Funkmast in Zuzenhausen: Ein Fingerzeig aufs Heimatlied

Zuzenhausen. Schlank und blank reckt sich der sechseckige Stahlmast neun Meter in den Kraichgauhimmel. Ein paar Kabelreste ragen aus dem Kopf und zeugen von der ursprünglichen Funktion als Kabelträger des Energieversorgers. Die Lage des Reliktes der dörflichen Stromversorgung ist exponiert: direkt an der Elsenzbrücke, wenige Schritte vom Rathaus entfernt und neben den prächtig blühenden Kastanien am Mühlweg, der idyllischen Flaniermeile Zuzenhausens.

Der alte Stahlmast hat ausgedient und sollte demontiert werden: "Lasst ihn mal stehen", signalisierte der Gemeinderat dem Energieversorger "Süwag" und beauftragte den Designer Markus Fuchs mit dem Entwurf eines Gestaltungskonzeptes. Bei der Gestaltung des Rathauses und der Häuselgrundschule, der Aussegnungshalle und des Kindergartens hat Markus Fuchs bereits dafür gesorgt, dass sich der Gemeinderat in Geschmacksfragen verhedderte. Aus mehreren ganzheitlichen Gestaltungsvorschlägen fand das Gremium zügig seinen Favoriten und die Anerkennung der Bevölkerung. Wie kann man nun einen verzinkten Stahlmast zu einem Markenzeichen aufwerten? Markus Fuchs präsentierte dem Gemeinderat drei Grobvorschläge für die Gestaltung.

Beim ersten Vorschlag krönt ein Kompass die Mastspitze. Jeder Betrachter kann die Himmelsrichtungen im "Norden des Südens" erkennen. Auf einem roten Grundanstrich des sechseckigen Masts sind in vertikal verlaufender Schrift Geschichtsdaten der Gemeinde dokumentiert. Am Boden sind Geokoordinaten für den Passanten zur weiteren Orientierung per GPS angezeigt.

Das Heimatlied "Zuzenhausen an der Elsenz" soll nach dem zweiten Vorschlag Thema der Gestaltung sein. Ein Metallband soll sich schwungvoll um den Mast ranken, auf welchem der Text des Liedes von Ludwig Bald gelasert ist. Das Heimatlied ist Zuzenhausens Hymne Nummer eins, klar vor dem "Hoch Baden", wird bereits im Kindergarten gelernt und bei allen großen Anlässen in vier Strophen gesungen.

Im dritten Vorschlag soll eine Figurengruppe "Briggehossler" aus Flachstahl die Mastspitze zieren. Die Zuzenhäuser bekennen sich locker zu ihrem Uznamen "Briggehossler", feiern gar die "Briggehossler-Kerwe". Aber "Briggehossler" gibt es auch in der Nachbarschaft, und in Baiertal steht bereits ein "Briggehossler"-Ensemble.

Dem Gemeinderat gefielen sichtlich alle drei Vorschläge, aber man hat nur einen Stahlmast zur Gestaltung. Der Kompass ist sehr funktional, "Briggehossler" stehen schon in der Nachbarschaft, aber ein Heimatlied singt niemand wie die Zuzenhäuser weit und breit. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal; ein Trend aus dem Plenum war zu erkennen. Designer Markus Fuchs will nun den Gestaltungsentwurf des technisch anspruchsvollsten Vorschlags feiner ausarbeiten.

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