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60. Geburtstag: Halle Berry: „Je älter Frauen werden, desto beeindruckender sind wir“

Stern 

Halle Berry spricht immer wieder über Themen wie Menopause, Sexualität oder Altersdiskriminierung. Sie geht erfreulich offen mit einem ganz normalen Prozess um.

Am 14. August 2026 feiert Halle Berry ihren 60. Geburtstag. Die Schauspielerin redet das Älterwerden nicht schön. Sie sieht, wie sich Gesicht und Körper verändern, kennt Hitzewallungen, Gedächtnisprobleme, vaginale Trockenheit und die Spuren zweier Schwangerschaften. Doch keine dieser Erfahrungen ist für sie ein Beweis dafür, dass ihr Wert schwindet.

Bereits 2022 sagte sie im Interview mit dem US-Magazin „AARP“, dass sich ihre Haut, ihr Gesicht und ihr Körper sichtbar veränderten. Schönheit sei jedoch schon immer mehr gewesen als der Körper, in dem ein Mensch durch das Leben gehe. Sie weigere sich deshalb, krampfhaft an einem jugendlichen Gesicht festzuhalten. Entscheidend sei vielmehr, wie man lebe, mit anderen Menschen umgehe und Körper, Geist und Seele stärke. „Uns Frauen wird gesagt, dass wir ab einem bestimmten Alter keinen Wert mehr haben. Ich glaube das Gegenteil“, betonte Berry. „Die Gesellschaft sollte uns mit zunehmendem Alter als Juwelen betrachten. Denn je älter Frauen werden, desto beeindruckender sind wir.“

Halle Berry versteckt die Spuren ihrer Schwangerschaften nicht

Auch ihren trainierten Körper beschreibt Berry keineswegs als gleichbleibend. Die Schauspielerin bekam ihre Tochter Nahla mit 41 Jahren, ihr Sohn Maceo kam zur Welt, als sie 47 war. Die beiden Schwangerschaften haben Spuren hinterlassen, über die sie offen spricht. In einem Interview mit „Women's Health“ erklärte sie 2021, die Haut an ihrem Bauch sei nach zwei Kindern lockerer geworden. Sie versuche, diesen Bereich durch gezielten Muskelaufbau zu stärken.

Der Fokus liegt für Berry dabei nicht allein auf dem Aussehen. Für das MMA-Drama „Bruised“, bei dem sie auch Regie führte, trainierte sie unter anderem Kampfsport, absolvierte intensive Kraftübungen und brachte ihren Körper bis an seine Grenzen. Die Erfahrung habe sie daran erinnert, dass Alter lediglich eine Zahl sei. Sie halte sich zudem fit, weil sie lange für ihre spät geborenen Kinder da sein und später auch ihre Enkelkinder erleben wolle.

Plötzlich schien ihr Körper außer Kontrolle

Dass Berry heute so selbstbewusst über körperliche Veränderungen spricht, bedeutet nicht, dass sie diese immer gelassen aufgenommen hat. Die ersten Jahre ihrer Perimenopause erlebte sie vielmehr als beängstigende Zeit. Im Gespräch mit „Glamour“ berichtete sie 2024 von Gedächtnislücken, Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Zeitweise habe sie sogar gefürchtet, an einer früh einsetzenden Demenz zu leiden.

Berry verlegte ständig Gegenstände und wusste mitunter nicht mehr, warum sie einen Raum betreten hatte. An Filmsets musste sie zugleich versuchen, ihre Hitzewallungen vor den anderen zu verbergen oder spontan in eine Szene einzubauen. Besonders belastend war für sie, dass sie die Beschwerden lange nicht mit der hormonellen Umstellung in Verbindung brachte. Rund zehn Jahre habe sie nicht gewusst, dass sie sich bereits in der Perimenopause befand.

Noch drastischer waren die Veränderungen ihres Intimbereichs. Als Sex plötzlich starke Schmerzen verursachte, suchte Berry ärztliche Hilfe. Ihr Arzt vermutete zunächst eine schwere Herpesinfektion. Erst später erkannte sie, dass vaginale Trockenheit zu den möglichen Begleiterscheinungen der Perimenopause und Menopause gehören. Die Fehldiagnose sei für sie ein entscheidender Moment gewesen: Sie habe erkannt, wie wenig viele Frauen und selbst manche Mediziner über diese Lebensphase wüssten.

Jahre später sind die Beschwerden nicht vollständig verschwunden. Anfang 2026 erzählte Berry der britischen „Times“, dass sie trotz einer Hormontherapie noch immer nächtliche Hitzewallungen und starken „Brain Fog“, also Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, erlebe. Auch Trockenheit bleibe ein Thema. Die Menopause sei eine neue Lebensphase, die Aufmerksamkeit und eine angemessene Behandlung erfordere.

Halle Berry hat die Plattform Respin im Jahr 2020 ursprünglich als allgemeine Wellness-Seite ins Leben gerufen. Im Frühjahr 2025 folgte ein großer Relaunch als Respin Health, um sich gezielt auf Menopause, Frauenheilkunde und Langlebigkeit zu konzentrieren. Berry ist in dem Themenfeld auch wirtschaftlich engagiert: Ende Juni 2026 brachte sie gemeinsam mit dem Unternehmen Joylux ein Präparat gegen vaginale Trockenheit auf den Markt.

Sexualität endet nicht mit der Menopause

Anlässlich der Produkteinführung erklärte Halle Berry im Juni 2026 gegenüber „NewBeauty“, Frauen dürften ab einem bestimmten Alter nicht einfach aus ihrem eigenen Leben verschwinden. Ein glückliches und aktives Sexualleben sei ein wichtiger Teil des körperlichen Wohlbefindens und des Selbstvertrauens. Männer hätten diesen Zusammenhang schon lange erkannt – Frauen verdienten dieselbe Aufmerksamkeit für ihre sexuelle Gesundheit.

Gegenüber der „Times“ wies sie die Vorstellung zurück, dass Frauen jenseits der 50 auf Intimität verzichten müssten. Frauen ihres Alters hätten weiterhin ein Recht auf Sex und Nähe, so die Schauspielerin, die mit Musiker Van Hunt verlobt ist. Die Gesellschaft müsse aufhören, ältere Frauen so zu behandeln, als seien ihre Bedürfnisse und ihre Weiblichkeit mit der Menopause verschwunden.

Schönheit war für sie ein „hohler Sieg“

Diese Offenheit kann als Reaktion auf Berrys jahrzehntelange Erfahrung gesehen werden, vor allem wegen ihres Aussehens wahrgenommen zu werden. Im September 2024 erklärte sie „Marie Claire“, sie habe immer gewusst, dass sie mehr sei als ihr Gesicht und ihr Körper. Wenn die äußere Schönheit eines Tages nachlasse, würden die Menschen möglicherweise erstmals stärker auf jene Seiten an ihr achten, die sie selbst wesentlich interessanter finde.

Komplimente für ihr Aussehen hätten sich häufig wie ein „hohler Sieg“ angefühlt. Schließlich habe sie nichts dafür getan, mit einem bestimmten Gesicht geboren worden zu sein. Stolz sei sie dagegen auf ihre Arbeit, ihre Auszeichnungen, ihr soziales Engagement sowie darauf, welche Mutter und Partnerin sie geworden sei. Das seien Leistungen, für die sie selbst Verantwortung trage.

Gleichzeitig kritisierte Berry den unterschiedlichen Umgang mit alternden Männern und Frauen. Frauen würden wesentlich stärker über eine Zahl definiert. Das könne dazu führen, dass sie sich selbst Grenzen setzten und glaubten, bestimmte Dinge nicht mehr tun zu dürfen. Berry will dagegen selbst bestimmen, welche Rollen sie übernimmt und was sie sich körperlich und beruflich weiterhin zutraut.

Mit 60 fühlt sie sich wie ihre beste Version

Schon mit 56 erklärte Berry in einem persönlichen Beitrag für „Women's Health“, dass sie sich mitten in der Menopause als ihre bislang beste Version empfinde. Sie stelle sich bewusst gegen Botschaften wie: Das Leben sei vorbei, Frauen seien entbehrlich, sollten sich zurückziehen oder in Rente gehen. Stattdessen sei sie nun endgültig in ihrer Weiblichkeit angekommen und habe verstanden, dass ihre Stimme einen Wert besitze – unabhängig davon, ob andere ihre Meinung teilten.

Kurz vor ihrem runden Geburtstag hat sich dieses Gefühl offenbar noch verstärkt. Im „NewBeauty"-Interview sagte Berry, als junge Frau habe sie 60 für wirklich alt gehalten. Nun sei sie selbst überrascht, wie vital sie sich in diesem Alter fühle. Sie habe endlich das Gefühl, ganz bei der Person angekommen zu sein, die sie tatsächlich sei. Das Älterwerden betrachtet sie deshalb als Privileg.

Lediglich ihr Verhältnis zur Zeit habe sich verändert. Die einzelnen Tage seien kostbarer geworden. Berry überlege heute genauer, mit wem sie ihre Zeit verbringe, welche Aufgaben sie übernehme, wohin sie gehe und wie sie ihren Körper behandle. Für sie ist der 60. Geburtstag damit kein Schlusspunkt, sondern die bewusste Ankunft in einer neuen Lebensphase.

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