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"Kinder sind keine Klicks": Landtag will strengere Regeln für Familien-Influencer

Stern 

Wenn Influencer mit Fotos ihrer Kinder Geld verdienen, soll künftig genauer hingeschaut werden. Der Landtag hat nun einen Antrag beschlossen, der mehr Schutz für Kinder in sozialen Medien fordert.

Der niedersächsische Landtag hat sich für strengere Regeln zum Schutz von Kindern in sozialen Medien ausgesprochen. Die Mehrheit der Abgeordneten unterstützte einen Antrag der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen, der insbesondere sogenannte Familien-Influencer in den Blick nimmt. Diese geben zu kommerziellen Zwecken Einblicke in ihr Familienleben – häufig mit Beteiligung ihrer Kinder. Die AfD stimmte gegen den Antrag, die CDU enthielt sich.

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) warnte vor problematischen Entwicklungen beim sogenannten Family-Influencing. Wenn Kinder regelmäßig in kommerziellen Beiträgen auftauchten, müsse der Staat genauer hinschauen. Ziel sei es, rechtliche Lücken beim Schutz von Kindern in sozialen Medien zu schließen und klare Regeln zu schaffen. 

Die Landesregierung werde sich deshalb beim Bund dafür einsetzen, entsprechende Regelungen zu prüfen. "Kinder haben ein Recht auf Schutz, auf Privatsphäre und auf eine unbeschwerte Entwicklung", sagte Behrens.

Wenn Familienalltag zum Geschäftsmodell wird

Es gehe nicht um Jugendliche, die selbstbestimmt soziale Medien nutzten, sondern um Kinder, "deren Bilder, deren Gefühle, deren intimste Momente zum Geschäftsmodell werden", betonte die Grünen-Abgeordnete Swantje Schendel. Dabei würden auch sehr private Situationen veröffentlicht – etwa Kinder im Krankenhaus, beim Weinen oder im Schlaf. "Kinder sind keine Klicks."

Der SPD-Abgeordnete Jörn Domeier verwies auf wirtschaftliche Anreize hinter vielen Beiträgen mit Minderjährigen in sozialen Netzwerken. "12-Jährige mit Schminktipps und mit Liedern im Bikini haben besonders viele Klicks. Hier locken lukrative Werbedeals – und Gefahren für die Kleinen." Kinder- und Jugendschutz dürfe nicht am Handybildschirm enden, sagte Domeier.

Opposition kritisiert Vorstoß

Die AfD kritisierte das Vorhaben scharf. "Sie möchten sich zwischen Eltern und ihren Kindern installieren und Elternentscheidungen genehmigungspflichtig machen", warf die Abgeordnete Vanessa Behrendt den Antragsstellern vor. Die Regierung habe "kein Recht, den Eltern vorzuschreiben, was für ihre Kinder das Beste ist."

Die CDU-Abgeordnete Laura Hopmann mahnte einen sensiblen Umgang mit Bildern von Minderjährigen in sozialen Medien an. Eltern müssten sich selbstkritisch fragen, ob es richtig sei, Fotos ihrer Kinder zu veröffentlichen, die dauerhaft im Internet blieben. Wenn das Aufwachsen im Netz ständig kommentiert werde, könne das auch Auswirkungen auf die Entwicklung haben. Statt einzelne Teilbereiche herauszugreifen, brauche es deshalb eine Gesamtstrategie für den Schutz von Minderjährigen im Netz.

Diese Schritte fordert der Landtag

Der Landtag fordert die Landesregierung auf, sich beim Bund dafür einzusetzen, Influencing ausdrücklich in das Jugendarbeitsschutzgesetz aufzunehmen. Zudem soll nach dem Vorbild Frankreichs geprüft werden, ob Eltern für die Tätigkeit als Familien-Influencer eine behördliche Erlaubnis benötigen und einen Teil der Einnahmen auf einem Konto für das Kind hinterlegen müssen.

Außerdem soll sich die Landesregierung dafür einsetzen, dass Beiträge von kommerziell arbeitenden Familien-Influencern nicht zugelassen werden, wenn sie die Privatsphäre oder Sicherheit von Kindern und Jugendlichen gefährden.

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