Neu im Kino: „Chéri, ich komme!“: Die Erfindung weiblicher Lust
Ein Niederbayer erfand eines der bekanntesten Sexspielzeuge der Welt. In „Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust“ wird daraus eine charmante Komödie über ein bis heute tabuisiertes Thema.
Metten in Niederbayern, Anfang der 2010er Jahre. Ein pensionierter Ingenieur tüftelt im Keller seines Hauses mit einer Aquarienpumpe. Seine Frau testet geduldig die Prototypen. Aus der Bastelarbeit entsteht wenige Jahre später eines der erfolgreichsten Sexspielzeuge der Welt - und nun die Vorlage für eine französische Kinokomödie.
In „Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust“ hat sich die französische Regisseurin Reem Kherici („Hochzeit ohne Plan“) von der Entstehungsgeschichte des Womanizers inspirieren lassen. Die Erfinder Michael und Brigitte Lenke werden aber nicht eins zu eins in die Verfilmung übertragen. Mit den fiktiven Figuren Fanny und Tom erzählt Kherici eine leichte Beziehungskomödie über ein lang tabuisiertes Thema: weibliche Lust.
Vom Keller auf die große Leinwand
Die Idee zum Womanizer entstand, als Michael Lenke nach seiner Pensionierung Anfang der 2010er Jahre im Radio hörte, dass 30 Prozent der Frauen noch nie einen Orgasmus erlebt hätten. Er begann, sich mit Studien zur weiblichen Sexualität zu beschäftigen.
Den ersten Prototyp baute er im Keller seines Hauses in Metten. Entscheidend für den Erfolg war seine Frau Brigitte, die die Geräte testete. „Ein Mann allein hätte das nicht erfinden können“, sagte Lenke später.
Statt Ehekrise gemeinsame Mission
In „Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust“ überträgt Kherici die Geschichte ins Fiktive: Fanny (Alexandra Lamy) und Tom (François Cluzet) sind seit zwanzig Jahren verheiratet. Ihr scheinbar harmonisches Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als Fanny ihrem Mann gesteht, in all den Jahren nie einen Orgasmus erlebt zu haben.
Für den technisch versierten Tom ist die Erkenntnis zunächst ein Schock - doch statt in eine Ehekrise zu münden, wird sie zur gemeinsamen Mission. Während Fanny ihre eigenen Wünsche entdeckt, entwickelt Tom mit wachsendem Ehrgeiz ein Gerät, das das weibliche Lustempfinden verbessern soll. Ihre Suche führt das Paar in eine Reihe ebenso absurder wie komischer Situationen.
Wissenschaft, Humor und die Anatomie der Lust
Kherici erzählt mit viel Humor von den Versuchen und Irrtümern der Erfinder, besonders gelungen sind die Szenen, in denen Tom die weibliche Anatomie wissenschaftlich zu verstehen versucht - und bei einem Frauenarztbesuch feststellen muss, wie wenig selbstverständlich der weibliche Körper selbst in medizinischen Darstellungen vorkommt.
Die Regisseurin und Schauspielerin Kherici, die im Film die Sexualtherapeutin spielt, erzählt ihre Geschichte mit bemerkenswerter Leichtigkeit und viel Sensibilität. Aus dem Stoff hätte leicht eine schrille Sexkomödie werden können - doch die 43-Jährige entscheidet sich für einen warmherzigen und respektvollen Blick auf Sexualität und Partnerschaft.
Mehr als ein Spielzeug
Kherici macht Lust nicht zum billigen Gag und reduziert ihre Figuren nicht auf körperliche Bedürfnisse. Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht: Einige Nebenfiguren wirken überzeichnet, manche Pointen sind vorhersehbar.
Den Kern des Films berührt das jedoch kaum. Im Mittelpunkt der Komödie steht nicht ein Sexspielzeug als vielmehr die Frage, was passiert, wenn ein Mensch den Mut findet, ein lange verschwiegenes Bedürfnis anzusprechen - und der andere darauf nicht mit Ablehnung, sondern mit Offenheit reagiert.
Eine Komödie über Sex - und über Vertrauen
Auch die intimen Szenen inszeniert die Regisseurin zurückhaltend. Die Kamera macht den weiblichen Körper nicht zum Schauobjekt, sondern konzentriert sich auf die Emotionen der Figuren. Sexualität erscheint nicht als spektakuläres Ereignis, sondern als Teil einer persönlichen Entwicklung. Die Komik entsteht vor allem aus Missverständnissen, Verlegenheit und den unbeholfenen Versuchen eines Paares, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Getragen wird der Film von seinen Hauptdarstellern. Alexandra Lamy („Die Camino-Therapie - Finde deinen Weg“) spielt Fanny mit natürlicher Leichtigkeit und vermittelt glaubwürdig die Entwicklung ihrer Figur von Frustration und Selbstzweifeln hin zu neuem Selbstbewusstsein. François Cluzet („Ziemlich beste Freunde“) überzeugt als zunächst verletzter Ehemann, der lernen muss, seinen Stolz zu überwinden und zuzuhören.
„Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust“ (Originaltitel „Pour le plaisir“) ist eine charmante Komödie über Sex - und vor allem über Liebe und Vertrauen. Der Film unterhält, regt aber zugleich dazu an, über Intimität, Wünsche und Kommunikation in Beziehungen nachzudenken.