World News

"70 Jahre ESC - More than Music": ESC als Zeichen für Freiheit und Toleranz

Stern 

Eine ARD-Doku blickt zurück auf 70 Jahre ESC - mit Stars wie Nicole, Conchita Wurst und Hape Kerkeling.

Der Eurovision Song Contest wird 70 - und die ARD nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine große Rückschau. Die 90-minütige Dokumentation "70 Jahre ESC - More than Music" läuft am Montag, 11. Mai, um 20:15 Uhr im Ersten.

Was 1956 als kleiner Fernsehabend im schweizerischen Lugano begann - sieben Länder, eine geheime Jury, null Glitzer -, hat sich längst zum größten Musikspektakel der Welt entwickelt. Rund 160 Millionen Menschen verfolgen den Wettbewerb heute jedes Jahr. Die Dokumentation zeichnet diese Entwicklung nach: von den frühen Chansons und Balladen über schrille Bühnenshows bis hin zu jenen Momenten, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben.

Nicoles Gänsehaut, Guildo Horns Ironie

Den wohl unvergesslichsten deutschen Moment lieferte Nicole im Jahr 1982. Mit ihrem Song "Ein bisschen Frieden" holte sie als erste Deutsche überhaupt den Sieg beim ESC - und das mit gerade einmal 17 Jahren. Ralph Siegel, der den Song komponierte, erinnert sich in der Doku an den Entstehungsmoment: "Ich habe mich ans Klavier gesetzt, habe geschrieben: 'ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne'. Nicole lernt das Lied in einer Stunde, geht ans Mikrofon, ich steh da und bekomme einen Heulkrampf. Ich sage, damit gewinnen wir die Eurovision."

Ende der 1990er-Jahre sorgte dann Guildo Horn für einen anderen, aber nicht minder einprägsamen deutschen ESC-Moment. Mit "Guildo hat euch lieb!" brachte er 1998 Humor und Selbstironie nach Birmingham - und damit frischen Wind in einen Wettbewerb, der laut Nicole damals "schon etwas eingestaubt" war. Hinter dem Auftritt steckte Entertainer Stefan Raab, der 2010 schließlich Lena Meyer-Landrut mit "Satellite" ins Rennen schickte - und damit nach 28 Jahren wieder einen deutschen Sieg holte.

Conchita Wurst und die Kraft eines Moments

Zu den bewegendsten Kapiteln der Dokumentation zählt ohne Zweifel der Triumph von Tom Neuwirth alias Conchita Wurst im Jahr 2014. Mit "Rise Like a Phoenix" gewann der Österreicher für sein Land - und setzte damit ein weltweites Signal. "Ich dachte mir, Europa ist sicher nicht so weit, eine Drag Queen mit Bart gewinnen zu lassen. Und dann habe ich gewonnen", sagt Neuwirth in der Doku. Olivia Jones ergänzt: "Ich habe mich einfach für sie gefreut. Weil sie so ein tolles Zeichen für Freiheit und Toleranz setzt."

Diesen politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des ESC widmet die Dokumentation besonderes Augenmerk. Ob LGBTQIA+-Community, Mode oder Zeitgeist - der Wettbewerb war nie nur Unterhaltung. Hape Kerkeling bringt es in der Doku auf den Punkt: "Solange es den ESC geben wird, hat die Demokratie in Europa eine Chance."

Prominente Stimmen, persönliche Einblicke

Für die Dokumentation wurden zahlreiche Wegbegleiter des ESC vor die Kamera gebeten. Neben Nicole, Ralph Siegel, Guildo Horn und Tom Neuwirth kommen unter anderem Nana Mouskouri, Johnny Logan, Jean Paul Gaultier, Olli Schulz, Sam Dylan sowie Tynna, Mitglied von Abor & Tynna, zu Wort - Letztere vertraten Deutschland 2025 in Basel mit dem Song "Baller" und belegten den 15. Platz.

Die Regie übernahm Christopher Kaufmann, produziert wurde die Doku von DRIVE beta im Auftrag von SWR, hr, NDR und WDR. "Mr. Lordi", der 2006 mit seiner Hardrock-Band Finnland zum Sieg führte, fasst den besonderen Geist des Events nüchtern zusammen: "Das ist das einzige verdammte Ereignis, das tatsächlich die meisten europäischen Länder zusammenbringt."

"70 Jahre ESC - More than Music" ist auch in der Mediathek verfügbar.

Читайте на сайте