Aufbau Bundeswehrstandort: Bundeswehr baut Sigmaringen zum Zentrum für Heimatschutz aus
Die Bundeswehr plant, Sigmaringen zum Zentrum für Heimatschutz in Baden-Württemberg auszubauen. Was sich vor Ort künftig ändern soll.
Der letzte Soldat knipste im Jahr 2014 das Licht in der Graf-Stauffenberg-Kaserne aus - jetzt zwölf Jahre später kehrt die Bundeswehr wieder nach Sigmaringen zurück. Sigmaringen soll dem Vernehmen nach zu einem Zentrum der Heimatschutz-Einheiten in Baden-Württemberg ausgebaut und Sitz des neuen Heimatschutzbataillons 112 werden, wie zuerst der „Südkurier“ berichtete.Auch nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur entsteht ein Standort vor allem für die Heimatschutzkompanien in der Region; der Aufstellungsappell ist am 1. Oktober geplant.
Demnach werden die Heimatschutzkompanien „Linzgau“ in Pfullendorf und „Schwäbische Alb“ in Stetten am kalten Markt künftig in Sigmaringen üben und Dienst tun, wo es noch immer einen funktionsfähigen Schießstand und einen Truppenübungsplatz gibt. In der Endstufe sollen laut der Zeitung 1.000 Soldaten in Sigmaringen stationiert sein, denn die überlasteten Standorte in Stetten am kalten Markt und Pfullendorf werden Einheiten dorthin abgeben. Der Standortälteste der Stettener Albkaserne sieht hingegen einem Bericht der „Schwäbischen Zeitung“ zufolge keine Verlegung von Kompanien aus Stetten am kalten Markt oder aus Pfullendorf. „Der Standort Sigmaringen wird komplett neu aufgestellt“, sagte Oberst Andreas Heselschwerdt der Zeitung. Oberstes Ziel dort sei die Ausbildung von Rekruten. Laut Heselschwerdt solle die Ausbildung in Sigmaringen im Juli kommenden Jahres mit 300 Rekruten beginnen.
Bisher ist auf dem Areal der früheren Kaserne noch eine Landeserstaufnahmestelle (LEA) mit mehreren Hundert Menschen. Über ihre Zukunft gibt es laut Justizministerium Gespräche zwischen dem Ministerium, der Bundeswehr und dem Regierungspräsidium Tübingen. Das Ministerium gehe der Frage nach, ob eine „Nebenexistenz“ der LEA auf einer Fläche von vier Prozent des Areals möglich sei.
Nach dpa-Informationen will die Bundeswehr in den nächsten Wochen die Infrastruktur in Containerbauweise schaffen für die Unterbringung von Soldaten und für die Verwaltung.
Sigmaringen in besonderem Maße geeignet
Laut Bürgermeister Marcus Ehm haben Erkundungen bestätigt, dass sich die Liegenschaft für eine künftige Nutzung für die Bundeswehr in besonderem Maße eigne. „Seitens der Bundeswehr besteht ein Bedarf, die Liegenschaft möglichst rasch für die Umsetzung des neuen Wehrdienstes zu reaktivieren.“ Vor der Schließung der Kaserne gab es in Sigmaringen zwischen 2.500 und 3.000 Dienstposten.
Das Verteidigungsministerium hatte bereits im Herbst 2025 die Umwandlung ehemaliger Militärstandorte ausgesetzt und das mit einem höheren Bedarf wegen der geplanten Vergrößerung der Bundeswehr begründet. Im Südwesten waren damals 26 Standorte betroffen, inzwischen sind es nur noch 22.
Seit 1. Januar gilt der neue freiwillige Wehrdienst
Das Gesetz für den neuen Wehrdienst auf freiwilliger Basis war am 1. Januar in Kraft getreten. Alle Männer und Frauen, die volljährig werden, erhalten Fragebögen, um Eignung und Motivation für die Bundeswehr zu erheben. Junge Männer müssen den Bogen verpflichtend ausfüllen, für junge Frauen ist dies freiwillig.
Deutschland reagiert damit auf die Bedrohung durch Russland und die in der Folge geänderten Nato-Ziele. So soll die aktive Truppe auf 260.000 Männer und Frauen wachsen. Ende des ersten Quartals waren es rund 185.000. Zudem soll es 200.000 Männer und Frauen in der Reserve geben. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden.