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Wirtschaft in Deutschland: Wirtschaftsweise halbieren Konjunkturprognose

Die Wirtschaftsweisen erwarten für Deutschland 2026 nur noch ein schwaches Wachstum. Zugleich warnt der Rat vor steigenden Sozialbeiträgen und hohen Kosten im Gesundheitssystem. Die Wirtschaftsweisen haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland nahezu halbiert. Das geht aus dem 261 Seiten langen Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hervor. Demnach erwartet der Rat für 2026 nur noch ein preisbereinigtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent. Im Herbst hatte der Rat noch mit 0,9 Prozent gerechnet. Für 2027 prognostizieren die Ökonomen ein Plus von 0,8 Prozent. Grund für die schwächere Einschätzung sind laut dem Sachverständigenrat Wirtschaft vor allem die Folgen des Iran-Kriegs. Die dadurch stark gestiegenen Energiepreise belasteten Unternehmen und Verbraucher. Hinzu kommt die protektionistische US-Handelspolitik, die den weltweiten Warenhandel bremst und Deutschland hart trifft. Die deutschen Warenexporte in die USA gingen 2025 demnach um fast neun Prozent zurück. Reformen für die Wirtschaft: Wirtschaftsweise fordern Kürzung bei Rentenerhöhung Frühjahrsgutachten: Wirtschaftsweise stellen zentrale Pflegeleistung infrage Frühjahrsgutachten: Wirtschaftsweise bringen Pflicht für Beamte ins Spiel Die deutsche Wirtschaft steckt dem Gutachten zufolge seit nunmehr sieben Jahren in einer Schwächephase. 2025 hatte die Wirtschaftsleistung nach zwei Rezessionsjahren nur um 0,2 Prozent zugelegt. Die Warenexporte sanken das dritte Jahr in Folge, private Investitionen gingen zurück, und die Produktion im verarbeitenden Gewerbe stagnierte. "Das globale Wachstum ist relativ robust", so der Ökonom Gabriel Felbermayr, der erst seit Kurzem Teil der fünf Wirtschaftsweisen ist. "Der globale Güterhandel wird immer noch wachsen. Aber die deutsche Exportwirtschaft wächst nicht in diesem Tempo mit." Im laufenden Jahr dürfte die Erholung vor allem durch höhere staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung gestützt werden: "Wenn es 2026 und 2027 Wachstum gibt, dann kommt es aus dem staatlichen Konsum." "Kein Grund für Panikkäufe" : Bankenchefin sieht Versorgungssicherheit gefährdet Inflation zieht wieder an Die schwächere Konjunktur geht aus Sicht des Rates nicht mit Entlastung bei den Preisen einher. Die Wirtschaftsweisen erwarten für 2026 eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Im Herbst waren sie noch von 2,1 Prozent ausgegangen. Für 2027 rechnen sie mit 2,8 Prozent. Die gestiegenen Kosten für Öl, Gas und Vorleistungen dürften nach Einschätzung des Rates zunehmend an Verbraucher weitergegeben werden. Auch der Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Die Arbeitslosenquote dürfte 2026 bei 6,4 Prozent liegen und 2027 leicht auf 6,2 Prozent sinken. Die Löhne wachsen laut Prognose zwar weiter, allerdings schwächer als zuletzt. Das Frühjahrsgutachten ist die erste Einschätzung des Rates in seiner neuen Besetzung. Ulrike Malmendier ist Ende Februar 2026 ausgeschieden. Neu berufen wurde Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er soll dem Sachverständigenrat bis Ende Februar 2031 angehören. Sozialbeiträge belasten Wachstum Neben der Konjunktur widmet sich der Bericht ausführlich den Sozialversicherungen. Der Rat warnt vor einem starken Anstieg der Beiträge in den kommenden Jahren. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz liegt 2026 bei 42,3 Prozent. Aufgrund des demografischen Wandels dürfte er bis 2030 auf 45,4 Prozent und bis 2040 auf 49,7 Prozent steigen. Damit würde ab 2040 fast die Hälfte des beitragspflichtigen Einkommens in die Sozialversicherung fließen. Höhere Beitragssätze verringern nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen die Nettoeinkommen der privaten Haushalte und schwächen damit Konsum und Erwerbsanreize. Für Unternehmen steigen zugleich die Arbeitskosten, was Beschäftigung und Investitionen belastet. Der Rat erwartet, dass steigende Sozialversicherungsbeiträge das Bruttoinlandsprodukt bis 2035 um 0,5 bis 0,9 Prozent drücken könnten. Die schwarz-rote Bundesregierung schickt sich derzeit an, umfassende Reformen auf den Weg zu bringen, um die Beitragssätze zu stabilisieren. Für Ende Juni ist dazu ein Koalitionsgipfel geplant, bei dem es neben der Kranken- und Pflegeversicherung auch um die Rentenversicherung gehen soll. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer , sagte dazu am Mittwoch: "Der Handlungsdruck ist massiv." Der absehbare Anstieg sei viel zu hoch. "Wir wissen, was das für negative Konsequenzen hat: Weniger Netto vom Brutto, weniger Arbeitsanreize für die Arbeitnehmer, zugleich höhere Lohnnebenkosten für die Unternehmen, das ist schlecht für die Wirtschaft." Um den Anstieg zu begrenzen, empfehlen die Wirtschaftsweisen Reformen auf der Ausgaben- und Einnahmenseite. Dazu zählen eine längere Lebensarbeitszeit, eine höhere Erwerbsbeteiligung und stärkere Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit. Einsparpotenzial bei der Krankenversicherung Besonders deutlich zeigt sich der Reformdruck in der gesetzlichen Krankenversicherung. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind dort versichert. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland zählen mit 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den höchsten in Europa. Trotzdem liegt Deutschland bei wichtigen Gesundheitsindikatoren nur etwa im Durchschnitt der OECD-Staaten, kritisieren die Wirtschaftsweisen. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung sind zwischen 2005 und 2025 preisbereinigt um rund 64 Prozent gestiegen. Die beitragspflichtigen Einnahmen legten im selben Zeitraum jedoch nur um knapp 31 Prozent zu. Der durchschnittliche Beitragssatz stieg dadurch von 14,2 auf 17,1 Prozent. Für 2026 erwarten die Wirtschaftsweisen 17,5 Prozent, bis 2040 unter geltendem Recht 19,8 Prozent. Der Rat sieht Einsparpotenzial bei Krankenhäusern und Arzneimitteln. Die Krankenhausversorgung solle stärker auf Spezialisierung ausgerichtet und weniger abhängig von Fallzahlen werden. Bei innovativen Arzneimitteln solle sich der Preis konsequenter am therapeutischen Zusatznutzen orientieren. Auch in der Pflegeversicherung wächst der Druck nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen deutlich. Weil mit der Alterung der Gesellschaft künftig mehr Menschen auf Hilfe angewiesen sind und zugleich weniger Erwerbstätige Beiträge zahlen, sieht der Rat ein strukturelles Finanzierungsproblem. Er schlägt unter anderem vor, den Zugang zu Leistungen restriktiver auszugestalten, wenig zielgenaue Leistungen zu reduzieren und eine zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge für einzelne Jahrgänge einzuführen. Schnitzer: "Das würde vermeiden, dass die jüngeren Generationen immer stärker belastet werden." Die Erwartungen an die Regierung, die sich für die kommenden Wochen große Reformen vornimmt, sind bei den Wirtschaftsweisen sowie in den Wirtschaftsverbänden hoch. Auf die Frage, wie zuversichtlich sie sei, dass sich seitens der Politik jetzt tatsächlich etwas tut, sagte Gremiumsvorsitzende Schnitzer: "Bei der Rentenversicherung haben wir uns die Zähne ausgebissen, da habe ich keine Zuversicht. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung und bei der Pflegeversicherung ist die Zuversicht schon da. Die Defizite sind jetzt schon da, da muss sich etwas tun." In einer ersten Reaktion äußerte sich auch der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger, zu dem Gutachten. Im Gespräch mit t-online sagte er: "Als Friedrich Merz im letzten Sommer sagte, dass der aktuelle Sozialstaat mit dem, 'was wir volkswirtschaftlich leisten', nicht mehr finanzierbar sei, löste er damit eine Koalitionskrise aus. Bei der Lektüre des Frühjahrsgutachtens der Wirtschaftsweisen zeigt sich erneut, dass er recht hatte. Diese Regierung wird nur erfolgreich sein, wenn endlich alle Koalitionspartner diesen Befund akzeptieren."

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