samstag). Tschechische Politiker hatten lange jeden Kontakt mit Vertriebenenorganisationen gemieden, die als revanchistisch und rückwärtsgewandt verpönt waren.Sobotka verteidigte den ersten Auftritt eines tschechischen Regierungsmitglieds auf einem Sudetendeutschen Tag vor einer Woche. Kulturminister Daniel Herman habe damit den Beweis erbracht, dass Tschechien den Blick in die Zukunft richten wolle. Sobotka würdigte es als «starkes Signal», dass die Sudetendeutsche Landsmannschaft jüngst Rückgabeforderungen aus ihrer Satzung gestrichen hatte.Der Regierungschef räumte ein, dass es unter den knapp drei Millionen Vertriebenen aus der Tschechoslowakei auch Sozialdemokraten und NS-Gegner gegeben habe. «Definitiv kann man die Sudetendeutschen nicht als Nachgeburt der Nationalsozialisten betrachten», sagte Sobotka. Die kommunistische Propaganda vor der Wende von 1989 habe diesen «falschen Eindruck» bei vielen Menschen hinterlassen.

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