Panorama-Weg Waldstetten: Bis zum Wanderweg war es ein weiter Schritt

Waldstetten. (adb) Das "Panorama" definiert der Duden als "Ausblick von einem erhöhten Punkt aus über die Landschaft hin". Selbiges bietet - sowohl auf Waldstetten als auch auf Bretzingen - der beidseitig parallel zur Landstraße 577 verlaufende Panoramaweg mit seiner Gesamtlänge von 4,2 Kilometern.

Er führt unter anderem durch das im Dezember 1990 als Naturschutzgebiet ausgewiesene Waldstetter Tal, dessen 34 Hektar Gesamtfläche auf einer Höhe von 310 bis 402 Metern über dem Meeresspiegel verlaufen und sich überwiegend aus Buschwerk, Wald und Magerrasenflächen zusammensetzen.

"Bis ins frühe 20. Jahrhundert gehörte das Gebiet zu den ‚Wärmeinseln Badisch Sibiriens’ und wurde dahin gehend für den Weinbau genutzt", schildert Ortsvorsteher Helmut Hartmann, der als Initiator des Panoramawegs fungiert. Über die Zeit änderten sich die Nutzungsstrukturen, sodass die Trockenhänge beweidet, mit Obstbäumen bepflanzt oder zwecks Heugewinnung gemäht wurden. "Nur vereinzelt erinnern alte Rebstöcke an diese Ära", betont Hartmann.

Bis zum heutigen Weg war es ein weiter Schritt: "Weil die Naturschutzbehörden unter der Prämisse der unberührten Natur jedwede Form von Pflegemaßnahmen untersagten, wucherte nach und nach alles zu", erklärt er der Rhein-Neckar-Zeitung und verweist auf breite Flächen, die erst einmal entbuscht werden mussten: 2003 änderte sich die Lage und man begann mit ersten Arbeiten. So konnte der Grundstein für den Panorama-Weg gelegt werden.

Auch dessen Beschilderung wurde durch Helmut Hartmann konzipiert: "Neben den Tafeln am Ortsausgang erklären sogenannte ‚Info-Fähnchen’ diverse Themen für den Wanderer, die mit dem Weg oder der hiesigen Flora und Fauna in unmittelbarem Zusammenhang stehen, während gleich daneben Sitzbänke zum Verweilen einladen und den schönen Blick ins Waldstetter Tal ermöglichen", erklärt er beim Rundgang, "schließlich sollen die Besucher des Weges auch wissen, wo sie sich gerade befinden!" Erst durch diese Synthese aus dem bewussten Erleben und dem gezielten Blick auf die Umgebung, so der rührige Ortsvorsteher, "kann sich das Ambiente und damit der Sinn unseres Panorama-Wegs erschließen, ehe man sich in die Landschaft aufgenommen fühlt".

Wichtig sei ihm dabei auch persönlich gewesen, "ein Refugium zu schaffen, in dem seltene Pflanzen und Tiere leben, aber auch Menschen ihr Leben entschleunigen und in der Ruhe der Natur mitschwingen lassen möchten". Diesen Gedanken untermauert ein beschaulicher Ort, der zwar etwas abseits der eigentlichen Strecke liegt, sich aber dennoch für einen Abstecher anbietet: Das sogenannte "Hase-und-Igel-Bänkle" bietet eifrigen Wanderern nicht nur die Gelegenheit zur Verschnaufpause, sondern hält gleichsam ein kleines Buch parat, in dem man sich eintragen kann. "Ähnlich wie beim Gipfelkreuz eines hohen Berges darf sich hier jeder Wanderer verewigen", schildert Hartmann und zeigt die bereits von etlichen Wanderern aus nah und fern beschriebene Kladde.

"Auf Bretzinger Gemarkung überquert der Weg die Landstraße 577, ehe man entlang des Seltenbachs über den Tal-Radweg und somit an der früheren Kläranlage vorbei zurück nach Waldstetten gelangt", fährt er fort und zeigt den als "Raststätte" bezeichneten, mit Sitzbänken bestückten Unterstand, den er gemeinsam mit seiner Gattin Annette sowie Kurt Hartmann und Ortschaftsrat Jürgen Fieger errichtet hat.

"Auch dieser Ort lädt prinzipiell zu einer gemütlichen Zusammenkunft ein, mit der man eine tolle Wanderung oder auch einen Fahrradausflug ausschmückt", empfiehlt er und spricht mit sichtlicher Freude über den "Schulterschluss zwischen Waldstetten und Bretzingen", der auch die Bewohner beider Ortschaften miteinander verbinden möge. Über das Wegenetz besteht eine solche Anbindung schon jetzt: "Wer möchte, kann seine Erforschung der Natur über den Bretzinger Rundweg BR4 und somit um rund zwei Kilometer fortsetzen!"

Wie geht es weiter? "Ich könnte mir vorstellen, dass der Panorama-Weg in Richtung Walldürn erweitert wird, um einen Ringschluss bis nach Walldürn und Hardheim zu haben", blickt Ortsvorsteher Hartmann in eine mögliche Zukunft, "so könnte man mit dem Rad oder zu Fuß von Hardheim nach Walldürn ohne große Steigungen und durch besonders idyllische Gefilde gelangen!"

Fi Info: Die Flurprozession mit Segnung weiht den Panorama-Weg am kommenden Donnerstag, 25. Mai (Christi Himmelfahrt) ein. Bei geeignetem Wetter beginnt die Heilige Messe um 10 Uhr am früheren Möbelhaus Schäfer + Fitz.

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