1899 Hoffenheim: Fanbetreuer zieht begeistertes Fazit der Saison

Von Wolfgang Kächele

Sinsheim. "Freude schöner Götterfunke", die Europahymne, erklang ebenso passenderweise wie zufällig zum Start des Fanmarsches der "Hoffe"-Anhänger zur Rhein-Neckar-Arena am Samstagnachmittag. Im Rahmen der "Klangmeile" der Städtischen Musikschule hatte ein Ensemble, verstärkt durch Fremdmusiker, Beethovens "Ode an die Freude" intoniert, just als die rund 600 friedlichen und lautstarken Fußballfans vom alten Rathaus aus in Richtung Stadion starteten.

Die Fanszene hatte zu einem Marsch zum letzten Spiel der Saison ihrer TSG-1899-Lieblinge gegen den FC Augsburg aufgerufen und eine starke Resonanz erzielt. Im blau-weißen Nebel zogen die Anhänger über Haupt- und Friedrichstraße zur Arena. "Wahnsinn, was sich da entwickelt hat," kommentierte Michael Pisot, der Fanbeauftragte des Vereins, die aktuelle Fanszene des frisch gebackenen Europapokalteilnehmers. "Europa - das erste Mal!" lautete daher auch das Motto, unter das Verein und Fans den letzten Spieltag der Saison 2016/17 stellten.

Begeistertes Fazit

Der Fanbetreuer der TSG bezog sein begeistertes Fazit der jüngsten Spielzeit aber nicht nur auf die Teilnahme am Fanmarsch. "Vor allem auch die Beteiligung an Auswärtsfahrten unterstreicht die Entwicklung unserer Fanszene," so Pisot. Eine Steigerung im zweistelligen Prozentbereich, so Pisot, untermauere dies. "Rund 350 Anhänger fuhren im Schnitt pro Auswärtsspiel früherer Spielzeiten mit. Dieses Jahr waren es deutlich mehr." Allein nach Bremen seien 1250 mitgefahren, in Dortmund waren 3500 dabei und in München gar 4500.

Am Rande der Fußballspiele ging es leider nicht immer friedlich zu. So auch am Samstag. "Wegen Körperverletzungen mussten sechs Augsburger festgenommen werden," bedauerte Polizeisprecher Norbert Schätzle am Samstag. Diese Herrschaften störten sich offenbar am Fanmarsch der Hoffenheimer. Insgesamt schätzt der Mannheimer Polizeivertreter die abgelaufene Saison aber "aus Sicht der Polizei ruhig" ein. Insgesamt war auch weniger Polizei vor Ort als früher. "Wir hatten andere Prioritäten," so Schätzle.

Polizei: "Ruhige Saison"

Als Risikospiele bezeichnete er Freiburg, Köln und Dortmund. Zuviel Alkohol, Pöbeleien, Beleidigungen, einfache Körperverletzungen und Diebstähle seien vor allem Gründe für das Eingreifen der Polizei. "Es gab diese Saison keine größeren Fanausschreitungen," stellte die Polizei fest. Negativer Höhepunkt sei ein Angriff von Freiburger Fans auf die Polizei in der Sinsheimer Innenstadt gewesen. Knapp 60 vorläufige Festnahmen gab es, 18 Personen wurden in der Saison 16/17 in Sinsheim in Gewahrsam genommen, rund 120 Delikte, die vor allem von Auswärtsfans begangen wurden, waren zu bearbeiten. Sieben bundesweite Stadionverbote mussten gegen "Hoffe"-Anhänger ausgesprochen werden. Hier hält Dortmund den zweifelhaften Rekord mit rund 200 Stadionverboten für ganz Deutschland.

Viel Anteil an der weitgehend entspannten Lage ist den Polizeiführern Karl Himmelhan, Egon Loy und Bernd Bühler zuzuordnen, die aus der Region stammen und im Fußball verwurzelt sind. Sie tragen auch die Verantwortung für kommende internationale Begegnungen, wenn die Gästefans früher an- und oft auch erst später wieder abreisen.

"Im zehnten Jahr hat sich viel eingespielt", berichtet Werner Schleifer, städtischerseits für Sicherheit und Verkehrsablauf der Spiele zuständig. Er kündigte schon Verbesserungen für die neue Saisoin in Sachen Verkehr an: "Eine weitere Fußgängerfurt in der Dietmar-Hopp-Straße sowie der Ausbau der A 6-Rastanlage Nord werden für einen besseren Fluss des Verkehrs nach den Spielen sorgen."

Rock und Pop zum Schluss

Für eine Superstimmung auch im Stadion sorgten einmal mehr die "Hoffe"-Fans. Eine Choreografie in Blau-weiß mit Namen und den Trikotnummern aller 25 Spieler sowie einer besonders lautstarken Unterstützung mit Sprechchören wie "Eu-ropa-pokal" oder eben "Hoffe, Hoffe" unterstützten sie ihre Lieblinge. Musikalisch, wie er begonnen hatte, endete der Spieltag. Vor der Arena war eine Musikbühne aufgebaut, auf der die Coverband "Cracked Fire" mit Bandleader und Sänger Roman Klefenz ("Überragende Besucherresonanz") nicht mit Beethoven aber mit Rock und Pop einheizte.

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