Marteria in Heidelberg: Großer Star im kleinen Karlstorbahnhof (plus Fotogalerie)

Von Anica Edinger

Zum Essen gibt es Leber mit Äpfeln und Zwiebeln. Für Rapper Marteria - bürgerlich: Marten Laciny - ist das einer der Höhepunkte seines Heidelberg-Aufenthalts. Jedenfalls sagt das Paul Ripke, deutscher Starfotograf - "und treuer Gefolgsmann von Marteria", wie Ripke stilsicher im Marteria-T-Shirt selbst sagt. Vor zehn Jahren haben sich der Rapper und der Fotograf bei einem Festival kennengelernt - und sind seither unzertrennlich. Wenn Marteria dann also nach Heidelberg kommt, schlafen beide in Ripkes Elternhaus im Stadtteil Neuenheim - und Mama Ripke sorgt persönlich für die Verpflegung.

Am Wochenende war es wieder soweit. Der große Marteria - in der Hip-Hop-Szene längst ein Superstar - war zu Gast in Heidelberg. Und er spielte im kleinen Karlstorbahnhof. Es hat nur ein paar Sekunden gedauert, bis die 500 Karten nach Öffnung des Ticketportals ausverkauft waren. Vermutlich hätte man mehr als doppelt so viele verkaufen können. Denn normalerweise füllt Marteria auch Konzertlocations wie die SAP-Arena problemlos, auf den großen Festivals der Republik ist der Rapper auch in diesem Sommer Headliner. Dass er jetzt im Karlstorbahnhof spielte, war für Heidelberg, die Region und vor allem für die, die beim Ticketkauf schnell genug waren, ein Glücksfall - und Marteria wollte es genauso haben. Denn während seiner aktuellen Tour steuert der Rapper gezielt die Konzertlocations an, wo für ihn alles begann - und dazu gehört auch das Heidelberger Kulturhaus Karlstorbahnhof. "Bei meiner ersten Tour habe ich hier schon einmal gespielt", sagt er am Freitagabend vor der tobenden Menge, "da waren 71 Leute hier." Hoffend habe er durch den Vorhang auf der Bühne ins Foyer gelugt, ob wenigstens noch ein paar Leute die Abendkasse nutzten. Doch es blieb bei 71 Zuhörern. 2009 kam der Rapper schließlich wieder, zwischenzeitlich hatte er den Durchbruch geschafft, und dieses Mal war das Konzert restlos ausverkauft. Den Heidelbergern will er an diesem Abend vor allem eines mitteilen: "Danke, dass Ihr den Weg mit mir gegangen seid."

"Allein auf weiter Tour" ist der Arbeitstitel von Marterias Tournee, musikalisch reicht die Bandbreite von den alten Klassikern bis zu ganz neuen, noch unveröffentlichten Songs, die auf seinem neuesten Album "Roswell" sind, das erst am 26. Mai erscheint. "Ihr seid also sozusagen die ersten, die das neue Album zu hören bekommen", sagt Marteria im Karlstorbahnhof - und das Publikum kennt kein Halten mehr. Zwei Stunden lang spielt der Rapper am Freitagabend - ohne Pause. Im Saal steigt die Temperatur auf gefühlte 50 Grad an, nicht nur Marteria selbst ist irgendwann so nass geschwitzt, dass man hätte annehmen können, er wäre gerade aus der Dusche gestiegen. Auch im Publikum haben sich die ersten mittlerweile ihrer T-Shirts entledigt. Die Stimmung ist am Überkochen, egal ob alte oder neue Songs, ob witzig, gesellschaftskritisch oder ernst. Auch "Marsimoto", Marterias Alter Ego mit verzerrter Stimme, ist dabei und rappt zwei Songs. Als Marteria schließlich von der Bühne steigt und sich rappend zu seinen Fans gesellt, können diese gar nicht glauben, was da gerade passiert. Bässe und Beats gehen unter die Haut. Das Publikum ist textsicher. Student Thilo Heckmann hat nur ein Wort dafür: "Unglaublich." Auch das Deutsche Rote Kreuz ist mittlerweile im Karlstorbahnhof angekommen, zwei Mädchen müssen wegen Kreislaufproblemen behandelt werden, ansonsten lief der Abend ohne größere Zwischenfälle ab.

Einem überragenden Konzert setzt Marteria schließlich die Krone auf: Als die Lichter schon wieder an sind, kommt er hinter der Bühne hervor, mischt sich unter die Leute, macht Fotos mit Fans und gibt Autogramme. Erst spät geht es für den Rapper zu Mama Ripke nach Neuenheim - zu Leber, Äpfeln und Zwiebeln.

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