ARD-"Tatort"-Star Rick Okon: "Alter spielt in der Liebe keine Rolle"
Rick Okon wurde als "Tatort"-Kommissar einem breiten Publikum bekannt. Jetzt setzt der Schauspieler auf Herz. In seinem neuen ZDF-Film liebt er eine ältere Frau. Zwei Jahre ist es her, dass Rick Okon sich vom "Tatort" verabschiedet hat. Jetzt feiert er im ZDF sein Film-Comeback. Dabei schlüpft er in eine ganz andere Rolle als die des Ermittlers. t-online erreicht einen gut gelaunten Okon am Telefon in der Schweiz vor traumhafter Kulisse, wo er gerade für die ARD-Serie "The Death of Sherlock Holmes" vor der Kamera steht. Im Interview spricht der 37-Jährige über die Liebe, das Bahnfahren und seine "Tatort"-Vergangenheit. t-online: Herr Okon, in Ihrem neuen Film "Zwei am Zug" verlieben Sie sich in eine ältere Frau. Hat Sie das gereizt? Rick Okon: Ich fand den Altersunterschied der beiden Hauptfiguren spannend. Wieso? Alter spielt in der Liebe keine Rolle. Es kommt vielmehr auf die Lebensumstände an. I m Film sind es eine verheiratete Mutter sowie Ihre Figur, die Single ist. Das Interessante daran ist, dass die zwei beginnen, sich aus einer Zufallsbegegnung heraus selbst zu hinterfragen, und dadurch die Möglichkeit sehen, etwas zu ändern und für sich selbst einzustehen. Die Zufallsbegegnung, die Sie erwähnten, passiert in einem Zug. Fahren Sie gern mit dem Zug? Ich bin leidenschaftlicher Bahnfahrer und Bahncard-Besitzer seit vielen Jahren. Ich habe kein Auto, fahre nur Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn ich Urlaub mache oder aus beruflichen Gründen reisen muss, fliege ich auch schon mal. Dann haben Sie sicherlich schon die eine oder andere Verspätung mitbekommen. Meine Erfahrungen mit der Bahn sind natürlich auch gemischt. Ich habe schon viele Verspätungen erlebt, aber dadurch auch schon lustige Begegnungen gehabt. Ich bin da entspannt, was Verspätungen angeht. Irgendwann kommt man schon an. Ich nehme so etwas nicht persönlich oder bin schlecht gelaunt (lacht). Verzichten Sie aus ökologischen Gründen auf ein Auto? Nein, ich habe einfach keine Notwendigkeit gesehen. In Berlin brauche ich einfach kein Auto. Neben dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es auch die Möglichkeit, Carsharing zu nutzen. Warum soll ich die Stadt noch unnötig voll machen? Sie wird ja so oder so immer voller, da brauche ich nicht auch noch beizutragen. Wenn ich auf dem Land leben würde, wäre das wahrscheinlich was ganz anderes. Sie haben sechs Jahre lang die Rolle von Jan Pawlak gespielt, bis Sie vor zwei Jahren ausgestiegen sind. Vermissen Sie den "Tatort"? Das war damals eine bewusste Entscheidung, die ich auch zwei Jahre danach noch vertreten kann. Ich hatte eine wunderschöne Zeit beim "Tatort" Dortmund , die aber zeitlich für mich begrenzt war. Ich habe dort tolle Leute kennengelernt, von denen einige nach wie vor in meinem Leben sind. Sie meinen zum Beispiel ihre ehemalige Dortmund-"Tatort"-Kollegin Stefanie Reinsperger ? Ja, Steffi ist eine gute Freundin von mir. Sie hat nun, rund zwei Jahre nach Ihnen, den "Tatort" ebenfalls verlassen. Glauben Sie, dass ambitionierten und talentierten Schauspielern in so einem engen Rahmen wie dem "Tatort" vielleicht der Raum zur Entfaltung fehlt? Das kann ich nicht sagen. Ich glaube, das ist bei jedem individuell. Es kann viele Gründe haben. Vielleicht möchte man einfach was anderes ausprobieren oder die Lebensumstände ändern sich. Bei mir war es einfach der Fall, dass es für mich an der Zeit war. Ein Comeback ist also ausgeschlossen? Ich habe mit meiner Figur Jan Pawlak abgeschlossen. Das ist alles fein. War es schwer, den Lebensstandard, der durch den "Tatort" ermöglicht wird, auch ohne so ein Engagement zu halten? Dadurch, dass ich sowieso in der Freiberuflichkeit bin, lebe ich völlig unstetig. Ein Jahr kann sehr arbeitsreich sein und das andere Jahr überhaupt nicht. Es ist ein Auf und Ab, weil man nie weiß, was im nächsten Monat passiert. Daher hatte ich nicht das Gefühl, dass ich nach dem "Tatort" meine Bedürfnisse runterschrauben musste. Aber beim "Tatort" bekommt man doch einen langfristigeren Vertrag, durch den man abgesicherter ist? Man kann sicherlich besser planen, aber das unstetige Gefühl meines Berufs bleibt. Ich möchte mich aber auch nicht beschweren, bisher lief es immer gut. Haben Sie finanziell vorgesorgt? Na, jetzt wollen Sie es aber wissen. Ich bin schon jemand, der versucht, hauszuhalten mit dem, was er hat. Ich passe mich aber auch der aktuellen Situation an. Wenn ich etwas weniger habe, dann spare ich mehr. Und wenn ich einen Puffer habe, dann gönne ich mir auch schon mal was. Sie haben in den vergangenen Jahren sehr viele Serien gedreht. Jetzt war es wieder ein Film. Wie unterscheidet sich beides voneinander? Vorrangig unterscheidet sich die Arbeit für mich im Zeitaufwand. Mit einem Fernsehfilm ist man innerhalb von sechs Wochen fertig. Eine Serie kann mehrere Monate dauern. Ich fand es jetzt total angenehm, mal wieder einen Film zu machen. Es war für mich sehr lukrativ, da wir in Hamburg gedreht haben, weil dort auch ein Teil meiner Familie wohnt, den ich dann sehen konnte. Wir waren auch an der Ostsee , wo ich es superherrlich fand. Was schauen Sie privat lieber? Ich bin leidenschaftlicher Kinogänger. Ich habe eine Jahreskarte fürs Kino. Aber ich habe auch alle möglichen Streamingdienste, die man sich vorstellen kann. Ich bin da gefangen in der Blase. Ich gucke aber sehr viel mehr Filme als Serien. Bahnkarte, Kinojahreskarte: Mögen Sie Routinen? Ja, wer nicht (lacht)? Ich habe gern eine gewisse Struktur im Leben. Die lässt sich nur gar nicht so leicht in meinem Beruf aufrechterhalten. Auf der einen Seite bin ich dankbar dafür, dass ich doch recht viel arbeiten darf. Auf der anderen Seite ist es für mich natürlich auch schwierig, weil ich meine Routinen gar nicht so ausleben kann. Ich bin wahnsinnig viel unterwegs und lebe an verschiedenen Orten. Im Moment laufe ich zum Beispiel gerade mit Ihnen im Ohr durch die Schweiz, weil ich hier für Dreharbeiten bin und schaue mir die wunderschöne Landschaft an. Ich freue mich aber auch sehr, wenn ich mal zwei Wochen am Stück zu Hause bin und alles so machen kann, wie ich es gernhabe. Was machen Sie dann am liebsten? Morgens früh aufstehen, zum Sport gehen, mir mein Essen zu Hause kochen. Es sind die kleinen Sachen, die mich sehr glücklich machen. "Zwei am Zug" läuft am 17.5.2026 ab 20.15 Uhr im ZDF und ist seit dem 9.5.2026 in der ZDF-Mediathek abrufbar.