Streit um abgesagte Ehrung für Holocaust-Überlebenden in Tschechien

Prag (dpa) - Der jüngste Besuch des Dalai Lama, des geistigen Oberhaupts der Tibeter, in Tschechien sorgt weiter für Kontroversen. Präsident Milos Zeman habe den Holocaust-Überlebenden Jiri Brady von der Nominierungsliste für eine staatliche Auszeichnung gestrichen, berichtete das Nachrichtenportal «aktualne.cz» am Freitag. Brady ist ein Onkel von Kulturminister Daniel Herman, der den Dalai Lama zum Missfallen Zemans in seinem Ministerium empfangen hatte.Tschechische Medien vermuteten einen «Racheakt» des Präsidenten, der sich für gute Beziehungen mit China einsetzt. Die Präsidentenkanzlei habe ihn vor die Wahl gestellt, das Treffen abzusagen oder die Auszeichnung für seinen Onkel aufs Spiel zu setzen, sagte Herman der Agentur CTK. Niemand habe einen Anspruch auf eine staatliche Auszeichnung, betonte indes Präsidentensprecher Jiri Ovcacek.Jiri Brady überlebte als Jugendlicher die nationalsozialistischen Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz-Birkenau. Er schildert Jugendlichen immer wieder seine schrecklichen Erlebnisse und hat das Internet-Projekt «Hanas Koffer» über das Schicksal seiner ermordeten Schwester mitgestaltet. Er lebt heute in Kanada.

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