«Shoah»-Regisseur Lanzmann mit Nordkorea-Film in Cannes
Cannes (dpa) - Der französische «Shoah»-Regisseur und Autor Claude Lanzmann (91) hat in Cannes außer Konkurrenz den Dokumentarfilm «Napalm» präsentiert. Um den Film zu drehen, war Lanzmann 2004 und 2015 in das diktatorisch geführte Nordkorea gereist. Gedreht habe er den Film ohne Erlaubnis der kommunistischen Führung, wie in der Pressemappe hervorgehoben wird.Lange Zeit davor, nämlich 1958, war Lanzmann schon einmal nach Nordkorea gereist; er war damals nach dem Koreakrieg (1950-1953) einer der ersten Besucher aus dem Westen gewesen. So ist der Dokumentarfilm «Napalm» denn auch eine sehr persönliche Geschichte und seinem Interesse für das politische System geschuldet, wie er selbst in dem am Sonntag vorgestellten Film erzählte. Als Schüler war Lanzmann Mitglied des kommunistischen Jugendverbandes.«Napalm» ist seinem Sohn Félix gewidmet, der Anfang des Jahres im Alter von 23 Jahren an Krebs gestorben ist, sowie der Krankenschwester Kim Kum-sun, in die sich Lanzmann während seines mehrwöchigen Aufenthalts im Jahr 1958 unsterblich verliebt hatte. Eine verbotene Beziehung zwischen einem Mann aus dem Westen und einer Nordkoreanerin. Die Reise geht durch die heutige Hauptstadt Pjöngjang mit ihren imposanten Hochhäusern und in ein Museum über den Sieg im Vaterländischen Befreiungskrieg mit erbeuteten amerikanischen Kriegsgeräten. Damit schlägt Lanzmann mit Archivbildern den Bogen zum Koreakrieg: Amerikanische Flieger werfen massenweise Napalmbomben ab, brennende Häuser, tote Kinder. Bis zu 4 Millionen Zivilisten wurden damals getötet und 3,2 Millionen Liter Napalm abgeworfen, mehr als in Vietnam.Die Liebesgeschichte mit der Krankenschwester beschrieb Lanzmann bereits 2010 in seiner Autobiografie «Der patagonische Hase. Erinnerungen». Damals gestand er in einem Interview, dass er, sollte er jemals wieder einen Film drehen wollen, er diese Begegnung umsetzen wolle. Lanzmann schaffte seinen internationalen Durchbruch 1985 mit dem neunstündigen Dokumentarfilm «Shoah».