Gordon Lesser aus Wiesloch: Das ist der Kommentator bei "eSports1"
Wiesloch. (hds) Gordon Lesser hat ein großes Ziel vor Augen. "Irgendwann möchte ich das Champions-League-Finale im Stadion Camp Nou in Barcelona kommentieren." Der junge Mann, der in Wiesloch seinen Wohnsitz hat, aber ständig auf Achse ist, hat den ersten Schritt dazu bereits vollzogen: Er hat sich die Kultstätte in der katalanischen Metropole bei einer Führung bereits mal angeschaut - und war begeistert. Vielleicht hat er sogar den einen oder anderen Blick auf die Kommentatoren-Plätze riskiert.
Denn so abwegig scheint das Wunschdenken des 20-Jährigen, der in Sinsheim aufgewachsen und dort auch zur Schule gegangen ist, nun nicht mehr zu sein. Vor einigen Monaten hatte er sich beim eSports-Casting für Moderatoren und Kommentatoren des TV-Senders Sport1 beworben, wurde angenommen und hat bereits die ersten Auftritte vor der Kamera auf dem neuen Kanal "eSports1" erfolgreich bestritten, und zwar bei der Übertragung des "FUT Champions Cup", einem Turnier, das Bestandteil der "FIFA 19-Weltmeisterschaft" ist - einem Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer mit fiktiven Spielern elektronisch dem Ball hinterher jagen.
Nächster Halt: eSports1/Sport1???? Ich freue mich unheimlich auf meine neue Aufgabe als Esports- Kommentator! ???? Los gehts am kommenden Wochenende mit dem 6. FUT Champions CUP in London - LIVE unter anderem mit Cybe am Mikrofon. ???? @SPORT1eSports pic.twitter.com/NbjJOCgmm7
— Cybe???? (@CyberlynxHD) 3. April 2019
"Mehr als 100 Kandidaten hatten sich beim eSports-Casting von Sport1 beworben, zehn wurden genommen und ich war dabei", freut sich Lesser. Bei seinem ersten Auftritt im April habe er zwar Lampenfieber verspürt, aber nicht vor der eigentlichen Aufgabe, vielmehr habe ihn das eSports-Studio von Sport1 in München "unheimlich beeindruckt". Sein Part am Mikrofon wurde vom Team als "super abgezockt" sehr positiv bewertet.
Seine Begeisterung und das Interesse, so manchen Kick schon früh mit den entsprechenden Bemerkungen, Anfeuerungen und auch Kritik zu begleiten, scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. "Als kleiner Junge habe ich auf dem Bolzplatz mein eigenes Ballgeschiebe und die Dribblings kommentiert, das jedoch, aus heutiger Sicht betrachtet, mit einem Hauch von Unprofessionalität", bekennt er selbstkritisch, aber auch mit einem kleinen Schmunzeln.
Es ist aber nicht nur die Auffrischung von Kindheitserinnerungen, die Gordon Lesser auf den Kommentatoren-Weg brachten. Nach dem Abitur hat er in Ansbach begonnen, Nägel mit Köpfen zu machen: Er studiert an der dortigen Universität "Ressortjournalismus" mit der klaren Ausrichtung auf Sport. Im Schnitt hat er etwa einen Auftritt pro Monat bei eSports1.
Das alles kommt nicht von ungefähr. Bereits als Jugendlicher hat er über YouTube von sich reden gemacht. "Aus diesem Kreis kam auch die Anregung, ich sollte mich doch für die Kommentatorenstelle bewerben und dieser Tipp hat sich ausgezahlt." In den zurückliegenden Jahren war Lesser viel auf Achse, denn er hat deutschlandweit zu seiner YouTube-Community nicht nur digital, sondern auch real Kontakt aufgenommen.
"Ich habe viele besucht und wir haben uns ausgetauscht." Ansonsten stehen spontane Städtereisen bei ihm hoch im Kurs, siehe Barcelona. Ob er sich dabei ausschließlich auf einen Abstecher in die jeweiligen Stadien konzentriert, wollte er nicht verraten ...
Nun ist der "Mann mit den vielen Nebenjobs" nicht nur am Mikrofon aktiv, auch bei der TSG Hoffenheim unterstützt er mit Videoanalysen einige Trainerteams. So war er unlängst mit der A-Jugend der Hoffenheimer in Lyon dabei, als die Kraichgau-Kicker es immerhin bis ins Halbfinale der UEFA Youth League schafften.
"Ich habe festgestellt, dass bereits bei vielen Bundesliga-Vereinen der Bereich eSports einen immer höheren Stellenwert bekommt, die Entwicklung geht rasend schnell voran." Und Gordon Lesser will nicht nur sprichwörtlich am Ball bleiben.
Früher hat er selbst im sportlichen Bereich "so einiges probiert". Fußball und Handball gehören dazu, er sei jedoch im Jugendbereich letztendlich "stecken geblieben". Neben dem Sport ist ihm die Musik wichtig, hat er doch selbst mal Schlagzeug gespielt. Diese musikalische Ader hat sein älterer Bruder ausgebaut, er studiert an der Mannheimer Pop-Akademie.
"Für mich sind Sport und Musik ein fester Bestandteil in meinem Leben", so Lesser, dessen Reise, man mag es ihm wünschen, irgendwann mal im Stadion Camp Nou in Barcelona enden mag - als Kommentator.