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Klimagipfel: Greta vor Vereinten Nationen kämpferisch: "Uns kann niemand stoppen"

Stern 

Nach den großen Protestaktion mit mehr als einer Million Teilnehmern in ganz Deutschland und der Vorstellung der geplanten Klimaschutzmaßnahmen durch die Bundesregierung, startet an diesem Samstag in New York der Jugendklimagipfel der Vereinten Nationen. Bei dem Treffen, der dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, etwa 700 Teilnehmer erwartet – die 16-jährige Schwedin Thunberg wird voraussichtlich auch sprechen. Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten dann Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten. Die entwickelten Maßnahmen sollen den Staats- und Regierungschefs danach unterbreitet werden.  

Verfolgen Sie im stern-Ticker die wichtigsten Meldungen im Vorfeld des Weltklimagipfels:

+++ 16.28 Uhr: Thunberg vor Vereinten Nationen: "Uns kann niemand stoppen" +++

Die schwedische Aktivistin Greta Thunberg hat nach den weltweiten Klimaprotesten vor den Vereinten Nationen den Kampf gegen die Klimakrise beschworen. "Gestern sind Millionen Menschen rund um den Globus marschiert und haben wirkliche Klimamaßnahmen verlangt, vor allem junge Leute", sagte die 16-Jährige beim UN-Jugendklimagipfel in New York. "Wir haben gezeigt, dass wir geeint sind und dass uns junge Leute niemand stoppen kann."

+++ 13.13 Uhr: Kretschmann: Klimaschutz geht nicht ohne Verbote und Gebote +++

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat verpflichtende Maßnahmen für den Klimaschutz gefordert und das Paket der Bundesregierung als unzureichend kritisiert. Er bezog sich beim Grünen-Landesparteitag in Sindelfingen insbesondere auf die vorgesehene Bepreisung von klimaschädlichem CO2. Die Bundesregierung plant, mit 10 Euro pro Tonne CO2 einzusteigen. Das seien 3 Cent mehr für jeden Liter Benzin. "Da schwankt der Preis an der Tankstelle ja schon im Laufe eines Tages mehr." Das Klima kippe viel schneller, als man erwartet habe.

Alleine mit Subventionen und Anreizen werde man beim Klimaschutz nicht weiterkommen. "Die unsichtbare Hand des Marktes wird das Klima nicht für uns retten", sagte Kretschmann. "Es geht nicht ohne Verbote und Gebote." Eine der wirksamsten Maßnahmen ökologischer Art sei das Verbot des Ozonkillers FCKW gewesen. Kretschmann sprach sich für eine Photovoltaikanlagen-Pflicht für Neubauten und für die Möglichkeit aus, dass die Kommunen über eine Nahverkehrsabgabe entscheiden könnten.

+++ 11.53 Uhr: Forscher Quaschning: Klima-Maßnahmen nicht ambitioniert genug +++

Der Wissenschaftler Volker Quaschning hat die Klimaschutz-Vereinbarungen der großen Koalition scharf kritisiert. Die Regierung tue so, "als ob wir 200 Jahre Zeit hätten. Dann wären die Maßnahmen gut, aber nicht bei 15 Jahren", sagte Quaschning der RTL/n-tv-Redaktion. In dem vorgelegten Eckpunktepapier erkennt Quaschning demnach "keine Logik und keinen Sachverstand". Mit Blick auf die künftige CO2-Bepreisung bemängelte er, dass sie erst in zwei Jahren einsetze und wesentlich zu niedrig sei. "Man hat sich nicht einmal getraut, diesen Mikroschritt in diese Legislaturperiode zu legen", so Quaschning. 

+++ 11.03 Uhr: Klimapaket: Schulze droht mit Sanktionen bei Verfehlen der Ziele +++

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat Ministerien mit Sanktionen gedroht, sollten sie die im Klimaschutzpaket vereinbarten Ziele nicht erreichen. "Es gibt einen klaren Mechanismus: Wer nicht liefert, muss mit der Sanktion rechnen, dass er liefern muss", sagte Schulze am Rande des Parteitags der NRW-SPD in Bochum. Dieses "Sicherheitsnetz" sei für sie am wichtigsten.

+++ 10.42 Uhr: Städtetag: Für Klima-Erfolg muss Verkehrswende auf Touren kommen +++

Der Erfolg der Klimabeschlüsse wird sich nach Ansicht des Deutschen Städtetages maßgeblich an der Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität entscheiden. "Die von der Koalition beschlossenen Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030 sind ein wichtiger Schritt zur Einhaltung der Klimaziele", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung der Nachrichtenagentur DPA. "Damit wir die Klimaziele für 2030 erreichen können, muss aus Sicht der Städte vor allem die Verkehrswende hin zu nachhaltiger Mobilität viel stärker auf Touren kommen", sagte der Leipziger Oberbürgermeister.

In den Klimaschutz-Vereinbarungen der großen Koalition werden nach seinen Worten mehrere sachgerechte Vorschläge unterbreitet, wie zum Beispiel das Bahnfahren attraktiver zu machen sowie Elektromobilität und Radverkehr stärker zu fördern. "Dies wird aber nicht reichen", sagte er. Die Städte brauchten die Unterstützung durch Bund und Länder, um rasch die nötigen Investitionen für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr mit modernen Bussen und Bahnen leisten zu können.

Die beabsichtigte Anhebung der Mittel für die kommunale Verkehrsinfrastruktur durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz auf zwei Milliarden Euro jährlich sei gut, sagte er. Das dürfe aber nicht erst ab 2025, sondern müsse noch in dieser Legislaturperiode kommen. "Wir müssen es schaffen, dass der CO2-Ausstoß im Verkehr signifikant sinkt. Denn bisher sind im Verkehrsbereich noch keine entscheidenden Beiträge zum Klimaschutz erreicht worden."

+++ 7.34 Uhr: Energie-Gewerkschaft: Keine schlüssigen Konzepte für Ökostrom-Ausbau +++

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sieht nach den Klima-Beschlüssen der großen Koalition noch Klärungsbedarf und vermisst ein Konzept für den Ökostrom-Ausbau. "Das ist zwar ein Schritt zu mehr Klimaschutz – wie groß er am Ende ausfällt, wie teuer er wird und welche reale Wirkung er entfalten wird, lässt sich aber noch nicht abschätzen", sagte IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis der Nachrichtenagentur DPA. Die Bundesregierung habe in den kommenden Monaten die Chance, für mehr Klarheit zu sorgen. Für einen verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien fehlten weiter schlüssige Konzepte, kritisierte Vassiliadis.

+++ 6.34 Uhr: Windkraft-Verband kritisiert Klimapaket: Gefährdet gesamte Branche +++

Nach den Klimaschutz-Beschlüssen der großen Koalition sieht der Bundesverband Windenergie die gesamte Branche in Gefahr. Die Regierung habe es "vermurkst", sagte Verbandspräsident Hermann Albers der Nachrichtenagentur. Dass auf Wunsch von Teilen der Union pauschale Regelungen für den Abstand von Windkraftanlagen und Wohnhäusern Teil des Kompromisses seien, sei "unverständlich und grob fahrlässig". "Damit wird die Regional- und Landesplanung ins Chaos gestürzt, was die gesamte Branche gefährdet", sagte Albers. 

Deutschland steigt bis 2022 aus der Atomkraft und voraussichtlich bis spätestens 2038 aus der Stromproduktion aus Kohle aus. Bis 2030 soll der Ökostrom-Anteil etwa aus Wind und Sonne von knapp 40 auf 65 Prozent steigen.

+++ 5.24 Uhr: Jungdelegierte Freitag: Eine Million Unterschriften für Guterres +++

Rebecca Freitag hat eine Million Unterschriften in ihrer Hosentasche – so viele Unterstützer haben die Klimainitiativen, die die 26-jährige Berlinerin als UN-Jungdelegierte am Samstag vor den Vereinten Nationen vertreten wird. Die Signaturen sind alle auf einem USB-Stick gespeichert, den sie bei dem Jugendklimagipfel der Vereinten Nationen Generalsekretär António Guterres übergeben will. "Wir haben über 80 Länder aus 5 Kontinenten und insgesamt über eine Millionen Unterstützer", sagte die 26-Jährige der Nachrichtenagentur DPA.

Pressestimmen zum Klimapaket_11.45In New York vertritt Freitag Petitionen aus Dutzenden Ländern. Die regionalen Vorstöße seien dabei genauso wichtig wie die globale Vernetzung der Kampagnen. Nur dadurch könne man genug Druck auf die Politik für einen wirklichen Wandel der Klimapolitik ausüben. Die am Freitag beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung jedenfalls bezeichnet Freitag als "Symbolpolitik": "Das was in Deutschland beschlossen wurde, wird offensichtlich nicht ausreichen und ist letztendlich Pillepalle. Wir fühlen uns nicht ernst genommen."

+++ 4.04 Uhr: Aktivistin Thunberg nach Protesten auf UN-Jugendklimagipfel erwartet +++

Nach ihrer Rede vor Zehntausenden Menschen bei den Klimaprotesten in New York wird Aktivistin Greta Thunberg am Samstag beim Jugendklimagipfel der Vereinten Nationen erwartet. Nach UN-Angaben werden bei dem Treffen, der dem Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs am Montag vorgeschaltet ist, etwa 700 Teilnehmer erwartet – die 16-jährige Thunberg wird voraussichtlich auch sprechen. Bei der Veranstaltung sollen die Jungdelegierten Vorschläge für den Kampf gegen den Klimawandel erarbeiten. Die entwickelten Maßnahmen sollen den Staats- und Regierungschefs danach unterbreitet werden.  

+++ 3.26 Uhr: Trauerfeier für Schweizer Pizol-Gletscher +++

Einen Monat nach der demonstrativen Abschiedszeremonie für den als tot erklärten Gletscher Okjökull in Island trauern auch die Schweizer: An diesem Sonntag wollen sie dem Pizol-Gletscher 100 Kilometer südöstlich von Zürich gedenken. Der Gletscher ist in den vergangenen Jahren so stark geschrumpft, dass er in diesem Jahr zum letzten Mal vermessen wird. 

"Trauerkleidung erwünscht", stand auf der Einladung der Organisatoren. Hinter der Aktion stehen unter anderem das Hilfswerk Fastenopfer sowie die Gletscherinitiative und Greenpeace. "Es ist nicht mehr viel vom Gletscher da", sagte Glaziologe Matthias Huss bei einer Begehung mit dem Schweizer Fernsehen SRF unlängst. "Jedes Mal, wenn man kommt, ist es wieder schlimmer." Am Eisschwund sei der Klimawandel Schuld, so die Gletscherinitiative. Sie fordert radikale Schritte, um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu reduzieren.

+++ 0.46 Uhr: Trotz Bomben und Taliban: Klimademo auch in Kabul +++

An den weltweiten Demonstrationen gegen die Erderwärmung haben sich am Freitag sogar Jugendliche in der von fast täglichen Terroranschlägen heimgesuchten afghanischen Hauptstadt Kabul beteiligt. Mehrere Dutzend junge Leute demonstrierten mit Plakaten, auf denen unter anderem stand: "Bestreitet nicht länger, dass unser Planet stirbt" und "Kleine Hände können die Welt verändern", andere forderten, die Waffen niederzulegen und aufs Fahrrad umzusteigen. Der kleine Demonstrationszug wurde von Soldaten mit Schnellfeuergewehren geschützt. 

Fridays for Future in der afghanischen Hauptstadt Kabul
© Ebrahim Noroozi / AP

Die Menschen in Kabul leiden nicht nur unter den ständigen Terroranschlägen mit Hunderten Toten und Verletzten. Die Stadt erstickt auch am Smog, vor allem wegen der vielen Kohleöfen. Arme Menschen heizen zudem mit Plastikmüll. Der gefährliche Feinstaub übersteigt die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gesetzten Werte um ein Vielfaches. Die Menschen klagen über ständige Kopfschmerzen, brennende Augen und Husten. 

In sozialen Medien wird die Regierung dazu aufgerufen, mehr gegen die Luftverschmutzung zu tun. "Wenn wir Terrorangriffe, Autobomben oder Schüsse aus dem Hinterhalt überleben, bringt uns diese Luftverschmutzung um", ist zu lesen.

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