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stern-Umfrage: 58 Prozent der Deutschen fordern mehr Druck auf die Regierung Netanjahu

Stern 

Traditionell hält sich Deutschland mit Israel-Kritik zurück. Doch das ändert sich – die Anhänger aller Parteien sind für eine schärfere Gangart angesichts des Umgangs mit Palästinensern.

Die israelische Regierung steht seit Längerem wegen ihrer Politik gegenüber den Palästinensern im Gazastreifen und auch im Westjordanland international in der Kritik. Besonders die rassistischen Äußerungen des Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir werden scharf kritisiert. Er hatte zu gezielten Tötungen von Palästinensern aufgerufen. 

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage für RTL und den stern sind 58 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass die Bundesregierung mehr Druck als bisher auf die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu ausüben sollte, um sie zu einer Änderung ihrer Politik zu bewegen.

33 Prozent – mehrheitlich die Sympathisanten der AfD – sind der Meinung, dass sie das nicht tun sollte. Neun Prozent machten keine Angaben.

Deutsche Zurückhaltung gegenüber Israel

Traditionell halten sich deutsche Politiker zurück mit Kritik an Israel und verweisen auf die besondere Verantwortung vor dem Hintergrund des Holocausts. Doch die Bundesregierung ändert offenbar ihre Haltung und zeigt sich offen für Sanktionen gegen den rechtsextremen Sicherheitsminister Ben‑Gvir. 

Auf EU-Ebene wird seit Jahren über Sanktionen gegen den israelischen Politiker diskutiert, zuletzt beim Gipfel im Juni. Diese könnten Einreisesperren und das Einfrieren von in Europa vorhandenem Vermögen beinhalten. Doch dafür wäre ein einstimmiges Votum aller Länder im EU-Rat nötig. Einzelne Mitgliedstaaten haben bereits Maßnahmen ergriffen. So verhängten Irland, Frankreich, Spanien und Slowenien Einreiseverbote für ihn.

Diese Haltung wird offenbar von der gesamten deutschen Bevölkerung mehrheitlich unterstützt – in West (mit 59 Prozent) wie Ost (57 Prozent). Von den Anhängern von CDU/CSU und SPD halten je 67 Prozent mehr Druck für angebracht. Bei den Sympathisanten der Grünen fordern drei Viertel (75 Prozent) eine schärfere Gangart gegen Israel.

Israelis und Palästinenser werden in Israel und im Westjordanland rechtlich nicht gleichbehandelt. Laut einem neuen Gesetz gegen Terror gegen Israel müssen Palästinenser, die von einem Militärgericht wegen tödlicher Terrorakte verurteilt wurden, hingerichtet werden. Für jüdische Israelis gilt diese Ausweitung der Todesstrafe nicht. Menschenrechtler weltweit verurteilen diese Ungleichbehandlung scharf.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa für den stern und RTL Deutschland am 20. und 21. August 2026 telefonisch erhoben. Datenbasis: 1003 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/– 3 Prozentpunkte. Damit ist die Umfrage repräsentativ.

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