Auf einmal Europäer: britische Premiers nach dem Brexit-Votum

Brüssel (dpa) - Es wirkt ironisch: Seit die Briten am 23. Juni für den EU-Austritt gestimmt haben, geben sich ihre Vertreter bei Brüsseler Spitzentreffen ganz ausgesprochen europäisch. Ihr Land sei auch nach dem Brexit an einer «reifen, kooperativen Beziehung mit unseren europäischen Partnern» interessiert, unterstrich Premierministerin Theresa May bei der Pressekonferenz nach ihrem ersten EU-Gipfel am Freitag. Ob nicht einmal ein nicht-britischer Journalist eine Frage stellen wolle?Der Wandel kam nicht erst mit May. Ihr Vorgänger David Cameron, den das Referendum um den Job gebracht hat, wirkte wie ausgewechselt, als er nach seinem letzten EU-Gipfel Ende Juni vor die Presse trat - nachdenklich und emotional statt kämpferisch. Von «Trauer und Bedauern» sei das Treffen geprägt gewesen. «Ich wünschte, die Leute zu Hause hätten einige der Diskussionen hören können, die wir heute beim Abendessen geführt haben.» Von derlei Gesprächen hatte er selbst in den Jahren vor der Brexit-Abstimmung allerdings auch kaum jemals berichtet. Cameron kam und ging mit einer stets ähnlich formulierten Botschaft: Es galt, «einen guten Deal für Großbritannien» herauszuschlagen - wenn nicht gar «den besten». Die Brexit-Verhandlungen würden «Geben und Nehmen» erfordern, kündigte May nun an. Die künftige Beziehung müsse schließlich für beide Seiten funktionieren.

Читайте на сайте