World News in German

Haus mit Geschichte: 113 Jahre Aquarium Berlin - Haie, Quallen und kuriose Fakten

Stern 

Das historische Haus blickt auf 113 Jahre Tierhaltung, Zerstörung, Wiederaufbau und Wandel zurück. Was es mit dem Komodowaran Moritz auf sich hatte und warum es einen Fliegenraum gibt.

Auf der Fassade prangen Dinosaurier, drinnen tummeln sich Fische, Krokodile und giftige Frösche. Das unter Denkmalschutz stehende Aquarium des Berliner Zoos feiert dieses Jahr 113-jähriges Bestehen. Die letzten drei Jahre wurde das Haus an der Budapester Straße in Berlin-Mitte modernisiert und blieb geschlossen. Am kommenden Dienstag öffnet es pünktlich zum Geburtstag am 18. August wieder seine Türen. Zeit für einen Rundgang durch die Geschichte des Hauses in Zahlen, Fakten und kuriosen Details.

Erste Indoor-Tieranlage der Welt

Das Aquarium war Nachfolger eines vom Zoologen Alfred Brehm erbauten Aquariums an der Ecke zwischen der Schadowstraße und Unter den Linden. Es wurde zwischen 1911 und 1913 gebaut, wie der ehemalige Direktor des Berliner Aquariums, Jürgen Lange, in einem Aquariumsführer erklärt, dessen neueste Ausgabe 2006 erschien. Am 18. August 1913 wurde Eröffnung gefeiert. Mittelpunkt war die Krokodilhalle mit einer Größe von 170 Quadratmetern, die sich über alle Stockwerke erstreckte. Den Angaben nach war es die erste für Besucher begehbare Freieinlage eines Zoos, die sich innerhalb eines Gebäudes befindet. Die Krokodilhalle gibt es noch heute.

Von 1927 bis 1943 lebte im Aquarium ein Komodowaran mit dem Namen Moritz, wie der Zoo in einem Faktenblatt informiert. Das Tier sei sehr friedlich gewesen. Seinem Tierpfleger sei es wie ein Hund über alle Etagen des Hauses gefolgt. 

Warum Dinosaurier?

Vor dem Aquarium Berlin steht seit der Eröffnung die Nachbildung eines fünf Meter hohen Dinosauriers aus der Kreidezeit, ein sogenannter Iguanodon. Auch auf der Fassade sind verschiedene Dinosaurier abgebildet. Sie sollen über die fossilen Verwandten von einigen der Tiere informieren, die im Aquarium zu sehen sind. Krokodile zum Beispiel gehören wie die Dinosaurier zu den Archosauriern.

Gebäude im Aquarium fast komplett zerstört

30 Jahre nach der Eröffnung wurde das Aquarium während des Zweiten Weltkriegs durch einen Bombentreffer in die Krokodilhalle fast komplett zerstört. Der Wiederaufbau dauerte mehrere Jahre, der Grundriss blieb bestehen. Das Erdgeschoss wurde 1952 eröffnet, 1956 folgte das Terrarium, 1959 das Insektarium, so Lange. 1968 soll das Aquarium den Angaben nach wieder die weltweit artenreichste Sammlung besessen haben. In den 70er und 80er Jahren wurde das Haus modernisiert, außerdem wurde es durch einen Neubau vergrößert. 1983 wurde die Wiedereröffnung gefeiert.

5 Etagen, 20.000 Tiere, 1.000 Arten, 1 Million Liter Wasser

Heute leben in dem Aquarium rund 20.000 Tiere (Stand: Dezember 2025) aus rund 1.000 verschiedenen Arten. Einige Tiere, wie Ameisen oder Korallen, würden allerdings nicht einzeln, sondern als Kolonien gezählt. Der Besucherbereich erstreckt sich über drei Etagen: die erste Etage mit den Fischen, die zweite Etage mit Reptilien und die dritte Etage mit Insekten und Amphibien. Zusätzlich gibt es zwei weitere Etagen, die nur für Mitarbeiter zugänglich sind. Die Fischbecken fassen zusammengerechnet 1 Million Liter Wasser. Das größte Becken hat 120.000 Liter. 

Das Haus ist 8.100 Quadratmeter groß. Ein großer Teil wird durch Technik und Tierzucht hinter den Kulissen beansprucht. Der Besucherbereich ist 2.200 Quadratmeter groß.

Ganz viele Quallen

Nach Angaben des Zoos wird im Aquarium die umfangreichste Quallenzucht der Welt betrieben. Es gebe 25 Quallenarten, die meisten jedoch im Polypenstadium, also in einer sehr frühen Phase, in der die Tiere noch nicht frei schwimmen. Rund die Hälfte der Arten werde, immer im Wechsel, zu erwachsenen Quallen herangezogen. Wenn Quallen sinken oder gegen das Aquarienglas stoßen, könne das tödlich enden. Deswegen gebe es in den Becken ein ausgeklügeltes System aus Düsen. 

Nordseewasser, Fliegenraum und Bananenernte

Für die Salzwasserfische wurde das Wasser laut Zoo früher aus der Nordsee nach Berlin transportiert. Heute werde es mit 76 verschiedenen Salzen vor Ort angesetzt. Das ist technisch anspruchsvoll, früher gab es im Aquarium daher vor allem Süßwasserfische. Heute werden aus kaltem, warmem, salzigem und vollentsalztem Wasser mehr als zehn verschiedene Wassermixturen zusammengestellt - je nach Vorliebe der Aquariumbewohner.

Manchmal müssen die Tierpflegerinnen und Tierpfleger selbst ins Becken springen. Daher besitzen den Angaben nach 7 von 19 Mitarbeitern einen Tauchschein. 

Das Futter für die Tiere wird zum Teil im Aquarium selbst gezüchtet, zum Beispiel Heuschrecken, Grillen oder Meeresplankton. Unter dem Dach gebe es einen Raum mit Fliegen, die essen vor allem die Terrarien-Bewohner gerne. Auch für Menschen wächst in dem Haus essbares heran: An einigen Becken wachsen Bananenstauden, von denen regelmäßig reife Früchte geerntet würden.

Читайте на сайте