Konzerthaus an der Elbe: Hamburger Elbphilharmonie startet in Jubiläumssaison
In den kommenden Monaten steht die Elbphilharmonie noch mehr im Mittelpunkt als ohnehin schon. Das berühmte Konzerthaus feiert Zehnjähriges. Sind die Macher zufrieden?
Vor mehr als 20 Jahren nahm die Hamburger Elbphilharmonie in den Köpfen mehrerer Architekten erstmals ihre prägnante Form an. Hauptidee war die „Gläserne Welle“ auf dem alten Kaispeicher in der Hafencity. Als die Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron schließlich 2003 den ersten Entwurf präsentierten, rannten sie quasi offene Türen ein - in der Branche, der Gesellschaft und der Politik. „Der Entwurf hat die Welt erobert. Mit einem anderen wäre das nicht passiert“, sagt „Elphi“-Generalintendant Christoph Lieben-Seutter nun zum Start in die zehnte Saison.
Bis zur offiziellen Eröffnung des imposanten Konzerthauses mit der markanten Glasfassade und dem besonderen, auf 362 Stahlfederpaketen gelagerten Konzertsaal sollte es noch 14 Jahre dauern. Es gab enorme Kostensteigerungen, Chaos auf der Baustelle, Sicherheitsbedenken, Proteste.
Allen Hindernissen zum Trotz zieht die Stadt das Projekt durch und landet einen Volltreffer. Am 11. Januar 2017 wird das Eröffnungskonzert gespielt. Die „Elphi“ mit ihrer ikonischen Architektur wird zum Wahrzeichen der Stadt und zur wichtigen Adresse für Musiker aus aller Welt. Heute, am Dienstagabend, startet die „Elphi“ in ihre Jubiläumssaison.
Und das tut sie mit Stücken von Johannes Brahms und Dmitri Schostakowitsch. Pianist Alexandre Kantorow spielt zusammen mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra. Dirigent ist Manfred Honeck. Auf dem Programm stehen Brahms' Klavierkonzert Nr. 1 und die Sinfonie Nr. 5 von Schostakowitsch.
Wer für das Eröffnungskonzert keine Karten ergattern konnte, kann den Abend dennoch mitverfolgen: Das Konzert wird als Livestream in der Elbphilharmonie-Mediathek übertragen.
Wofür steht die Elbphilharmonie?
Die Elbphilharmonie stand von Beginn an für Musik, die alle erreichen und alle Menschen begeistern soll. Auch die, die normalerweise kein Klassikkonzert besuchen würden, wie Generalintendant Lieben-Seutter und Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) betonen.
Das führe vielleicht dazu, dass manchmal an „unpassenden“ Stellen applaudiert werde und nicht alle im dunklen Anzug, Krawatte und Abendkleid in die „Elphi“ kommen. Gleichzeitig seien die, die zum ersten Mal ein Elbphilharmonie-Konzert besuchen, so begeistert, dass sie wiederkommen wollen und ihren Bekannten davon erzählen, sagte Brosda weiter. „Das ist das Großartigste, was man über das Haus sagen kann.“
Zudem sei die Elbphilharmonie ein neuer Knotenpunkt in einem kulturellen Netzwerk geworden. Auch dank des Konzerthauses und seiner künstlerischen Exzellenz sowie seiner Öffnung für alle werde die Kulturstadt Hamburg insgesamt als attraktiv wahrgenommen. „Das ist wirklich ein großes Geschenk, dass das gelungen ist“, sagte Brosda.
Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren geändert?
Das künstlerische Profil des Musikhauses an der Elbe sei „erstaunlich gleich geblieben“ seit der Eröffnung 2017, sagte Lieben-Seutter. So gibt es nicht nur Klassik für die Ohren, Weltstars auf der Bühne und ein sorgfältig kuratiertes Saisonprogramm - sondern auch Musik jenseits des Mainstreams, aufstrebende Künstler, musikalische Experimente sowie rund 1.000 Veranstaltungen zur Musikvermittlung.
Anders ist aber vor allem, dass längst keine Tickets mehr auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden müssen, wie der Generalintendant lachend sagte. „Am Anfang wurden wir völlig überrannt. Viele Menschen wollten um alles in der Welt in die Elbphilharmonie. Koste es, was es wolle. Egal, was gespielt wird.“ Der Erwartungshaltung habe dann nicht immer entsprochen werden können.
Das habe sich Gott sei Dank sehr geändert. „Jetzt kommt das Publikum mit viel Vorwissen“ und wähle die Konzerte gezielt aus. Die Auslastung der Konzerte sei nach wie vor hoch. Sie liege bei durchschnittlich 96 Prozent. 7,4 Millionen Menschen haben seit der Eröffnung Konzerte in der Elbphilharmonie besucht.
Für Musikerinnen und Musiker sei die „Elphi“ nach wie vor ein „Dream Goal“ (dt.: Traumziel), wie Schlagzeugerin und Solistin Vivi Vassileva sagte. Sie habe einen außergewöhnlichen Ruf unter Kolleginnen und Kollegen. „Die Elbphilharmonie gehört zu den Top-Internationalen Konzertsälen, wo man wenigstens einmal gespielt haben möchte.“ Wer hier öfter spielen dürfe, habe sich etabliert.
Generalintendant wünscht sich Bob Dylan und Neil Young
Welche Wünsche hat Generalintendant Lieben-Seutter für die nächsten Jahre? Wer sollte unbedingt noch in die „Elphi“ kommen? In der Klassik sei bislang kein Wunsch offen geblieben. „Da waren alle da. Und wer neu ist, kommt schnell.“ Ganz große Legenden des Pop- und Rockbusiness hätten hier schon mehrfach um Termine gebeten, aber es habe nie geklappt. „Es geht die Zeit aus, wie oft ein (Bob) Dylan oder ein Neil Young noch auftreten können.“
Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Elbphilharmonie für ihr Publikum am Puls der Zeit bleibt. „Dass wir auch in zehn Jahren noch interessant sind und nicht einfach nur Routine machen. Wir wollen kein Museum sein, sondern eine aktuelle Galerie, die den Menschen immer was Aktuelles zu bieten hat.“
Architekt de Meuron begeistert vom Zustand der Elbphilharmonie
„Elphi“-Architekt Pierre de Meuron hat den Start in die Jubiläumssaison auch für einen Besuch des Prestigeobjektes an der Elbe genutzt. Und er zeigte sich begeistert vom Zustand des Hauses. „Das Gebäude sieht wie neu aus. Unglaublich. Es schmeckt noch nach Holz. Wie gestern fertig gestellt.“